Margareta von Antiochia

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„Hl. Margarete mit einer Gruppe heiliger Jungfrauen“, Bartholomäus Zeitblom (um 1489–1497) im Ulmer Münster

Margareta von Antiochia, in der orthodoxen Kirche Marina, (* in Pisidien; † um 305) war Jungfrau und Märtyrin an der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert.

Legenden[Bearbeiten]

Auslöser für die Verfolgung Margaretas von Antiochia scheint weniger ihr Glaube als ihre Schönheit gewesen zu sein, unabhängig von der zugrunde gelegten Überlieferung:

Variante 1[Bearbeiten]

Margareta war die Tochter eines heidnischen Priesters und wurde von einer christlichen Amme erzogen. Als der Vater die Hinwendung der Tochter zum christlichen Glauben bemerkte, denunzierte er sie beim Stadtpräfekten. Vor Gericht gestellt, weckte sie das Begehren des Richters, der sie umso härter bestrafte, als sie ihn zurückwies: sie sollte mit Fackeln versengt und in Öl gebraten werden. Als sie bei dieser Prozedur unverletzt blieb, führte dies zu Massentaufen in ihrer Umgebung und zu ihrer Hinrichtung durch Enthaupten.

Variante 2[Bearbeiten]

Die Legende vom Drachen am Tympanon des Westportals der Pfarrkirche Lieding, Kärnten
Margareta von Antiochia in einem Glasfenster in der Sint Janskerk in Gouda
Die der hl. Margaretha geweihte Justinuskirche in Frankfurt-Höchst

Die andere Überlieferung sieht sie als Schäferin und den Stadtpräfekten (mit Namen Olybrius) als denjenigen, der sie begehrte und den sie zurückwies. Margareta wurde im Gefängnis mit eisernen Kämmen und Fackeln gefoltert. Ihre Wunden heilten immer wieder, so kam es auch hier zu außerordentlich vielen Bekehrungen. Schließlich wurde Margareta durch Enthaupten hingerichtet.

Diese zweite Überlieferung weist Weiterungen auf, die für die heutige Verehrung Margaretas bedeutsam sind: Im Gefängnis erschien ihr ein riesiger Drache (oft der verwandelte Stadtpräfekt), um sie zu verschlingen. Das Kreuzzeichen, das sie schlug, rettete sie jedoch. Auf dem Weg zur Hinrichtung betete sie für ihre Verfolger, diejenigen, die sich in Zukunft an sie wenden würden, vor allem aber für Schwangere und Gebärende. Deshalb gilt sie auch als eine der Vierzehn Nothelfer.

Verehrung[Bearbeiten]

Jeanne d'Arc gibt Margareta als eine der Stimmen an, von denen sie geleitet wurde. Sie zählt, zusammen mit der heiligen Barbara und der heiligen Katharina von Alexandrien, zu den bekanntesten der 14 Nothelfer, unter Hinzunahme von Dorothea bilden sie die Gruppe der Virgines capitales, der wichtigen Jungfrauen.

Gedenktag[Bearbeiten]

Ihr Gedenktag ist in der katholischen Kirche, in der evangelischen und in der anglikanischen der 20. Juli, in der orthodoxen der 17. Juli. In alten Kalendern findet sich auch der 13. Juli. Es ist der Tag, an dem früher die Bauern mit der Ernte begannen.

Patronate[Bearbeiten]

Die hl. Margaretha ist die Schutzpatronin der Bauern, bei Schwangerschaft und Geburt, der Jungfrauen, Ammen und der Gebärenden. Sie wird gegen Unfruchtbarkeit, bei Wunden und Gesichtskrankheiten und zum Schutz „gegen Unholde aus der Tiefe des Wassers“ angerufen.

Aus Hans Finks Die Kirchenpatrozinien Tirol geht hervor, dass die älteste St.-Margaretha-Kirche schon um 812 in Schlitz geweiht wurde und dass 22 Filialkirchen und vier Kapellen ihrem Patrozinium übergeben wurden. In Niederösterreich sind die Pfarrkirchen von St. Margarethen an der Sierning, von Fels am Wagram und von Mühldorf-Niederranna der heiligen Margareta geweiht. In Oberösterreich ist die hl. Margarita Patronin der Pfarrkirche Lembach im Mühlkreis, in Kärnten der Pfarrkirche Lieding. In Deutschland ist die karolingische Justinuskirche in Frankfurt-Höchst seit dem 13. Jahrhundert der hl. Margareta geweiht.

Darstellungen[Bearbeiten]

In der christlichen Ikonographie gibt es Darstellungen Margaretas seit dem 10. Jahrhundert (im Osten) bzw. 12. Jahrhundert (im Westen, zum Beispiel in der Kathedrale von Tournai). Margaretha wird häufig – so auf dem Gnadenaltar in Vierzehnheiligen – zusammen mit einem Drachen dargestellt. Ein weiteres Attribut ist ein kleines Kreuz.

Darstellungen der heiligen Margareta gibt es von Hugo van der Goes (Portinari-Altar, um 1475, Uffizien, Florenz), Raffael (1518, Paris, Louvre) und Tizian (1550/52, Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial). An einer Hausfassade (15. Jahrhundert) auf dem venezianischen Campo Santa Margherita ist eine Skulptur der Heiligen mit einem Drachen zu ihren Füßen dargestellt. Auf dem gotischen Tafelbild (Ivo Strigel) der St.-Georgs-Kapelle in Meierhof Obersaxen trägt Margareta ihr Attribut, den Drachen, auf den Armen, und in Surin an einer Renaissancestatuette führt sie ihn an der Leine.

Margareta-Kapellen und -Kirchen befinden sich meistens außerhalb geschlossener Ortschaften.

Caminada dokumentierte das rätoromanische Margaretha-Lied (Canzun de Sontga Margriata „Lied von der Heiligen Margareta“), das noch vor 150 Jahren von den Bäuerinnen Rätiens bei der Feldarbeit gesungen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Margareta von Antiochia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien