Margarete Böhme

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Margarete Böhme (Name während der zweiten Ehe: Margarete Schlüter, Pseudonym: Ormános Sandor; * 8. Mai 1867[1] als Wilhelmine Margarete Susanna Feddersen in Husum; † 23. Mai 1939 in Hamburg-Othmarschen) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Margarete Böhme wuchs in Husum auf, wo sie eine Höhere Töchterschule besuchte. Bereits mit 17 Jahren wurde ihre erste Erzählung von einer Hamburger Zeitung veröffentlicht; in den folgenden Jahren lieferte sie feuilletonistische Beiträge für deutsche und österreichische Zeitungen. 1894 heiratete sie den Zeitungsverleger Friedrich Theodor Böhme, mit dem sie in Boppard lebte. Die Ehe wurde 1900 geschieden. Danach lebte Margarete Böhme mit ihrer Tochter als Journalistin und freie Schriftstellerin in Berlin-Friedenau. Ab 1903 veröffentlichte sie Unterhaltungsromane, die teilweise zuerst als Fortsetzungsromane in Zeitungen erschienen. Ihren Durchbruch hatte sie 1905 mit dem Roman Tagebuch einer Verlorenen. 1911 schloss Böhme die Ehe mit dem Berliner Brotfabrikanten Theodor Schlüter. Nach dessen Tod zog sie zu ihrer Tochter nach Hamburg-Othmarschen, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Margarete Böhmes literarisches Werk besteht aus zahlreichen Romanen und Erzählungen. Ihr größter Erfolg Tagebuch einer Verlorenen ist die Schilderung des Abstiegs einer jungen Frau in die Prostitution; da Böhme sich in der Erstausgabe als „Herausgeberin“ bezeichnete, wurde es lange Zeit für ein authentisches Tagebuch gehalten. Mit 1,2 Millionen verkauften Exemplaren war das Tagebuch einer Verlorenen einer der größten Verkaufserfolge des deutschen Buchhandels vor 1933. Es wurde in 14 Sprachen übersetzt und dreimal verfilmt. Danach veröffentlichte Margarete Böhme weitere Romane zu sozialen Zeitthemen. Als ihr gelungenstes Werk gilt weithin der 1911 erschienene Kaufhausroman W.A.G.M.U.S.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden Margarete Böhmes Bücher in Deutschland nicht mehr verlegt, und die Autorin geriet weitgehend in Vergessenheit. Das seit den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts, vor allem in den Vereinigten Staaten, neu erwachte Interesse an ihrer Person und ihrem Werk dürfte maßgeblich beeinflusst sein vom posthumen Kult um die Schauspielerin Louise Brooks, die 1929 die Hauptrolle in Georg Wilhelm Pabsts Verfilmung des Tagebuchs spielte.

Werke[Bearbeiten]

  • Im Irrlichtschein, Berlin 1903
  • Zum Glück, Dresden 1903
  • Abseits vom Wege, Berlin 1904
  • Fetisch, Berlin 1904
  • Wenn der Frühling kommt, Berlin 1904
  • Die grünen Drei, Berlin 1905
  • Tagebuch einer Verlorenen, Berlin 1905
  • Die graue Straße, Dresden 1906
  • Des Gesetzes Erfüllung, Berlin 1906
  • Johann …, Groß-Lichterfelde-Ost 1906
  • Dida Ibsens Geschichte, Berlin 1907
  • Apostel Dodenscheit, Berlin 1908
  • Rheinzauber, Berlin 1909
  • W.A.G.M.U.S., Berlin 1911
  • Im weißen Kleide, Dresden 1912
  • Anna Nissens Traum, Dresden 1913
  • Christine Immersen, Dresden [u.a.] 1913
  • Das Telegramm aus Meran, Berlin 1913
  • Sarah von Lindholm, Leipzig 1914
  • Kriegsbriefe der Familie Wimmel, Dresden 1915
  • Siebengestirne, Dresden 1915
  • Treue, Berlin 1915
  • Jungens, holt fast!, Reutlingen 1916
  • Lebensretter Belf, Reutlingen 1918
  • Herzensirren, Siegmar-Chemnitz 1919
  • Millionenrausch, Berlin 1919
  • Vanvoegelferme, Leipzig 1919
  • Wind und Wellen, Reutlingen 1919
  • Die grüne Schlange, Berlin 1920
  • Lukas Weidenstrom, Berlin 1921
  • Frau Ines’ Firnenwanderung, Dresden-A. 1922
  • Die goldene Flut, Dresden-A. 1922
  • Marianne Wendels Leidensweg, Dresden-A. 1922
  • Meine Schuld, meine große Schuld …, Dresden 1922
  • Narren des Glücks, Dresden 1923
  • Roswitha, Dresden 1923
  • Frau Bedfords Tränen, Berlin 1924
  • Die Maienschneider, Berlin 1925
  • Margarete Böhme – die Erfolgsschriftstellerin aus Husum, München [u.a.] 1994
  • Einblicke, Husum 2009

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arno Bammé: Der literarische Nachlaß der Husumer Erfolgsschriftstellerin Margarethe Böhme (1867–1939), Klagenfurt 1993
  • Eva Borst: Über jede Scham erhaben, Frankfurt am Main [u.a.] 1993
  • Heide Soltau: Das Tagebuch einer Verlorenen, Klagenfurt 1993
  • Christiane Schönfeld (Hrsg.): Commodities of desire, Rochester, NY [u.a.] 2000
  • Stephanie Günther: Weiblichkeitsentwürfe des Fin de Siècle, Bonn 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das in Nachschlagewerken häufig genannte Geburtsjahr 1869 ist falsch, vgl. den verlinkten Artikel von Arno Bammé, S. 5