Margarethe I. (Holland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Margarethe von Holland (aus: Michiel Vosmeer, Principes Hollandiae et Zelandiae, Antwerpen 1578.)

Margarethe I. von Holland (* um 1307/1310; † 23. Juni 1356), auch Margarethe von Avesnes oder Margarethe von Hennegau genannt, war die zweite Ehefrau Kaiser Ludwigs des Bayern, den sie am 26. Februar 1324 in Köln heiratete. Als Margarethe I. war sie Gräfin von Holland, Zeeland und Friesland von 1345 bis 1354, als Margarethe II. zudem Gräfin von Hennegau von 1345 bis 1356.

Leben[Bearbeiten]

Margarethe war die Tochter von Graf Wilhelm III. von Holland (Wilhelm I. von Hennegau) aus dem Haus Avesnes und seiner Frau Johanna von Valois und folgte gemeinsam mit ihrem Gemahl ihrem gefallenen Bruder Wilhelm IV. von Holland (Wilhelm II. von Hennegau) im Jahre 1345 in den niederländischen Grafschaften.

1346 kehrte Margarethe nach Holland zurück, um ihren Anspruch auf die niederländischen Grafschaften abzusichern, konnte aber die Krönung des Luxemburgers Karls IV. in Bonn nicht verhindern. Ihr Gemahl Ludwig der Bayer starb 1347 noch ehe es zur Entscheidungsschlacht der beiden Könige gekommen war. Seine Söhne regierten zunächst gemeinsam die wittelsbachischen Besitzungen, teilten ihr Erbe 1349 jedoch untereinander auf und söhnten sich 1350 mit Karl IV. aus. Magarethes zweitältester Sohn Wilhelm, von seinem Vater bereits als Mitregent vorgesehen, bekam schließlich die niederländischen Grafschaften zugesprochen, als 1349 zunächst sein Bruder Ludwig VI., später auch sein Halbbruder Stephan II. auf ihren Anspruch verzichtet hatten. Margarethe gab ihren Anspruch zu Gunsten ihres Sohnes Wilhelm ebenfalls auf. In der Folge verweigerte Wilhelm seiner Mutter jedoch den ihr zustehenden Unterhalt.

Margarethe kehrte auf Wunsch des holländischen Adels 1350 wiederum nach Holland zurück. Als Reaktion wurde am 23. Mai 1350 von Anhängern ihres Sohnes Wilhelms der Kabeljau-Bund gegründet. Am 5. September desselben Jahres entstand der Haken-Bund. Wenig später gerieten diese beiden Gruppen in Streit und ein Bürgerkrieg begann. König Eduard III. von England, Margarethes Schwager, kam ihr zu Hilfe und gewann 1351 eine Seeschlacht vor Veere. Einige Wochen später wurden die Haken und ihre englischen Verbündeten von Wilhelm und den Kabeljauen bei Vlaardingen besiegt: Eine Niederlage, die Margarethes Sache ruinierte. Denn Eduard III. wechselte daraufhin die Seiten und die Kaiserin sah sich 1354 zu einer Vereinbarung mit ihrem Sohn gezwungen: Er wurde Graf von Holland und Zeeland, sie Gräfin vom Hennegau.

Wilhelm heiratete 1352 Maud of Lancaster. 1356 starb Margarethe.

Nachkommen[Bearbeiten]

Margarethe hatte mit Ludwig dem Bayern zehn Kinder.[1]

  • Margarete (1325–nach 1358)
  1. ∞ 1351 Stephan von Kroatien, Dalmatien und Slawonien (1332–1354), Sohn König Karl II. Robert von Ungarn aus dem Hause Anjou
  2. ∞ 1358 Gerlach von Hohenlohe († 1387)
  1. ∞ 1345 Kunigunde von Polen (1334–1357)
  2. ∞ 1360 Ingeburg von Mecklenburg (1340–1395)
  1. ∞ 1350 Cangrande II. von Verona aus dem Hause della Scala (1332–1359, ermordet)
  2. ∞ 1362 Ulrich von Württemberg (1342–1388, gefallen)
  1. ∞ 1353 Margarete zu Brieg und Schlesien (1336–1386)
  2. ∞ 1394 Margarete von Kleve und der Mark (1375–1412)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Laetitia Boehm: Das Haus Wittelsbach in den Niederlanden. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Band 44, 1981, S. 93–130, insbesondere S. 111–115 (online).
  •  Stefanie Dick: Margarete von Hennegau. In: Amalie Fößel (Hrsg.): Die Kaiserinnen des Mittelalters. Pustet, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7917-2360-0, S. 249–270.
  •  Alfons Huber, Johannes Prammer (Hrsg.): 650 Jahre Herzogtum Niederbayern-Straubing-Holland. Vortragsreihe des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung. Historischer Verein für Straubing und Umgebung, Straubing 2005, ISBN 3-00-014600-8, S. 7–39.
  •  Dorit-Maria Krenn, Joachim Wild: „fürste in der ferne“. Das Herzogtum Niederbayern-Straubing-Holland 1353–1425 (= Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur. Band 28). Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 2003, ISBN 3-927233-86-2.
  • Heinz Thomas: Margarethe von Holland-Hennegau. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 154 f. (Digitalisat).
  • Karl Theodor Wenzelburger: Margaretha, deutsche Kaiserin, Gräfin von Holland und Hennegau. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 317–319.
  •  Joachim Wild: Holland. Die Wittelsbacher an der Nordsee (1346–1436). In: Alois Schmid, Katharina Weigand (Hrsg.): Bayern mitten in Europa. Vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52898-8, S. 92–106.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Lisanne Vleugels: Margaretha van Holland. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland, 15. April 2012, gesehen am 7. Juni 2012.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lebens- und andere Daten für Margarethes Kinder und deren Ehepartner nach Stefanie Dick, Margarete von Hennegau, S. 250, soweit nicht anders angegeben.
  2. Geburtsjahr nach Felix EscherOtto V. der Faule. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 677 f. (Digitalisat).
  3. Lebensdaten nach Ferdinand SeibtKarl IV. (Taufname Wenzel). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 188–191 (Digitalisat).
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Bianca Lancia 1246 bis 1246 Römisch-deutsche Kaiserin
1328–1347
Anna von Schweidnitz 1355 bis 1362
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Margarete von Brabant Römisch-deutsche Königin
1324–1347
Blanca Margarete von Valois