Margarethenhöhe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Essener Stadtteil Margarethenhöhe. Für den Ortsteil von Königswinter siehe Margarethenhöhe (Königswinter).
Wappen von Margarethenhöhe
Wappen der Stadt Essen

Margarethenhöhe
Stadtteil von Essen

Lage von Margarethenhöhe im Stadtbezirk III Essen-West
Basisdaten
Fläche 1,48 km²
Einwohner 7300 (30. Sep. 2014)
Bevölkerungsdichte 4932 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 25′ 57″ N, 6° 58′ 38″ O51.43256.977222105Koordinaten: 51° 25′ 57″ N, 6° 58′ 38″ O
Höhe 105 m
Eingemeindung 21. Jun. 1905
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45149
Stadtteilnummer 41
Bezirk Stadtbezirk III Essen-West
Bild
Blick von Südosten auf die Margarethenhöhe (2009)

Blick von Südosten auf die Margarethenhöhe (2009)

Quelle: Statistik der Stadt Essen

Die Margarethenhöhe ist ein südlicher Stadtteil der Stadt Essen. Dessen Kern bildet die Siedlung Margarethenhöhe, die als erste deutsche Gartenstadt hinsichtlich ihrer Bauweise gilt (nicht wegen des genossenschaftlichen Konzeptes).

Die 115 Hektar große, von der Margarethe Krupp-Stiftung verwaltete Siedlung gilt als Beispiel für menschenfreundliches Wohnen. Sie verfügt in 935 Gebäuden über 3092 Wohneinheiten. 50 Hektar der Siedlungsfläche sind als unbebaubares Waldland festgelegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet gehörte ursprünglich zur Gemarkung Rüttenscheid, das 1905 zur Stadt Essen eingemeindet wurde. Die ersten Häuser auf der Höhe wurden 1910 fertiggestellt, deshalb waren die Bewohner von Beginn an Bürger von Essen. Die Margarethenhöhe wurde 1906 von Margarethe Krupp anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha gestiftet und ab 1906 bis 1938 von dem Architekten Georg Metzendorf (1874–1934), einem Mitglied des Deutschen Werkbundes, erbaut. Während der Zeit ihrer Errichtung war sie, wie sonst nur die Gartenstadt Dresden-Hellerau, durch einen Regierungserlass von allen Bauvorschriften befreit. Die ersten Häuser auf der Höhe wurden 1910 fertiggestellt. Zuvor wurde 1909 der Viadukt über das Borbecker Mühlenbachtal errichtet, einerseits um eine Anbindung des neuen Siedlungsgebietes an die Bürgermeisterei Rüttenscheid zu haben, und andererseits um das neue Gelände zu erschließen und es mit Baustoffen versorgen zu können. Der Viadukt führte auch über die 1872 eröffnete Bahnstrecke Mülheim-Heißen–Altendorf (Ruhr), an der es zwischen 1946 und 1965 den Personenbahnhof Margarethenhöhe gab, dessen Empfangsgebäude abgerissen wurde. Die Bahntrasse wurde schließlich 1999 endgültig stillgelegt und darauf ein Radwanderweg angelegt.

1924 erhielt die Margarethenhöhe eine katholische Kirche, die im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstört worden war. 1952 wurde die heutige katholische Kirche Heilige Familie geweiht, die seit 2008 Gemeindekirche der Pfarrgemeinde St. Antonius ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die in großen Teilen zerstörte Siedlung in ihrer historischen Form wiederhergestellt. 1948 wurde die Margarethenhöhe ein eigenständiger Stadtteil. Von 1962 bis 1966 und von 1971 bis 1980 wurde auf dem noch unbebauten Land südlich der ersten Siedlung die Margarethenhöhe II errichtet, architektonisch teils minderwertig, und speziell im letzten Bauabschnitt, in dem Hochhäuser gebaut wurden, sozial problematisch. Laut Stiftung setzen diese Häuser „einen deutlichen gestalterischen Kontrast zur alten Margarethenhöhe“. Um die sozialen, technischen und ästhetischen Probleme der Margarethenhöhe II zu beheben, wurde bereits 1987 ein Sanierungsprogramm begonnen, um die öffentliche Wertschätzung auch der jüngeren Siedlungseinheit der Margarethenhöhe deutlich zu erhöhen.

Die Margarethenhöhe I hingegen wurde 1987 unter Denkmalschutz gestellt. Eine vom Ruhr Museum eingerichtete Musterwohnung vergegenwärtigt dem Besucher die ursprüngliche Gestaltung der Wohneinheiten und soll ihm „die wohnkulturelle Bedeutung des Denkmals Margarethenhöhe mit ihren variablen Typengrundrissen auch aus der Innenperspektive sichtbar werden“ lassen.

Zeitweise existierte auf der Margarethenhöhe auch eine kleine Künstlerkolonie, deren bedeutendster Gast der Fotograf Albert Renger-Patzsch war. Diese Kolonie wurde in den 1930er Jahren aufgelöst, nur die Keramikwerkstatt Margarethenhöhe existiert noch. Sie ist nach 1933 in die Zeche Zollverein umgezogen. Die damalige Gelsenkirchener Bergwerksverein A.G. stellte zu diesem Zweck auf einem Zechengelände diverse Räumlichkeiten zur Verfügung.

Der Heimatforscher Hugo Rieth (1922–2006) war Chronist der Gartenstadt Margarethenhöhe. Seine Veröffentlichungen in Zeitungen und Jahrbüchern belegen seine fundierten historischen Sachkenntnisse, für die ihm zu seinen Lebzeiten Ehrungen zuteil wurden. So unter anderem der Rheinlandtaler und das Bundesverdienstkreuz. Hugo Rieth verfügte über eine umfangreiche Bibliothek mit Dokumenten, Aufzeichnungen und weiteren historisch bedeutungsvollen Belegen, sowie eine umfangreiche Fotosammlung, die nach seinem Tode in Teilen dem Stadtarchiv Essen, der Bürgerschaft Margarethenhöhe und dem Essener Luftfahrtarchiv übereignet worden sind.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Margarethenhöhe

Blasonierung: „In Grün eine vierzinnige goldene (gelbe) Bogenmauer; darüber zwei balkenweise silberne (weiße) Margeritenblüten mit goldener (gelber) Butze und darunter im Schildfuß eine Margeritenblüte.“

Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter. Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden. Das Wappen ist ein sogenanntes "redendes Wappen"; die Margeriten spielen auf den Namen der Stifterin Margarethe Krupp an. Die Zinnenmauer erinnert an die ehemalige Wehranlage Sommerburg sowie die zum Stadtteil führende Brücke über das Mühlenbachtal und die ehemalige Bahnstrecke Mülheim-Heißen–Altendorf an der Sommerburgstraße.[1]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Historisch liegt Margarethenhöhe an der Bahnstrecke Mülheim-Heißen–Altendorf, über die heute ein Radwanderweg geführt wird.

Heute ist die Margarethenhöhe der südliche Endpunkt der Linie U17 der Stadtbahn Essen. Mit dieser erreicht man die Innenstadt sowie über den Stadtbahntunnel Altenessen. An der Haltestelle Margarethenhöhe besteht eine Umsteigemöglichkeit zur Buslinie 169. Betrieben werden beide Linien von der Essener Verkehrs-AG.

Linie Linienverlauf Takt
U 17 E-Karlsplatz – Altenessen Mitte – Kaiser-Wilhelm-Park – Altenessen Bf – Bäuminghausstraße – Bamlerstraße – Universität Essen – Essen, Berliner Platz – Hirschlandplatz – Essen Hbf – Bismarckplatz – Planckstraße – Gemarkenplatz – Holsterhauser Platz (Klinikum) – Halbe Höhe – Laubenweg – Margarethenhöhe 10 min
169 Essen-Margarethenhöhe – Bredeney – Werden S – Heidhausen – Velbert-Mitte, Postamt/Christuskirche – Velbert-Willy-Brandt-Platz – Velbert-Berliner Straße/Dellerstraße 20 min

Über die Doppelanschlussstelle 27/28 Essen-Haarzopf/Essen-Rüttenscheid der Bundesautobahn 52 ist die Margarethenhöhe an das Bundesfernstraßennetz angebunden.

Varia[Bearbeiten]

Die architektonische Einheitlichkeit der Siedlung geht auf einen Trick zur Kostenersparnis zurück: zwar sollten nicht alle Häuser identisch aussehen, aber jedes Gebäude einzeln zu konzipieren hätte den finanziellen Rahmen gesprengt. Daher entwarf Metzendorf einen Satz von Elementen, die immer wieder neu kombiniert wurden. Dadurch weichen die Häuser zwar alle voneinander ab, bleiben aber stilistisch geschlossen.

Seit ihrer Gründung und bis in die Gegenwart wird die Margarethenhöhe von der „Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“ geführt. Obgleich der von ihr zu verwaltende Wohnraum eigentlich den „minderbemittelten Klassen“ zugedacht war, hat sich vor allem die Margarethenhöhe I bis heute in eine bürgerliche Wohngegend verwandelt. In der Stadt wird dies vielfach auf einen siedlungsinternen Klüngel zurückgeführt, der nepotistisch vor allem eigene Familienmitglieder bevorzuge. Heute gibt es hier auch eine Grundschule und drei Kindergärten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Metzendorf (Hrsg.): Kleinwohnungsbauten und Siedlungen. Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt 1920.
  • Johannes Leßmann: Keramische Werkstatt Margarethenhöhe GmbH. In: Heimatkalender für Stadt- und Landkreis Essen. 1940, ZDB-ID 980458-4, S. 164–169.
  •  Hans G. Kösters: Der große Wurf. Die Margarethenhöhe.. Beleke, Essen 1991, ISBN 3-8215-0255-X. (gehört zu Nobel-Bildband)
  •  Rainer Metzendorf: Georg Metzendorf 1874–1934. Siedlungen und Bauten.. Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission u. a., Darmstadt 1994, ISBN 3-88443-185-4. (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 96), (Zugleich: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 1993)
  •  Rainer Metzendorf, Achim Mikuscheit, Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge (Hrsg.): Margarethenhöhe - Experiment und Leitbild. Pomp, Essen 1997, ISBN 3-89355-159-X.
  •  Hugo Rieth: Die Margarethenhöhe in alten Ansichten. Essen 1999, ISBN 90-288-6604-3. (gehört zur Die Damals-Reihe)
  •  Andreas Helfrich: Die Margarethenhöhe Essen. Architekt und Auftraggeber vor dem Hintergrund der Kommunalpolitik Essen und der Firmenpolitik Krupp zwischen 1886 und 1914.. VDG, Weimar 2000, ISBN 3-89739-105-8. (Zugleich: Darmstadt, Univ., Diss., 1999)
  •  Hugo Rieth: Essen-Margarethenhöhe. Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-911-1. (gehört zu Die Reihe Archivbilder)
  •  Manfred Kaczerowski: Menschen der Margarethenhöhe. Books & Friends, Essen 2006, ISBN 3-9810996-4-8. (Katalog zur Ausstellung auf der Margarethenhöhe im Jahr 2006; [100 Jahre])
  •  Wulf Mämpel, Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge (Hrsg.): Margarethenhöhe : das Jahrhundertwerk. Beleke, Essen/ Dortmund/ Düsseldorf/ Lübeck/ Wiesbaden 2006, ISBN 3-8215-0556-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile. Essen 2009, S. 63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Essen-Margarethenhöhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien