Margot Friedlander

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Margot Friedlander bei einer Lesung des Anne Frank-Tagebuches (2012)
Stolperstein, Skalitzer Straße 32, in Berlin-Kreuzberg

Margot Friedlander (auch: Margot Friedländer; * 5. November[1] 1921 in Berlin als Margot Bendheim) ist eine deutsche Überlebende des Holocaust, die bis heute als Zeitzeugin auftritt.

Leben[Bearbeiten]

Margot Friedlander wurde 1921 geboren. Beide Eltern waren Juden. Sie ließen sich vor 1942 scheiden.[2] Margot lebte mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Ralph bei der Mutter Auguste Bendheim in Berlin-Kreuzberg. Sie versuchten mehrfach, auszuwandern. 1938 verweigerten die USA die Immigration. 1942 wurde ihr Vater in einem Vernichtungslager ermordet. Am 20. Januar 1943 planten sie ihre Flucht aus Deutschland, Ralph wurde aber von der Gestapo verhaftet. Die Mutter konnte noch eine Handtasche mit ihrem Adressbuch und einer Bernsteinkette bei Freunden deponieren, bevor sie sich der Polizei stellte, um ihren Sohn Ralph zu begleiten.[2] Über diese Freunde ließ sie Margot zudem die Botschaft übermitteln: „Versuche, dein Leben zu machen“. Später starben Mutter und Bruder im KZ Auschwitz. Margot lebte fortan in verschiedenen Verstecken. Sie färbte sich die schwarzen Haare tizianrot und ersetzte den Judenstern durch eine Kette mit Kreuz. Sie ließ ihre Nase operieren, um nicht als Jüdin erkannt zu werden. Die Menschen, die ihr Obdach gaben, waren gegen die Nationalsozialisten eingestellt, Margots Notlage wurde aber von einigen dieser Menschen ausgenutzt.[2] Im Frühjahr 1944 geriet sie in eine Kontrolle sogenannter „Greifer“ − Juden, die im Auftrag der SS andere Juden aufspüren und ausliefern sollten. Sie wurde verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Dort traf sie Adolf Friedländer wieder, den sie vom Jüdischen Kulturbund in Berlin kannte und der ebenfalls seine gesamte Familie verloren hatte. Sie überlebten den Holocaust, heirateten und reisten 1946 per Schiff nach New York. Dort nahmen sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an und schrieben ihren Nachnamen „Friedlander“.

Margot Friedlander arbeitete in New York unter anderem als Änderungsschneiderin und Reiseagentin. 1997 starb Adolf Friedlander. Margot Friedlander nahm 2003 eine Einladung des Berliner Senats für „verfolgte und emigrierte Bürger“ an und besuchte ihre Heimatstadt. 2008 erschien ihre Autobiografie Versuche, dein Leben zu machen. Nachdem sie weitere Besuche in Berlin unternommen hatte, beschloss sie, 2010 dauerhaft in die Stadt zurückzukehren.[3] Sie erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Heute besucht Margot Friedlander bis zu drei Mal pro Woche Schulen und andere Einrichtungen in ganz Deutschland, um über ihr Leben zu berichten.[2] Dabei trägt sie gelegentlich die Bernsteinkette, die sie von ihrer Mutter erhielt.

Am 9. November 2011 wurde ihr von Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.[4]

Margot-Friedlander-Preis[Bearbeiten]

Im Jahr 2014 wird zum ersten Mal der Margot-Friedlander-Preis durch die Schwarzkopf-Stiftung verliehen. Der Preis und der dazugehörige Wettbewerb sollen Schüler und Lehrer motivieren, sich mit dem Holocaust und heutiger Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und sich mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Ausgrenzung zu engagieren. Zur Teilnahme eingeladen sind Schüler ab der 8. Klasse aus Berlin und Brandenburg. Das Preisgeld dient zur Finanzierung des mit dem Preis ausgezeichneten Projekts.[5]

Werke[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

  • Don’t Call it Heimweh. Film über Margot Friedlanders Besuche in Berlin von Thomas Halaczinsky, USA 2004, 60 Minuten

Audioguide[Bearbeiten]

Seit Juni 2013 sind Margot Friedlanders Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges in Berlin und ihre Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt in einem Audioguide aufgearbeitet. In einem interaktiven Stadtrundgang durch Berlin können Zuhörer verschiedene Stationen und Verstecke erlaufen. Die einzelnen Stationen wurden von Margot Friedlander eingesprochen und mit dem Potsdamer Unternehmen Yopegu produziert.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Margot Friedlander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel in der Berliner Morgenpost vom 6. November 2011, abgerufen am 10. November 2011.
  2. a b c d Bericht über das Leben Margot Friedlanders im Hamburger Abendblatt, abgerufen am 20. Februar 2011.
  3. Bericht über Margot Friedlanders Umzug nach Deutschland in der Jüdischen Allgemeinen, abgerufen am 20. Februar 2011.
  4. Bericht in taz-online vom 9. November 2011.
  5. Informationen zum Margot-Friedlander-Preis auf der Homepage der Schwarzkopf-Stiftung, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  6. Audioguides des Unternehmens Yopegu, abgerufen am 1. Juli 2013.