Mariä Himmelfahrt (Kaisheim)

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Ansicht von Westen

Die Klosterkirche Kaisheim (Landkreis Donau-Ries, Bayern) war die Kirche des Zisterzienserklosters Kaisheim. Sie dient seit der Säkularisation als katholische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt und gleichzeitig als Gotteshaus der Justizvollzugsanstalt Kaisheim, die seit dem 19. Jahrhundert in den Klostergebäuden untergebracht ist. Die hochgotische Basilika wurde bisher von der akademischen Kunstwissenschaft nur wenig beachtet.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der Umgangschor
Grundriss nach Dehio

Das Zisterzienserkloster Kaisheim ist eine Gründung des Grafen Heinrich I. von Lechsgemünd und seiner Gemahlin Liukardis. Die Neugründung wurde von zwölf Mönchen aus Lützel im Oberelsass besiedelt. Die erste Klosterkirche entstand 1174 in romanischen Bauformen und konnte schon 1183 durch den Bischof von Augsburg geweiht werden.

Abt Niblung (1340–1360) legte am ersten September 1352 den Grundstein des hochgotischen Neubaues, unter seinem Nachfolger Johann Zauer (1360–1380) wuchs der Umgangschor in die Höhe. 1387 war bereits der gesamte Bau fertiggestellt und wurde am 13. November durch Bischof Burkart geweiht.

1459 begann Werkmeister Heinrich Feldkircher mit dem Ausbau des Vierungsturms, der 1545 durch Blitzschlag beschädigt und anschließend wiederhergestellt wurde. 1602 schlug erneut ein Blitz ins Turmdach ein, ein nochmaliger Umbau erfolgte 1695.

Abt Elias Götz (1681–1696) begann mit der Barockisierung der Klosteranlage, die unter Rogerius Röls (1698–1723) vollendet wurde. Von 1719 bis 1721 legte der Baumeister Franz Beer eine zweitürmige Fassade vor den Westbau der Kirche. 1872 riss man die barocke Schaufassade allerdings wieder ab (Originalriss im Heimatmuseum zu Donauwörth).

Zwischen 1771 und 1783 wurde der heutige Turmabschluss geschaffen. Nach der Säkularisation des Klosters dienten die Konventgebäude ab 1816 erst als Strafarbeitshaus das 1863 in ein Zuchthaus umgewandelt, das bis heute als Justizvollzugsanstalt weitergeführt wird.

Architektur[Bearbeiten]

Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit östlichem Querschiff und doppeltem Umgangschor ist innen 80,5 m lang und 27,7 m breit. Die Gewölbe des Mittelschiffes schließen in 24 m Höhe, die Seitenschiffe sind 9,5 m hoch (Maße nach dem Inventarband). Grund- und Aufriss sind vom Schema der klassischen französischen Kathedralen abgeleitet, das offene Strebesystem ist allerdings unter den Pultdächern der Seitenschiffe verborgen. Der Außenbau ist nach zisterzienserischer Art nüchtern gestaltet und verzichtet auf aufwändige Dekorationsformen. Die Außengliederung besteht im Wesentlichen nur aus den Strebepfeilern und den schmalen Spitzbogenfenstern mit ihrem schlichten Maßwerk. In ihrer monumentalen Großartigkeit blieb die Kirche in weitem Umkreis ohne Nachfolge. Einen (unvollendeten) „französischen“ Kathedralchor besitzt in Schwaben sonst nur noch der Augsburger Dom.

Die Monumentalität wird besonders durch das „Verstecken“ der Strebebögen unterstrichen. Die Auftraggeber waren sich der dekorativen Wirkung offener Strebesysteme bewusst, die der zisterzienserischen Forderung nach Schmucklosigkeit der Ordensbauten entgegenstand. So wird auch im Inneren auf ein Triforium verzichtet, die Hochschiffswände des Langhauses steigen als kahle Mauerflächen empor. In deutlichem Kontrast steht hierzu jedoch der Chorbau mit seiner reicheren Innengliederung. Durch den doppelten Chorumgang wird ein fünfschiffiges „kathedrales“ Raumbild geschaffen, das seit der Barockzeit vom riesigen Hochaltar gestört wird. Auch die Gewölbe sind als einfache Kreuzrippen angelegt, nur im Chorumgang finden sich reichere Figurationen. Die Pfeiler und Säulen besitzen keine Kapitelle. Das Vorbild der zeitgenössischen Bettelordenskirchen wird besonders im Langhaus überall deutlich.

Ausstattung[Bearbeiten]

Innenraum nach Osten
Nördliches Seitenschiff und Chorumgang
Südliches Seitenschiff mit der Kanzel
Das Stiftergrab im Hauptschiff
Blick auf die Orgelempore

Neben der schlichten hochgotischen Architektur bestimmt die hochbarocke Ausstattung das Raumbild.

Altäre[Bearbeiten]

Der Hochaltar (1673) füllt nahezu den ganzen Chorabschluss. Der strenge architektonische Aufbau mit den seitlichen Säulen und dem großen Tabernakel ist schwarz-gold gefasst (bemalt). Das Altarblatt zeigt die Himmelfahrt Mariae mit dem hl. Bernhard und anderen Ordensleuten (Johann Pichler, 1672). Seitlich stehen zwei lebensgroße Holzfiguren des hl. Johannes d. T. und des Evangelisten Johannes.

Der linke Seitenaltar stammt von 1708. Auf dem Altarblatt ist die Heilige Sippe zu sehen (bez. 1713). In einem Glasschrein ruhen die Gebeine des hl. Claudius.

Das Hauptbild des rechten Seitenaltars (bez. 1731) ist mit I.C. WOLCKER, AUG. 1739 bezeichnet und zeigt Maria mit dem hl. Nepomuk. Die Darstellung wird von je drei Säulen flankiert, davor stehen lebensgroß die hl. Benedikt und Bernhard. Auch hier steht auf der Mensa ein Glasschrein, der den Leichnam des hl. Julianus birgt.

Im Chorumgang ließ Abt Rogerius Röls (1698–1723) acht weitere Altäre aufstellen, die zwischen 1705 und 1712 entstanden sind.

Auf der Rückseite des Hochaltars steht ein schwarzer Sakramentsaltar (1728, ehemals mit Silberdekor) mit dem „Prager Jesuskind“ im Auszug.

Mittelschiff[Bearbeiten]

Die großen Barockgemälde der zwölf Apostel an den Hochwänden des Mittelschiffes sind das Werk von Johann Gebhard aus Prüfening bei Regensburg (1711). Die Bilder sind jeweils ca. 5 m hoch, 2,5 m breit und werden von aufwändig verzierten Akanthusrahmen eingefasst.

Die Kanzelkorpus (1699) besitzt reichen Akanthusdekor, dazu gedrehte Säulen und Engelsköpfe. Der mächtige Schalldeckel ist ebenso aufwändig dekoriert, oben steht Christus als „Salvator mundi“.

Das Chorgestühl (Eichenholz) von 1698 steht jetzt in den Seitenschiffen. Die Stuhlwangen zeigen reiche, geschnitzte Zierformen, ebenso die Bekrönung. Hier sind kleine Ovalbilder mit Darstellungen der Marienverehrung durch die Mönche eingelassen. Auch die Lesepulte sind reich beschnitzt. Die Beichtstühle sind zeitgleich entstanden und zeigen ähnliche Stilformen.

Das schmiedeeiserne Gitter zwischen Laien- und Mönchskirche wurde 1664 vom Klosterbruder Johann Haus geschaffen und von Elias Riß, einem Tiroler, bemalt. In der Bekrönung sieht man die Wappen des Klosters und des Abtes Georg IV. Müller (1637–1667).

Grabmale[Bearbeiten]

Im Mittelschiff steht vor dem Trenngitter die Grabtumba des Stifters Heinrich I. von Lechsgmünd (rekonstruiert). Die Deckplatte (um 1434) wurde zum dreihundertjährigen Stiftungsjubiläum gefertigt, wiederholt aber vielleicht eine ältere Darstellung. Der bärtige Graf hält das Modell eines einschiffigen Chorbaus in der linken Hand.

Unter den zahlreichen sonstigen Grabdenkmälern fallen besonders die figürlichen Steine des Ritters Georg von Wemding († 1551) und seiner Frau Margarethe († 1549) neben dem Westportal ins Auge. Der Ritter ist in vollem Harnisch, seine Gemahlin in zeitgenössischer Gewandung dargestellt. Bemerkenswert ist auch der Gedenkstein des Abtes Dominikus Steichele (1589–1594). Der Verstorbene steht fast vollplastisch in einer aufwändigen Ädikula.

Sonstiges[Bearbeiten]

Von der sonstigen, reichhaltigen Ausstattung sind noch die vier gotischen Steinplastiken zu erwähnen, als deren bedeutendste die „Madonna in der Pfeilernische“ (vor 1350) gilt.

Neben der Sakristei hat noch ein Rest des mittelalterlichen Kreuzganges (1393/94) die Barockisierung überstanden. Das ungewöhnliche Springgewölbe mit seinen Dreistrahlrippen und tellerförmigen Schlusssteinen überspannt heute eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Die gemalten Flügel Hans Holbeins d. Ä. des ehemaligen Hochaltares (um 1502) befinden sich heute in der Alten Pinakothek in München (Kaisheimer Altar). Der Altarschrein ist vollständig verloren, die wahrscheinlich zugehörige Schutzmantelmadonna Gregor Erharts verbrannte 1945 im Auslagerungsdepot in Berlin.

Historische Orgel[Bearbeiten]

Blick auf den Orgelprospekt

Die Orgel stammt von 1677/78. Sie wurde von Matthias Tretzscher (Kulmbach) erbaut und 1792 überarbeitet. 1888 wurde die Orgel, unter Wiederverwendung eines Großteils des historischen Pfeifenmaterials, durch die Orgelbaufirma Steinmeyer neu erbaut. Das barocke Werk hatte ursprünglich 30 Register. Das Kegelladen-Instrument umfasst heute 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.[1]

I Hauptwerk C–f1
1. Bourdon 16' H
2. Principal 8' H
3. Gamba 8'
4. Salicional 8' H
5. Gedeckt 8' H
6. Tibia 8'
7. Principal 4' H
8. Spitzflöte 4' H
9. Octave 2' H
10. Mixtur IV 22/3' H
11. Dolcean 4'
II Nebenwerk C–f3
12. Principal 8'
13. Dolce 8'
14. Gedeckt 8' H
15. Äoline 8'
16. Bourdonalflöte 8' H
17. Flöte 4' H
18. Flautino 2' H
Pedalwerk C–d1
19. Principalbaß 16' H
20. Subbaß 16' H
21. Violonbaß 16'
22. Octavbaß 8' H
23. Rohrflöte 4' H
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Anmerkung
H = Historisches Register von 1792

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam Horn (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Schwaben, III, Landkreis Donauwörth. München 1951
  • Johann Lang: Ehemalige Klosterkirche der Zisterzienser in Kaisheim. Donauwörth 1979
  • Johann Lang: Otto Kuchenbauer: 850 Jahre Klostergründung Kaisheim 1134–1984 (Festschrift zur 850-Jahr-Feier). Kaisheim 1984
  • Birgit Maier: Kloster Kaisheim. Augsburg 1999, ISBN 3-922518-25-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel. Abgerufen am 5. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mariä Himmelfahrt (Kaisheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.767310.7983Koordinaten: 48° 46′ 2″ N, 10° 47′ 54″ O