Maria Kleophae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maria Kleophae mit ihrem Mann Alphäus und ihren Kindern Jakobus minor, Joseph, Simon Zelotes und Judas Thaddäus, Altar der Heiligen Sippe, Langenzenn ( Bayern )

Die Heilige Maria des Kleophas oder Maria des Klopas ist im Neuen Testament als Jüngerin Jesu von Nazaret erwähnt.

Biblische Überlieferung und Legende[Bearbeiten]

Der griechische Text lässt offen, ob es sich um die Tochter, Frau oder sogar Mutter des Kleophas handelt, in der christlichen Tradition wird sie durchgehend als Frau des Kleophas angesehen. Von Richard Bauckham wird Kleophas mit Kleopas gleichgesetzt, der ein Verwandter Jesu (vielleicht ein Bruder des Hl. Joseph?) und später eine führende Person der Jerusalemer Gemeinde war.[1]

Im Johannesevangelium wird Maria Kleophae unter den Frauen am Kreuz erwähnt Joh 19,25 HER: „Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria (die Frau) des Kleophas und Maria von Magdala.“ Aufgrund des Satzbaus wird sie von einigen als Schwester der Mutter Jesu angesehen, während andere es für eher unwahrscheinlich halten, dass zwei Schwestern den gleichen Namen haben. Sie könnte aber auch eine Schwägerin gewesen sein, da „Schwester“ im biblischen Kontext nicht unbedingt eine leibliche Schwestern bezeichnen muss.

In der Parallelstelle bei Matthäus (Mt 27,56 EU) ist unter den Frauen am Kreuz eine „Maria Mutter des Jakobus und Joses“ erwähnt, bei Lukas unter den Frauen am Grab eine „Maria Mutter des Jakobus“ (Lk 24,10 EU), die in der Regel beide mit der Maria des Kleophas gleichgesetzt werden. Der Sohn mit Namen Jakobus wird bibelkundlich auch als Jakobus der Kleine bezeichnet, über den nichts weiter bekannt ist (sofern man ihn nicht mit Jakobus dem Jüngeren, dem Sohn des Alphäus, identifiziert). Ebenso wird die „andere Maria“ in (Mt 27,81 EU) mit der Maria des Kleophas identifiziert.
Es ist allerdings auch denkbar, dass Kleophas und seine Frau die Eltern der beiden „Herrenbrüder“ Simon und Judas waren; dann könnte man die „andere Maria“ als Mutter der anderen beiden „Herrenbrüder“ Jakobus und Joses (und mit Alphäus verheiratet) ansehen. In dieser Konstruktion würde der Herrenbruder Jakobus mit dem „jüngeren“ Jakobus („Sohn des Alphäus“) gleichgesetzt, was in erster Linie dazu dient, die Annahme einer niemals verlorenen Jungfräulichkeit der Mutter Jesu aufrechtzuerhalten (sonstige Anhaltspunkte für diese Gleichsetzung der verschiedenen Träger des Namens Jakobus gibt es nicht).

In der mittelalterlichen Legenda aurea wird Kleophas jedoch unmittelbar mit Alphäus dem Vater Jakobus' des Jüngeren (Mt 10,28 EU) identifiziert, sodass seine Frau Maria als Mutter von Jakobus dem Jüngeren, Simon Zelotes und Judas Thaddäus angesehen wird. Diese Identifizierung wird auch heute von einzelnen, zumeist katholischen Auslegern vertreten, die aufgrund der Ähnlichkeit der Namen eine Gleich- oder Wechselnamigkeit ein und derselben Person annehmen, wie sie bei der Gräzisierung jüdischer Namen häufiger vorkam (angenommen wird eine Person mit dem semitischen Namen Chalpai).[2]

Nach einer Überlieferung war Maria Kleophae zusammen mit (Maria) Salome von Galiläa und Sara-la-Kâli vor einer Christenverfolgung auf einem Schiff aus Israel geflohen und an dem Ort in Südfrankreich gelandet, der heute nach ihnen Saintes-Maries-de-la-Mer genannt wird.

Gedenktage[Bearbeiten]

Darstellung[Bearbeiten]

Sie wird nur im Zusammenhang der Heiligen Sippe und bei Szenen im Leben Jesu dargestellt. In Darstellungen des Spätmittelalters wird von der Identität zwischen Maria Kleophas und der Mutter des Jakobus ausgegangen. Mit oder ohne Mann wird sie zumeist mit ihren Kindern Jakobus, Sohn des Alphäus, Simon Zelotes, Judas Thaddäus und Joses oder Barnabas abgebildet.

Musik[Bearbeiten]

In Georg Friedrich Händels Oratorium La Resurrezione (uraufgeführt 1708 in Rom) ist die Person Marias des Kleophas eine der tragenden Rollen (italienisch "Cleofe").

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Bauckham: Jesus and the Eyewitnesses, Cambridge, 2006, ISBN 978-0-8028-3162-0
  2. Vgl. Ludwig Neidhardt: Die „Brüder Jesu“: Hatte Maria mehrere Kinder oder blieb sie stets jungfräulich? In: Theologisches 37 (2007), Nr. 11/12 (Nov./Dez.), Sp. 401. Die Gleichnamigkeitshypothese geht davon aus, der Name Chalpai könnte sowohl zu Alphäus (unter Wegfall des im Griechischen nicht existierenden Anlauts ch) als auch zu Kleophas gräzisiert worden sein. Die Wechselnamigkeitshypothese vermutet den in Palästina nicht seltenen Fall, dass eine Person neben ihrem semitischen Namen zusätzlich einen ähnlich klingenden griechischen Namen annahm (dann wäre Alphäus die Gräzisierung von Chalpai und Klopas oder Kleophas ein von Kleopatra abgeleiteter zusätzlicher Name des Mannes).