Maria Ludovica von Spanien

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Kaiserin Maria Ludovica (1790)
Maria Ludovica vor ihrer Hochzeit ,(1764)
Maria Ludovica von Spanien um 1789

María Ludovica von Spanien (spanisch: María Luisa de Borbón) (* 24. November 1745 in Portici; † 15. Mai 1792 in Wien) war die Tochter Karls III. von Spanien (1716–1788) und der Maria Amalia von Sachsen (1724–1760). Sie war als Gemahlin Leopolds II. (1747–1792) von 1765 bis 1792 Erzherzogin von Österreich, von 1765 bis 1790 Großherzogin der Toskana sowie von 1790 bis 1792 Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches und Königin von Böhmen, Kroatien und Ungarn.

Leben und Herkunft[Bearbeiten]

Maria Ludovica wurde in Portici (Kampanien) geboren, einen Ort, in dem ihre Eltern, die von 1735 bis 1759 als König und Königin von Neapel und Sizilien herrschten, einen königlichen Palast errichten ließen.

Sie war die fünfte von sieben Töchtern, von denen - neben ihr - nur ihre um ein Jahr ältere Schwester María Josefa (1744–1801) das Erwachsenenalter erreichte. Von ihren sechs (jüngeren) Brüdern, darunter Karl IV. von Spanien (1748–1819) und Ferdinand I. von Sizilien (1751–1825), starb nur der Jüngste Francisco Javier (1757–1771) als Jugendlicher. Nachdem ihr Vater 1759 als Karl III. seinen Halbbruder Ferdinand VI. (1713–1759) als König von Spanien beerbte, zogen Maria Ludovica, ihre Eltern und einige Geschwister nach Spanien.

Am 16. Februar 1764 wurde Maria Ludovica in Madrid offiziell mit Erzherzog Peter Leopold, dem zweiten Sohn von Kaiser Franz I. (1708–1765) und Kaiserin Maria Theresia (1717–1780) und zugleich der Thronfolger des Großherzogtums Toskana, vermählt. Da ihre Ehe in Madrid nur mit einem Stellvertreter geschlossen wurde, erfolgte am 5. August 1765 in Innsbruck die tatsächliche Hochzeit mit ihrem diesmal persönlich anwesenden Ehemann.

Nur wenige Tage später, am 18. August 1765, starb Kaiser Franz I., und Maria Ludovicas Ehemann Peter Leopold wurde der neue Großherzog der Toskana. Beide Ereignisse, die Hochzeit zwischen Peter Leopold und Maria Ludovica und der Tod des Kaisers, wurden auf dem Innsbrucker Triumphbogen dargestellt und sind heute noch zu besichtigen.

Nach dem Tod des Kaisers zogen die frisch vermählten Eheleute nach Florenz, von wo aus sie bis 1790 im Großherzogtum Toskana herrschten und einige Reformen im aufklärerischen Sinn umsetzten. Ihre Regentschaft wurde überschattet vom Streit mit Kaiser Joseph II., der die toskanische Reservekasse als Erbe seines Vaters beanspruchte und schließlich auch erhielt. Dadurch verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern. Erst die Geburten der Söhne Franz (* 1768) und Ferdinand (* 1769) entspannte langsam das Verhältnis zwischen den Habsburgern in Florenz und Wien. Aufgrund ihrer zahlreichen Geburten begann Joseph II. seine Schwägerin Maria Ludovica zunehmend zu achten. Er war ihr dankbar, dass die Habsburger Erbfolge ausreichend gesichert war und er sich deshalb nicht mehr um eigenen Nachwuchs bemühen musste.

Maria Ludovica und Großherzog Leopold im Kreise ihrer Familie 1776 in Florenz

Peter Leopold erbte nach dem Tod seines kinderlos gebliebenen Bruders Joseph II. (1741–1790) die habsburgischen Länder in Mitteleuropa. Er wurde kurz danach zum römisch-deutschen Kaiser Leopold II. gewählt und verlegte seinen Wohnsitz nach Wien, wo Maria Ludovica die Pflichten einer kaiserlichen Gemahlin wahrnahm. Die Herrschaft in der Toskana übernahm ihr zweiter Sohn Ferdinand III. (1769–1824).

Bereits zwei Jahre später starben Leopold II. († 1. März 1792) und Maria Ludovica († 15. Mai 1792), und ihr gemeinsamer ältester Sohn Franz II. (1768–1835) wurde noch im gleichen Jahr als letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Maria Ludovica wurde an der Seite ihres Ehemannes in der Kapuzinergruft beerdigt. Ihr Herz wurde dagegen getrennt bestattet und befindet sich in der Loretokapelle der Wiener Augustinerkirche. Durch ihren frühen Tod hinterließen Leopold II. und Maria Ludovica mehrere minderjährige Waisen.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Leopold II. und Maria Ludovica hatten 16 Kinder, darunter:

Sarkophag von Kaiserin Maria Ludovika in der Kapuzinergruft.
  1. ∞ 1788 Elisabeth von Württemberg (1767–1790)
  2. ∞ 1790 Maria Theresia von Neapel-Sizilien (1772–1807)
  3. ∞ 1808 Maria Ludovika Beatrix von Österreich-Este (1787–1816)
  4. ∞ 1816 Karoline Auguste von Bayern (1792–1873)
  1. ∞ 1790 Maria Louisa von Neapel-Sizilien (1773–1802)
  2. ∞ 1821 Maria Anna von Sachsen (1796–1865), Tochter des Maximilian von Sachsen (1759–1838)
  1. ∞ 1799 Alexandra Pawlowna Romanowa (1783–1801)
  2. ∞ 1815 Hermine von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym (1797–1817)
  3. ∞ 1819 Maria Dorothea von Württemberg (1797–1855)

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Maria Ludovica von Spanien
Ururgroßeltern

König
Ludwig XIV. von Frankreich (1638–1715)
∞ 1660
Maria Theresia von Spanien (1638–1683)

Kurfürst
Ferdinand Maria von Bayern (1636–1679)
∞ 1650
Henriette Adelheid von Savoyen (1636–1676)

Ranuccio II. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza (1630–1694)
∞ 1664
Isabella von Este (1635–1696)

Kurfürst
Philipp Wilhelm von der Pfalz (1615–1690)
∞ 1653
Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt (1635–1709)

Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647–1691)
∞ 1666
Anna Sophie von Dänemark und Norwegen (1647–1717)

Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth (1644–1712)
∞ 1671
Sophie Luise von Württemberg (1642–1702)

Kaiser Leopold I. (1640–1705)
∞ 1676
Eleonore Magdalene von der Pfalz (1655–1720)

Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Calenberg (1625–1679)
∞ 1668
Benedicta Henriette von der Pfalz (1652–1730)

Urgroßeltern

Louis le Grand Dauphin (1661–1711)
∞ 1680
Maria Anna Victoria von Bayern (1660–1690)

Odoardo II. Farnese, Erbherzog von Parma und Piacenza (1666–1693)
∞ 1690
Dorothea Sophie von der Pfalz (1670–1748)

König August II. von Polen (1670–1733)
∞ 1693
Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671–1727)

Kaiser Joseph I. (1678–1711)
∞ 1699
Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg (1673–1742)

Großeltern

König Philipp V. von Spanien (1683–1746)
∞ 1714
Elisabetta Farnese (1692–1766)

König August III. von Polen (1696–1763)
∞ 1719
Maria Josepha von Österreich (1699–1757)

Eltern

König Karl III. von Spanien (1716–1788)
∞ 1738
Maria Amalia von Sachsen (1724–1760)

Maria Ludovica von Spanien

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Weissensteiner: Die Söhne Maria Theresias. Kreymayr & Scheriau, Wien/ München/ Zürich 2004, ISBN 3-218-00726-7.
  • Brigitte Vacha (Hrsg.): Die Habsburger. Eine europäische Familiengeschichte. Verlag Styria Graz, Wien/ Köln 1996, ISBN 3-222-12459-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maria Ludovica von Spanien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Maria Josepha von Bayern Römisch-Deutsche Kaiserin
1790–1792
Maria Theresia von Neapel-Sizilien