Maria Reese

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Dieser Artikel beschreibt die Schriftstellerin und Politikerin. Zur Malerin siehe Maria Reese (Malerin).
Maria Reese

Maria Reese (* 5. Januar 1889 in Michelbach als Maria Meyer; † 9. Oktober 1958 in Zell (Mosel)) war Schriftstellerin, Journalistin und Reichstagsabgeordnete.

Leben[Bearbeiten]

Maria Reese besuchte die Volksschule in Hersel und Lutterade und wurde schließlich selbst Lehrerin. Von 1920 bis Juni 1924 war sie Redakteurin der Volkswacht, Vorstandsmitglied der Sozialdemokratischen Partei und Referentin für Frauen- und Jugendfragen in Trier. 1923 heiratete sie. Ihr Mann Gottlieb Reese wurde kurz darauf aus dem französischen Mandatsgebiet (Ruhrbesetzung) ausgewiesen. Beide zogen mit Kind nach Hannover.

1928 erhielt sie ein Reichstagsmandat der SPD. Im November 1929 trat sie zur KPD über und wurde bis März 1933 für zwei weitere Legislaturperioden in den Reichstag gewählt. Sie trat aus der katholischen Kirche aus. 1930 bis 1932 war sie Herausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift Die rote Einheitsfront in Berlin.

Im Februar 1933 emigrierte sie nach Schweden und wurde einen Monat später in die Sowjetunion abgeschoben. In Moskau traf sie unter Schwierigkeiten Clara Zetkin, die, als Symbolfigur der deutschen Arbeiterbewegung, inzwischen isoliert lebte und von den Karrieristen im stalinschen Parteiapparat tief enttäuscht war. Zetkin nannte die Funktionäre Wilhelm Florin, Walter Ulbricht, Hermann Remmele und Heinz Neumann „Gesindel, Schufte und Lügner“, Fritz Heckert einen „eitlen, verbrecherischen Hohlkopf“, Josef Stalin selbst einen „Teufel“ und bat Maria Reese, sich „immer für die deutschen Arbeiter einzusetzen“.

Im Juni 1933 reiste Maria Reese nach Paris und stellte sich öffentlich gegen die Komintern sowie Willi Münzenberg und dem von ihm inszenierten Gegen-Reichstagsbrand-Prozess in London, der im Braunbuch zum Reichstagsbrand dokumentiert wurde. Münzenbergs Volksfront gegen die NS-Regierung sah sie als einen unseligen Bund zwischen Imperialisten und KPD zum Schaden deutscher Arbeiter. Freunde versuchten eine Scheinehe zu vermitteln um ihren Aufenthalt in Frankreich zu legalisieren, was aber nicht gelang – die Komintern hatte sie „abgehängt“.

Ende 1933 wurde Maria Reese von Frankreich ins Saargebiet abgeschoben, wo sie für einige Monate Mitglied der trotzkistischen IKD war. Nach der Saarabstimmung 1935 kehrte sie nach Deutschland zurück und schrieb im Auftrag der Anti-Komintern 1938 ihr letztes Buch. Sie sympathisierte mit dem Nationalsozialismus und nahm eine Arbeitstätigkeit im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels auf.[1]

1944 bekannte sie sich zum Katholizismus. Ihr Sohn wurde am 17. Juni 1944 in Folge seiner Desertion hingerichtet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war sie als Lehrerin in Lüxem tätig.[2]

Im Juli/August 1944 war sie in Wittlich und Trier inhaftiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Reese in der Bundesrepublik Deutschland weder auf Länder- noch auf Bundesebene politisch aktiv.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Das wahre Gesicht der S.P.D : ein Wort an die S.P.D.-Arbeiter. 1930
  • Sozialdemokrat ... entscheide dich. 1931
  • An der Front des Roten Aufbaus. 1932
  • Abrechnung mit Moskau. 1938

Literatur[Bearbeiten]

  • Reese, Maria. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
  • Alfons Friderichs: Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell. Trier 2004, S. 284–285, ISBN 3-89890-084-3.
  •  Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.: Mario Keßler: Ruth Fischer. Ein Leben mit und gegen den Kommunismus (1895–1961), Köln/Weimar/Wien 2013, S. 517.
  2. Vgl.: Mario Keßler: Ruth Fischer, S. 517f..