Militär-Maria-Theresien-Orden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Maria Theresia-Orden)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maria-Theresien-Orden
Bruststern des Großkreuzes mit Brillanten
Die Erstverleihung des Maria-Theresien-Ordens 1758
Kaiser Franz Joseph auf der Gartenstiege in Schönbrunn anlässlich der 100-Jahrfeier des Ordens
Ritter des Ordens 1918

Der Militär-Maria-Theresien-Orden (auch Militär-Maria Theresien-Orden oder Österreichischer Militär-Maria-Theresien-Orden) ist ein österreichischer Militärorden für hervorragende Verdienste im Kriege und wurde am 18. Juni 1757, dem Tag der Schlacht von Kolin, durch Maria Theresia als erster österreichischer Militärorden gestiftet und erstmals bei einer Promotion am 7. März 1758[1] verliehen. Er war bis zum Ende der Habsburgermonarchie die höchste Tapferkeitsauszeichnung des Landes. Als Ordensgroßmeister fungierte der jeweilige „allerhöchste Kriegsherr“, also der regierende Monarch.

Inhaltsverzeichnis

Ordensklassen [Bearbeiten]

Der Orden wurde zunächst in zwei Klassen gestiftet.

Am 15. Oktober 1765 fügte Kaiser Joseph II. die Klasse der Kommandeure hinzu und führte für die Inhaber des Großkreuzes zum bisherigen Ordenskleinod einen aufgenäht zu tragenden Bruststern, den „Stern zum Großkreuz“ ein.[2]

Ordensdekoration [Bearbeiten]

Das Ordenszeichen ist ein geschweiftes, weißes, goldgerändetes Kreuz, dessen vorderer Mittelschild das österreichische Wappen, mit der Umschrift FORTITUDINI (Der Tapferkeit) darstellt. Die Rückseite trägt die verschlungenen Buchstaben M T F (Maria Theresia Franciscus).

Der silberne Stern des Großkreuzes ist in seinen Winkeln von einem Lorbeerkranz durchzogen.

Trageweise [Bearbeiten]

Das Großkreuz wurde an einer Schärpe von der rechten Schulter zur linken Hüfte sowie mit dem beschriebenen Bruststern getragen. Kommandeure trugen die Auszeichnung als Halsorden, Ritter dekorierten das Ordenszeichen am Band auf der linken Brustseite oder durch das Knopfloch.

Der Maria Theresien-Orden wurde stets an erster Stelle getragen, stand also außer Rangverhältnis gegenüber den anderen Orden.

Das Band ist rot-weiß-rot gestreift.

Sonstiges [Bearbeiten]

Diese besondere Auszeichnung wurde „für aus eigener Initiative unternommene, erfolgreiche und einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentaten, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können“, verliehen. Es kam also bei der Verleihung des Ordens nicht auf Rang, Religion oder Abkunft, sondern nur auf militärisches Verdienst insbesondere im Sinne der Eigeninitiative an. Das Ordenskapitel prüfte die Taten der Kandidaten und die Verleihung erfolgte sehr zurückhaltend. Der Orden wurde auch dann verliehen, wenn ein Erfolg durch bewusstes Missachten eines Befehls erreicht wurde; dass „erfolgreiche Insubordination“ (also unterschiedslos jede Form von Befehlsverweigerung) durch ihn belohnt wurde, ist aber eine Legende. In Österreich ist daraus die Redewendung entstanden, dass sich jemand „einen Maria-Theresien-Orden verdient“ oder „verdienen will“, der über die eigenen Kompetenzgrenzen hinaus oder gegen anderslautende Anweisungen handelt.

Alle Mitglieder des Maria-Theresien-Ordens waren hoffähig und wurden, sofern sie noch nicht nobilitiert waren, mit der Verleihung des Ordens in den erblichen Adels- bzw. Ritterstand aufgenommen. Die Verleihung des Großkreuzes brachte die Verleihung des erblichen Freiherrenstandes.[3] Nach der Statutenänderung vom 8. März 1895 konnten alle inländischen Mitglieder des Ordens um die Erhebung in den erblichen Herrenstand (als Freiherr in Österreich bzw. Baron in Ungarn) unter Ausschluss der sonst üblichen Taxen ansuchen.[4]

Der Orden war mit einer Pension verbunden, wobei die Witwen der Ordensträger auf Lebenszeit die Hälfte des ursprünglichen Betrages erhielten. Von den Inländern erhielten die 20 ältesten Großkreuze je 1.500 Gulden, die Kommandeure je 600 Gulden, von den Rittern die 100 ältesten je 600 Gulden, die 100 zweitältesten je 400 Gulden jährliche Pension. Die Pensionen wurden sowohl von der 1. wie auch 2. Republik weiterbezahlt. Auszahlende Stelle in der 2. Republik war das Bundesministerium für Landesverteidigung.

Mit dem Tode des Inhabers waren die Insignien rückgabepflichtig und werden im Sinne des Allerhöchsten Befehlschreibens vom 11. Februar 1886 im k. u. k. Heeresmuseum in Wien aufbewahrt.

Bei gerichtlicher Entlassung aus dem Offizierskorps wurde das Ordensmitglied sowohl des Ordens als der damit verbundenen Pension verlustig.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Wien Pläne, eine gemeinsame Ruhestätte der Ritter des Maria-Theresien-Ordens anzulegen, sie wurde aber letztlich nicht realisiert.

Die letzte Sitzung des Ordenskapitels (insgesamt 50) fand im Jahr 1931 statt; dabei wurde auch der Beschluss gefasst, dass es danach keine weiteren Sitzungen und Verleihungen des Ordens mehr geben sollte. Der Orden wurde von 1757 bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 1243-mal verliehen. Davon 61 Großkreuze, 140 Kommandeure und 1042 Ritter.

Der letzte Ordensinhaber Gottfried Freiherr von Banfield, ein Marineflieger des Ersten Weltkrieges, verstarb 1986.

Der ungarische Reichsverweser Admiral Nikolaus von Horthy hat 1931 beziehungsweise 1938 statutenwidrig versucht, den Orden zu erneuern, obwohl dies dem „Regierer des Erzhauses Österreich“ vorbehalten war. Allerdings wurde der Orden aus diesem Titel nur einmal, im Januar 1944 an Generalmajor Ladislaus Oszlanyi, verliehen.

Bekannte Träger [Bearbeiten]

Großkreuz [Bearbeiten]

Kommandeur [Bearbeiten]

Ritter [Bearbeiten]

Ausprägung unbekannt [Bearbeiten]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Jaromir Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder; nach authentischen Quellen; zur ersten Säcularfeier. 4 Bände. K.K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1857. [5]
  • Jan Lukeš: Militärischer Maria Theresien-Orden. Über Autorisation des Ordens nach authentischen Quellen. (Bildet Fortsetzung zu: Jaromir Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder). K.K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1890. [6]
  • Henrik Marczali: A katonai Mária Terézia-rend körül. (Umschlagtitel: Über den militärischen Maria-Theresien-Orden). Ertekezesek a törteneti tudomanyok köreböl, Band 25,2. M. tud. Akad., Budapest 1934. [7]
  • Oskar von Hofmann, Gustav von Hubka: Der Militär-Maria-Theresien-Orden: Die Auszeichnungen im Weltkrieg 1914-1918. Auf Anordnung und unter Leitung des Generals der Infanterie z. V. Carl Frh. von Bardolff und mit Unterstützung des Heeresmuseums in Wien herausgegeben und auf Grund amtlicher Quellen verfasst. Verlag Militärwissenschaftliche Mitteilungen, Wien 1943. [8]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Militär-Maria-Theresien-Orden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Josef Mündl: Der Militär-Maria Theresien-Orden. In: Streffleurs Militärblatt. Feldzeitung (Wochenausgabe), Nr. 34/1917 (IV. Jahrgang), 25. August 1917, S. 1–4, 24 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/st3.
  2. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Führer durch das Museum. Band 3: Saal II – Das 18. Jahrhundert bis 1790. Kiesel, Salzburg 1983, ISBN 3-7023-4012-2, S. 32.
  3. Václav Měřička, Orden und Ehrenzeichen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, Prag 1974, S. 51.
  4. Václav Měřička, Orden und Ehrenzeichen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, Prag 1974, S. 56
  5. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  6. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  7. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  8. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.