Maria in der Tanne

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Blick auf die Kirche
Blick vom Eingang auf den Chor

Maria in der Tann´ ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in Triberg im Schwarzwald mit dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt nahe den Triberger Wasserfällen an der Straße nach Schonach. Die äußerlich schlichte mit wuchtigem Glockenturm und zwiebelförmigem Dach versehene Kirche ist umfangreich barock ausgestattet. Seit 1958 nicht mehr Pfarrkirche dient sie heute für Wallfahrten, Hochzeiten und Gedenkgottesdienste.

In der Kirche wird regelmäßig ein hinterleuchtetes Bild des „Volto Santo“ im Chorraum ausgestellt, dafür verantwortlich ist der Ortspfarrer, der sich mit der Forschung über diese Bild befasst.[1][2]

Geschichte der Wallfahrt und der Kirche[Bearbeiten]

Die Geschichte der Kirche geht zurück auf die Heilung der Barbara Franz, die J.B. Degen 1706 wie folgt dokumentiert.

"Damals stand hier eine mächtige Tanne. Daran war ein "anmutiges Marienbild von der unbefleckten Empfängnis auf Pergament gemalt in bequemer Höhe" angeheftet. Daneben entsprang aus dem Felsen eine frische Quelle. Als das 7- jährige Mädchen eines Tages mit ihrer Mutter Anna geb. Kienzler auf dem schmalen Wanderpfad nach Schonach an dieser Tanne vorbeikam, lag dieses Bild am Boden. Barbara hob es auf und nahm es entgegen dem Willen seiner Mutter mit nach Hause. Dort stellte sie es in den Herrgottswinkel und hielt es in großen Ehren. Doch diese Freude währte nicht lange. Drei Tage danach bekam sie ein schweres Augenleiden, und es bestand sogar die Gefahr der Erblindung.

Die Eltern waren in großer Sorge. Und weil medizinische Heilmittel nicht halfen, setzten sie ihre Hoffnung im Gebet auf Gott. Barbara war indessen eingeschlafen. Eine Stimme im Traum versprach ihr völlige Heilung, wenn sie das gefundene Bild wieder an den Tannenbaum bei der Quelle zurückbringe. Die Eltern sahen darin ein göttliches Zeichen. Sie gingen mit Barbara zur Tanne, hängten dort an dem ursprünglichen Platz das Marienbild wieder auf, verrichteten ihr Gebet und wuschen die Augen des Kindes mit dem Wasser aus der Quelle. Von dieser Stunde an besserte sich das Augenleiden merklich, so dass das Kind nach zwei Tagen völlig gesund war."

Dieser ersten Heilung folgte im darauf folgenden Jahr 1645 die Heilung des Schneidermeisters Friedrich Schwab, der für seine Heilung eine 18 cm große Marienstatue aus Lindenholz in die Tanne stellte, er stellte sie in das Loch in der Tanne, in der das Marienbild hing. In den darauf folgenden Jahren wurden mehrere Heilungen bezeugt, die Stelle indes geriet in Vergessenheit.

1692 vernahmen drei Tiroler Soldaten auf dem Weg von Triberg nach Schonach einen Lobgesang. In Rohrhardsberg erfuhren sie, dass ein Triberger Müller dasselbe vor einigen Jahren erlebt habe und dass hier eine Marienstatue stehen solle. Sie fanden die Maria in der Tann´, brachten die hineingewachsen Statue in Ordnung und fertigten ein Schutzdach mit der Inschrift Heilige Maria Patronin der Soldaten, bitte für uns an.

Die Wallfahrt lebte ab 1694 wieder auf als Gabriel Maurer geheilt wurde.

Gabriel Maurer litt lange Zeit an Gliederweh, ging in seiner Not auf Krücken zu der Statue und versprach nach seiner Soldatenzeit dem Kapuzinerorden beizutreten wenn er geheilt würde. Auf dem Rückweg rastete er und schlief ein. Als er wieder aufwachte spürte er Besserung stand auf und ging ohne Krücken nach Hause. Dies wurde gegenüber der bischöflichen Kommission 1696 bezeugt. Nach seiner Soldatenzeit machte er sein Versprechen wahr und trat in den Orden ein, ab 1697 lebte er für 35 Jahre in dem Mesmerhäuschen neben der 1695 errichteten Holzkapelle, die eher ein Verschlag mit Überdachung gegen den Regen war.

Man wollte an der Stelle eine Kirche errichten, was aber auf Widerstand beim Ordinariat in Konstanz traf. Erst nach einer offiziellen Untersuchung durch eine bischöfliche Kommission wurde im Jahre 1697 die Baugenehmigung erteilt und damit die Wallfahrt offiziell genehmigt. Die Kapelle wurde schnell errichtet, dazu musste die Tanne auf Anordnung des Ordinariats vom 23. Oktober 1697 gefällt werden. Am 21. November 1697 wurde sie mit der ersten heiligen Messe eingeweiht. Da der Zustrom durch Wallfahrer erheblich zunahm wurde der Obervogt Franz Xaver Noblat 1698 aufgefordert, um eine Baugenehmigung für eine größere Kapelle nachzusuchen, die umgehend erteilt wurde.

1699 wurde mit dem Bau begonnen, die Kapelle blieb zunächst erhalten und man begann mit dem Bau des Langhauses und des Turms, es ist davon auszugehen, dass Baumaterial aus den zerfallenen Klostergebäuden in St. Georgen verwendet wurde, ein Hinweis darauf ist das Sandsteinfries am Turm aus romanischer Zeit. Die beiden Teile standen bereits 1700 und es konnten Gottesdienste abgehalten werden. Daraufhin wurde die Kapelle abgerissen und der Chor und die Sakristei gebaut.

Die Inneneinrichtung stammt von Joseph Anton Schupp aus Villingen. Die beiden Seitenaltäre wurden 1703 eingebaut und 1705 baute er Hochaltar und Kanzel ein, nachdem der Chor fertig war. Am 21. November 1705 wurde die erste heilige Messe in der neuen Kirche gefeiert. Die feierliche Weihe war am 28. April 1716 durch den Bischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg.

(10) Clemens Maria Hofbauer

Am 24. Juni 1730 starb der Wallfahrtsdirektor Degen, der dieses Amt seit 1705 innehatte, unter seinem Nachfolger Franz Günther ging das Wallfahrtswesen zurück. Obervogt Manfred Pflummer holte 1751 die Reliquien der hl. Serena[3] nach Triberg. Trotz der Aufklärungszeit unter Kaiser Joseph II., der 1783 die Wallfahrten verbot, blieb die Wallfahrt auf Grund einer Sondergenehmigung hier erhalten, allerdings waren die religiösen Bräuche untersagt. Durch den Priestermangel ging auch die Wallfahrtstätigkeit zurück. Erst schlug der Versuch fehl, Franziskanerpatres zu holen, dann blieb der beliebte Clemens Maria Hofbauer(10) nur für drei Monate, da ihm Wessenberg die Erlaubnis für seine seelsorgerische Tätigkeit versagte. Es folgte Pfarrer M. F. Jäck, der die Seelsorge im Wessenbergschen Sinne organisierte, die Kirche 1808 zur Pfarrkirche machte und Pfarrei und Wallfahrt wieder vereinte. Ein Ziel, das Gemeindeleben zu stärken und die Wallfahrt zu reduzieren, änderte sich unter Bischof Hermann von Vicari. Im Jahre 1850 wurde in Triberg eine Volksmission mit Patres der Redemptoristen organisiert, bei der Ortsgeistliche geduldet wurden. In dieser Zeit erfolgten 1846 und 1891 Renovierungsarbeiten an der Kirche, was dafür spricht, dass man an dieser Kirche als Wallfahrts- und Pfarrkirche interessiert war. 1911 wurde sie unter Prälat Fries einer Grunderneuerung unterzogen und die Wallfahrt nahm wieder zu.

Im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg gingen die Wallfahrten zurück und am 23. April 1945 wurde die Kirche bei der Sprengung der Wallfahrtsstraße beschädigt. Bis 1953 wurden die Schäden beseitigt und die Kirche restauriert. Nachdem 1959 die Stadtkirche fertiggestellt war, wurde diese wieder zur Pfarrkirche. Eine erneute Renovierung erfolgte 1983-1987. Im Jahr 2000 wurde der Chorraum neu gestaltet und der von Elmar Hillebrand geschaffene Zelebrationsaltar und Ambo aufgestellt. Die Konsekration fand durch den Freiburger Erzbischof Oskar Saier statt.

Die im Jahr 2000 neu gestaltete Turmuhr zeigt das Jubiläumsemblem des Jahres 2000 das besteht aus der blauen Kugel als Symbol für die Erde, 5 Tauben symbolisch für die 5 Erdteile, der dem dreifachen Kreuzbalken das Symbol der Erlösung und der Aufschrift „Christus, Heri, Hodie, Semper“. (d.h. Christus Gestern, Heute und die für die Ewigkeit).

Innenausstattung der Kirche[Bearbeiten]

(1) Der Hochaltar

Die Architektur der Kirche hat keine Besonderheiten, die Innenausstattung ist dafür um so prachtvoller.

Der Hochaltar(1) von Joseph Anton Schupp aufgestellt 1705 ist aufgebaut wie eine Monstranz, das zentrale Element ist das Gnadenbild in einer goldenen Höhlung(2)

(2) Das Gnadenbild

über dem Tabernakel, welches selber künstlerisch keine Besonderheit ist. Diese Mitte ist von sechs Engeln mit Rauchfass, Kerzen und Tafeln die mit den Anrufungen der lauretanischen Litanei beschrieben sind umgeben. Hinter dem Gnadenbild steht der Tannenstamm in dem 1645 das Gnadenbild gestellt worden ist. Diese zentrale Element wird links und rechts von drei Säulen umgeben, die den oberen Teil des Altars tragen. Auf diesen Säulen steht links Anna mit Johannes dem Täufer als Kind, in der Mitte Josef mit dem Jesuskind und rechts Joachim mit seiner Tochter Maria.

Links neben den Säulen ist der heilige Franz Xaver, rechts Antonius von Padua als Figuren dargestellt. Unterhalb des Gnadenbildes auf dem von Schupp geschnitzten Tabernakel steht ein von Josef Kaltenbach geschnitzter Jesusknabe der mit beiden Händen auf sein Herz zeigt. Das Silberantependium des Altars ist die wertvollste Votivgabe der Wallfahrt, es wurde von der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden gestiftet und Lorenz Biller einem berühmten Silberschmiedemeister aus Augsburg gefertigt.

Der beiden Seitenaltäre wurden von Schupp gefertigt und 1703 aufgestellt, der linke(3) ist dem hl. Josef geweiht. Das Altarbild zeigt die Vision des Karmeliterpaters Simon Stock - wie Maria ihm das Skapulier überreicht - es wurde von J. G. Glückher aus Rottweil geschaffen. Der Rechte Seitenaltar(4) ist der hl. Anna geweiht. Das Altarbild stellt die hl. Familie um Tisch sitzend dar und Engel die zum Himmel weisen, dort ist Gottvater, der auf die Welt zeigt. Auch dieses Bild ist von Glückher. Unter dem Bild ist der Reliquienschrein der heiligen Serena(11) zu sehen, der an Festtagen geöffnet ist.

Imposant ist auch die Kreuzigungsgruppe von Schupp im Chorbogen, bestehend aus dem gekreuzigten Jesus in der Mitte(5) des Chorbogens und Maria(6) links und Johannes(7) rechts auf einem Postament.

Ein weiteres Kunstwerk von Schupp ist die Kanzel(8)ebenfalls aus dem Jahre 1705. Ganz oben auf dem Kanzeldeckel steht Jesus, darunter die vier Evangelisten zusammen mit Petrus und Paulus. Auf dem Kanzelkorb sind sie vier lateinischen Kirchenväter, Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Papst Gregor der Große und Augustinus von Hippo dargestellt.

Der Taufstein(9) wurde erst 1814 aufgestellt, nachdem die Kirche 1808 zur Pfarrkirche geworden war. Er stammt aus der alten Pfarrkirche. Zu sehen sind auf ihm die Wappen Tribergs, derer von Fürstenberg und Vorderösterreichs. Man darf davon ausgehen, dass der Taufstein aus dem Jahre 1620 stammt und auf Veranlassung des Grafen Jakob Ludwig von Fürstenberg gefertigt wurde, da es ähnliche Stücke in Nußbach und Schonach gibt.

An der linken Seite der Kirche befindet sich das Villinger Votivbild, Es geht zurück auf die Belagerung Villingens im Jahre 1704. Die Bürger der Stadt versprachen ein Bild zu stiften, wenn die Stadt verschont bliebe. Das Bild wurde von Glückher angefertigt und 1714 zu Fuß von Villingen nach Triberg gebracht.

Die jetzige Orgel ist aus der Werkstatt Willi Dold in Freiburg und wurde am 27. März 1938 eingeweiht. Der dazugehörige Prospekt stammt von Viktor Mezger aus Überlingen. Die erste Orgel kam schon 1707 in die Kirche, sie war eine Stiftung von Johann Baptist Werner dem Pfarrers von Nußbach

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auge in Auge mit dem Gesicht Gottes, Andreas Block, Südkurier, 5. September 2009, abgerufen am 12. November 2014
  2. Die Menschen sollen sehen, was wir für einen Schatz haben,Francesca Hermann, Schwarzwälder Bote, 16. April 2014, abgerufen am 12. November 2014
  3. Wallfahrtskirche "Maria in der Tann" in Triberg, Schwarzwaldführer Mittlerer Schwarzwald

Quellen[Bearbeiten]

 Commons: Maria in der Tanne (Triberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.1316618.225402Koordinaten: 48° 7′ 54″ N, 8° 13′ 31″ O