Maria von Burgund

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Maria von Burgund, Porträt von Michael Pacher, um 1479. Dieses Profilbild diente als Vorlage für zahlreiche weitere Porträts
Maria als Herrscherin umgeben von den Wappen ihre Untertanengebiete. Blatt aus der Excellente Cronyke van Vlaenderen, Ende 15. Jahrhundert
Gemälde von Bernhard Strigel: Maria, ihr Mann Maximilian, ihr Sohn Philipp und zwei ihrer Enkel (Genealogische Darstellung, Maria starb, als ihr Sohn vier Jahre alt war)
Maximilian I. und seine Gattin Maria von Burgund. Illustration aus dem Weißkunig von Hans Burgkmair d. Ä.
Emblem von Maria und Maximilian als Herzogspaar von Burgund

Maria von Burgund (* 13. Februar 1457 in Brüssel; † 27. März 1482 in Brügge) war seit 1477 Herzogin von Burgund und Herrscherin über die anderen ererbten Gebiete des Hauses Burgund. Durch ihre Heirat mit Maximilian von Habsburg, nachmaliger römischer Kaiser, kam Burgund an das Haus Habsburg.

Leben[Bearbeiten]

Maria war das einzige Kind Karls des Kühnen, des Herzogs von Burgund, und dessen zweiter Gattin Isabelle (Tochter von Karl I.). Sie lebte zunächst gemeinsam mit ihren Eltern in ziemlicher Abgeschiedenheit auf der Festung Le Quesnoy im südlichen Hennegau.

Bereits im Alter von sechs Jahren wurde sie von ihren Eltern getrennt. Philipp der Gute, ihr Großvater, hatte seinen Sohn als Statthalter nach Holland beordert, wohin er sich widerspruchslos mit seiner Frau Isabella begab. Während die Eltern in Gorinchem lebten, wurde das Kind in Gent, dem Sitz der Grafen von Flandern, erzogen. Ihre Erziehung und schulische Ausbildung leitete eine Madame d’Haleweyn. Maria wurde in allen für ihren Stand als Prinzessin wichtigen Wissensgebieten unterrichtet. Auf ihre Rolle als mögliche Herrscherin wurde sie allerdings nicht vorbereitet, da ihre Eltern noch immer auf einen Stammhalter hofften. Nachdem sie zweisprachig aufwuchs, beherrschte sie beide Landessprachen (Flämisch und Französisch) perfekt, lernte aber auch Latein und erhielt sorgfältigen Religions- und Geschichtsunterricht. Musik war ihr Lieblingsgegenstand, auf Handarbeit wurde großer Wert gelegt, aber auch auf Sport: als Burgunderin musste sie eine perfekte Reiterin und Jägerin sein. Bereits 1465 starb ihre Mutter (wahrscheinlich an Lungentuberkulose), sie hatte ihre Mutter in den zwei Jahren der Trennung nur ein einziges Mal noch kurz wiedergesehen.

Nach dem Tod ihres Vaters in der Schlacht bei Nancy am 5. Januar 1477 gegen die mit den Franzosen verbündeten Eidgenossen erbte Maria das Burgundische Reich ihres Vaters, zu dem außer dem Herzogtum Burgund auch die Niederlande (Flandern, Brabant, Luxemburg, Holland u.a.) gehörten. Um Finanzen und Truppen für ihren Kampf gegen die Franzosen zu erhalten, gewährte Maria am 11. Februar 1477 den Niederlanden das Große Privileg, in dem sie das Recht auf Selbstregierung garantierte. Im August 1477 heiratete sie gegen den Willen der Stände Maximilian von Österreich aus dem Haus Habsburg, der ab 1486 König, ab 1508 Kaiser Maximilian I. werden würde. Entscheidend für diese Wahl war, dass ihm am ehesten zuzutrauen war, sich gegen ihren Taufpaten, König Ludwig XI. durchzusetzen, der bereits seine Hand nach dem burgundischen Erbe ausstreckte.

→ Hauptartikel: Stundenbuch der Maria von Burgund

Drei Wochen nach einem Sturz vom Pferd bei einer Falkenjagd starb Maria bei einer Fehlgeburt. Mit ihrem Tod im März 1482 fiel ihr Erbe an das Haus Habsburg, was zu langwierigen und schweren Konflikten mit Frankreich führte. Ihr Nachfolger in den Niederlanden wurde ihr Sohn Philipp der Schöne. Ihr Grab befindet sich in der Liebfrauenkirche in Brügge.

Zeitlebens wurde nur sie von den Ständen der Niederlande als Landesherrin akzeptiert. Sie galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und Maximilian soll ihren Tod zeitlebens nicht recht verwunden haben. Eine Erzählung über Maximilians Werbung und Brautfahrt ist im Theuerdank, einem von ihm selbst herausgegebenen Versepos 1517 enthalten.

Eines der wichtigsten Tanztraktate zur Basse danse, das Manuscrit des basses danses de Marguerite d’Autriche, gilt zuweilen als Maria von Burgund gewidmet. In Wirklichkeit wurde es von einer ihrer unehelichen Halbschwestern Anne de Bourgogne für Margarete von Österreich angefertigt und ihr als Geschenk übergeben.

Nachkommen[Bearbeiten]

Maria von Burgund heiratete am 19. August 1477 den späteren Kaiser Maximilian I. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

  1. ∞ 1497 Johann von Aragón und Kastilien (1478–1497 Fürst von Asturien);
  2. ∞ 1501 Philibert II. (1480–1504) Herzog von Savoyen
  • Franz (*/† 1481)

Vorfahren[Bearbeiten]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann Ohnefurcht (1371–1419)
 
 
 
 
 
 
 
Philipp III. (Burgund) (1396–1467)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Margarete von Bayern (1363–1423)
 
 
 
 
 
 
 
Karl der Kühne (1433–1477)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann I. (Portugal) (1357–1433)
 
 
 
 
 
 
 
Isabel de Portugal (1397–1471)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philippa of Lancaster (1360–1415)
 
 
 
 
 
 
 
Maria von Burgund (1457–1482)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Jean I. de Bourbon (1381–1434)
 
 
 
 
 
 
 
Charles I. de Bourbon (1401–1456)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria (Auvergne) (1367–1434)
 
 
 
 
 
 
 
Isabelle de Bourbon (1437–1465)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann Ohnefurcht (1371–1419)
 
 
 
 
 
 
 
Agnes von Burgund (1407–1476)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Margarete von Bayern (1363–1423)
 
 
 
 
 
 

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maria von Burgund – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Maria von Burgund – Quellen und Volltexte
Vorgänger Amt Nachfolger
Karl der Kühne Herzogin von Burgund
1477–1482
französische Krondomäne
Karl der Kühne Herzogin von Luxemburg
1477–1482
Wilhelm II. von Sachsen
Karl der Kühne Herzogin von Brabant
Herzogin von Limburg
Markgräfin von Antwerpen

1477–1482
Philipp I.
Karl der Kühne Gräfin von Charolais
1477–1482
Philipp I.
Karl der Kühne Gräfin von Flandern
Gräfin von Artois
Pfalzgräfin von Burgund

1477–1482
Philipp I.
Karl der Kühne Gräfin von Holland
Gräfin von Seeland
Gräfin von Hennegau
Gräfin in Friesland

1477–1482
Philipp I.
Adolf von Egmond Herzog von Geldern
Graf von Zutphen

1477–1482
Philipp I.