Maria von Wedemeyer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Maria von Wedemeyer (* 23. April 1924 in Pätzig, Landkreis Königsberg (Neumark), heute Piaseczno (Trzcińsko Zdrój); † 16. November 1977 in Boston), ab 1949 verheiratete Schniewind (geschieden 1955), ab 1959 verheiratete Weller (geschieden 1965), war eine deutsche Informatikerin und Managerin, die heute vor allem als Verlobte des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer bekannt ist.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Maria Friederike von Wedemeyer wurde 1924 als Tochter des ostpreußischen Großgrundbesitzers Hans von Wedemeyer und seiner Ehefrau Ruth, geborene von Kleist, geboren. Ihre Großmutter mütterlicherseits war Ruth von Kleist-Retzow. Weitere Verwandte entstammten solchen bekannten preußischen Adelsgeschlechtern wie den von Bismarck.

Wedemeyer wuchs auf dem Gut ihrer Eltern in Pätzig in der Neumark auf. Sie verlobte sich am 13. Januar 1943 mit dem 18 Jahre älteren Theologen Dietrich Bonhoeffer,[1] bei dem ihr älterer Bruder schon Konfirmandenunterricht gehabt hatte. Ihr selbst war dieser nach Prüfung durch Bonhoeffer wegen „Unreife“ verweigert worden. Kurz nach der Verlobung wurde am 5. April 1943 Bonhoeffer verhaftet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte von Wedemeyer in Göttingen und ab 1948 am Bryn Mawr College bei Philadelphia/USA Mathematik und schloss 1950 mit einem Master of Arts ab. Sie arbeitete zunächst als Statistikerin, dann in der Computerbranche bei Remington Rand Univac in Philadelphia und später bei Honeywell in Boston, wo sie jeweils in leitende Funktionen aufstieg. Sie war zweimal verheiratet und hatte aus ihrer ersten Ehe zwei Söhne.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde von Wedemeyer bekannt, als 15 Jahre nach ihrem Tod der Briefwechsel, den sie mit ihrem inhaftierten Verlobten geführt hatte, von ihrer älteren Schwester Ruth-Alice von Bismarck (Ehefrau des Klaus von Bismarck) veröffentlicht wurde. Eine Auswahl in englischer Sprache hatte von Wedemeyer bereits 1967 in einer amerikanischen theologischen Zeitschrift publiziert.

Die Urne mit der Asche von Maria von Wedemeyer wurde im Familiengrab der Wedemeyers in Gernsbach beigesetzt, wo seit September 2009 eine Gedenktafel des Bildhauers Andreas Helmling an der Friedhofskapelle an sie erinnert.[2]

Die in ihrem Besitz befindlichen Briefe Bonhoeffers hatte sie 1966 der Houghton Library der Harvard University übergeben, wo ihr Gebrauch bis 2002 Beschränkungen unterlag.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ruth-Alice von Bismarck, Urich Kabitz (Hrsg.): Brautbriefe Zelle 92 – Dietrich Bonhoeffer / Maria von Wedemeyer 1943–1945. C.H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-36795-X.
  • Wolfgang Seehaber: Maria von Wedemeyer - Bonhoeffers Verlobte. Brunnen Verlag, Basel 2012.
  • Renate Wind: Liebe als Produktivkraft. In: Dietrich Bonhoeffer – Allein in der Tat ist die Freiheit. Publik-Forum Dossier; Publik-Forum Verlagsgesellschaft, Oberursel März 2005.
  • Paavo Rintala: Marias Liebe. Ein biographischer Roman. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02363-0.
  • Renate Wind: Wer leistet sich heute noch eine wirkliche Sehnsucht? Maria von Wedemeyer und Dietrich Bonhoeffer. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-07124-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe ihren Brief vom 13. Januar an Bonhoeffer und dessen Antwort am 17. Januar in den sogenannten Brautbriefen.
  2. Gedenktafel für Maria von Wedemeyer-Weller. In: IBG-Rundbrief. Nr. 90, November 2009, S. 59f.
  3. Findbuch-Eintrag