Marianismo

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Der Marianismo, im soziologischen Sinne, wird als ein Stereotyp verstanden, das sich vom katholischen Kult der Marienverehrung ableitet und in Lateinamerika als "die Gegenerscheinung zum Machismo" erscheint.[1]

Herkunft[Bearbeiten]

Das Konzept stammt aus der anthropologischen Literatur und diente der Beschreibung des weiblichen Verhaltens in lateinamerikanischen Kulturen. Frauen sind nach diesem Konzept Männern spirituell überlegen und nehmen zum Wohl der Familie extreme Opfer auf sich. Durch diese Aufopferung gewinnen Frauen in traditionellen Gesellschaften Respekt und Bewunderung. Das zu Grunde liegende Rollenideal entspricht dem Marias, mit starker Wertschätzung von Jungfräulichkeit und Keuschheit. Der gesellschaftliche Status der Frau erhöht sich durch die Mutterschaft.[2]

Im feministischen Diskurs wurde der Begriff von der amerikanischen Autorin Evelyn P. Stevens geprägt und wird in der Literatur des Öfteren verwendet. Stevens zufolge ist

„..der Marianismo ein Kult auf die Überlegenheit der weiblichen Spiritualität, welcher die Weiber als Halbgöttinnen betrachtet, moralisch überlegen und spirituell stärker als die Männer. Diese spirituelle Kraft ruft eine Selbstverleugnung hervor, das heißt, die unerschöpfliche Kraft der Güte und der Opferbereitschaft.“

Evelyn P. Stevens[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Evelyn P. Stevens: Marianismo. The Other Face of Machismo in Latin America. In: Ann Pescatelo: Female and Male in Latin America. University of Pittsburgh Press, 1973.
  • Jorge Villegas, Jennifer Lemanski und Carlos Valdéz: Marianismo and Machismo: The Portrayal of Females in Mexican TV Commercials. In: Journal of International Consumer Marketing. 22, Nr. 4, 2010, S. 327–346. doi:10.1080/08961530.2010.505884
  • Dannie Kjeldgaard und Kaj Storgaard Nielsen: Glocal gender identities in market places of transition: MARIANISMO and the consumption of the telenovela Rebelde. In: Marketing Theory. 10, Nr. 1, 2010, S. 29–44. doi:10.1177/1470593109355249
  • Karen T. D'Alonzo und Manoj Sharma: The influence of marianismo beliefs on physical activity of mid‐life immigrant Latinas: a Photovoice study. In: Qualitative Research in Sport and Exercise. 2, Nr. 2, 2010, S. 229–249. doi:10.1080/19398441.2010.488031
  • David Sequeira: The machismo and marianismo tango. Dorrance Publishing, Pittsburgh 2009, ISBN 978-1-4349-0133-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Zaira Ary, Masculino y Femenino en el Imaginario Católico: De la Acción Católica a la Teología de la Liberación, Annablume Editora, São Paulo 2000.
  2. Sana Loue, Martha Sajatovic: Encyclopedia of Women's Health. Springer, 2004, S. 385f
  3. Evelyn P. Stevens, "Marianismo: La otra cara del machismo en Latino-América"; in: Ann Pescatelo, Hembra y macho en Latinoamérica: Ensayos. México, ed. Diana. 1977, p. 123.