Marianne Cohn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stolperstein am Haus Wulfila Ufer 52, in Berlin-Tempelhof

Marianne Cohn (* 17. September 1922 in Mannheim, Freistaat Baden; † 8. Juli 1944 in Ville-La-Grande, Haute Savoie, Frankreich), alias: Colin, war eine Fürsorgerin und wurde Opfer des NS-Regimes.

Leben[Bearbeiten]

In Berlin bewohnte die Familie zusammen seit 1929 Jahre eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Chausseestraße 35 (heute Mariendorfer Damm 76). Von Oktober 1932 bis zur Auswanderung der Familie besuchte sie das Mariendorfer Gymnasium in der Ringstraße 104–106 (heute Dag-Hammarskjöld-Oberschule). Im Jahre 1934 erfolgte die Emigration nach Paris und bereits im April desselben Jahres die Weiterfahrt nach Barcelona. 1938 erfolgte die Rückkehr nach Frankreich wegen des Spanischen Bürgerkrieges.

Cohn war eine Organisatorin der Zionistischen Jugend in der Südzone des besetzten Frankreichs. Am 31. Mai 1944 versuchte sie, einen Transport von 32 jüdischen Kindern (zwischen drei und 19 Jahren) von Lyon – damals unter deutscher Besatzungsherrschaft – aus in die sichere Schweiz zu bringen. Auf diese Weise sollte die vorgesehene Deportation der Kinder in ein deutsches KZ (zum Zweck ihrer Tötung) verhindert werden. Kurz vor der Grenze scheiterte die Flucht. Cohn und die Kinder wurden ins Gefängnis gebracht. Der Bürgermeister Jean Duffaugt des Ortes Annemasse bot ihr an, ihr allein zur Flucht zu verhelfen, was sie ablehnte, um bei den Kindern zu bleiben. Schließlich wurden die Kinder gerettet, sie selbst aber wurde bei der Befreiung des Ortes am 23. August 1944 tot unter einem Leichenhaufen gefunden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Posthum wurde Marianne Cohn am 7. November 1945 geehrt, von der Militärregierung Lyon wurde ihr das Kriegskreuz mit silbernem Stern verliehen. In Ville-la-Grande wurde 1956 eine Straße nach ihr benannt und ein Denkmal (auch für fünf andere am selben Tag ermordete Widerstandskämpfer) errichtet.[1] François Mitterrand eröffnete ihr zu Ehren 1982 einen Garten in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und in Annemasse wurde 1984 eine Schule nach ihr benannt.[2] An der Oberlandstraße in Berlin-Tempelhof trägt die Marianne-Cohn-Schule für geistig behinderte Kinder ihren Namen. An ihrer letzten Wohnadresse Wulfila-Ufer 52 in Berlin-Tempelhof wurde 2007 ein Stolperstein zum Gedenken verlegt.[3] Der Gemeinderat der Stadt Mannheim beschloss 2014 eine Straße nach Marianne Cohn zu benennen.[4]

Als Autorin[Bearbeiten]

  • Verraten werde ich morgen Gedicht von M.C., Nov. 1943, in: Frankreich meines Herzens. Die Résistance in Gedicht und Essay Hg. Irene Selle, Leipzig 1987 ISBN 3-379-00090-6 (S.171) (frz. siehe Weblinks)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marianne Cohn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. COHN Marianne 1922-1944 Résistante, assassinée à Ville-la-Grande
  2. Ecole maternelle Marianne Cohn Annemasse
  3. Stolpersteine im Bezirk Tempelhof-Schöneberg
  4. http://buergerinfo.mannheim.de/buergerinfo/getfile.asp?id=8049320&type=do