Marianne Schroeder

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Marianne Schroeder (* 1949 in Reiden) ist eine Schweizer Pianistin und Komponistin. Sie ist eine der führenden Interpretinnen Neuer Musik.[1] Die Pianistin gilt als Scelsi-Spezialistin.[2][3] Sie ist Mitglied der Komponistengruppe Groupe Lacroix und hat über 30 Tonträger veröffentlicht.

Leben[Bearbeiten]

Marianne Schroeder wuchs mit ihren zwei Brüdern auf dem elterlichen Bauernhof in der Gemeinde Reiden auf.[4][5] Sie erhielt mit sieben Jahren ihren ersten Klavierunterricht.[4] Schroeder brach ihre Schulausbildung ab, um Klavier bei Klaus Linder an der Basler Musikakademie und später bei Eliza Hansen an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Hamburg zu studieren.[6][4] Ausserdem erhielt sie Kompositionsunterricht bei Hans Wüthrich.[7] Darüber hinaus besuchte sie Meisterkurse in Komposition bei Mauricio Kagel und Klaus Huber[7] sowie bei Earl Brown, Dieter Schnebel und Vinko Globokar.[1] Nach ihrem Klavierdiplom nahm sie zusätzlich ein Studium bei Giacinto Scelsi in Rom auf.[8] Mit John Cage verband sie eine lange Zusammenarbeit, u. a. während diverser Cage-Festspiele in Europa.[8]

Als Solistin und Kammermusikerin trat sie u. a. bei pro musica nova in Bremen, beim Lucerne Festival,[5] bei den Weltmusiktagen der IGNM in Athen, bei den Donaueschinger Musiktagen,[8] bei den Berliner Festspielen, bei Wien Modern, beim Musiksommer Zagreb und bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik auf.[6] Sie spielte unter Dirigenten wie Paul Sacher, Francis Travis, Erich Schmid und Luciano Berio.[6] Ur- und Erstaufführungen von Pauline Oliveros, Walter Zimmermann, Morton Feldman, John Cage, Dieter Schnebel, William Duckworth, Karlheinz Stockhausen, Erhard Grosskopf und Maurizio Pisati[9] führten sie durch Europa (u. a. Théâtre des Champs-Élysées in Paris), in die Sowjetunion und in die Vereinigten Staaten (u. a. Carnegie Hall und Roulette in New York[4][10] und Arnold Schoenberg Institute in Los Angeles).[6][1][11] Weiterhin arbeitete sie u. a. mit den Musikern Chris Newman, Anthony Braxton, Frances-Marie Uitti, Rohan de Saram,[12] Robyn Schulkowsky, Abbie Conant und Paul Zukofsky zusammen.[11][1][13] Mehr als 30 Tonträger,[7] u. a. mit Ersteinspielungen von Stockhausen, Braxton, Feldman und Scelsi, entstanden.[6][1] Die Klaviersonaten von Galina Ustvolskaya wurden von ihr bei HatHut Records gesamteingespielt.[14]

In den Jahren 1986 und 1988 war sie Dozentin bei den Darmstädter Ferienkursen[6]. Ausserdem lehrte sie 1987 und 1989 Klavier bei der Frühjahrstagung für Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt und war 1988 Artist in Residence an der Brunel University in Lewisburg, Pennsylvania.[11] In Basel unterrichtete sie an der Musikakademie.[1] Seit 1994 ist sie Mitglied der Komponistengruppe Groupe Lacroix.[15] Ihre Werke wurden u. a. in Russland, Europa und Kuba aufgeführt.[13] Derzeit arbeitet sie als Improvisationskünstlerin und ist Gründerin und Leiterin der Probebühne für Hören und Sehen in Basel.[8] Schroeder ist seit 2001 mit dem Schriftsteller Jürg Laederach, mit dem sie in Basel und Soglio GR[8] wohnt, verheiratet.[16][17]

Musikstil[Bearbeiten]

Marianne Schroeder erhielt zunächst eine klassische Klavierausbildung. Über das Repertoire Anton Weberns fand sie Zugang zur zeitgenössischen Musik. 1983 gab sie das letzte Mal ein Beethoven-Konzert. Zu ihren musikalischen Ziehvätern wurden John Cage, Giacinto Scelsi und Morton Feldman.[4] Sie begann auf ihrem Konzertflügel frei zu improvisieren und adaptierte die von Cage eingeführte Technik Präpariertes Klavier. Der Musikwissenschaftler Peter Niklas Wilson formulierte: „Unverkennbar ist ihr Faible für die amerikanische Avantgarde [...] unüberhörbar ihre Empathie für eine Neue Musik, die nicht Brillanz und Hyperkomplexität fetischisiert, sondern den Klängen Zeit gibt.“[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Nach oben. In: MusikTexte 26 (1988), S. 27–28.
  • Ein deutscher Cage? In: Werner Grünzweig (Hrsg.): Schnebel 60. Wolke, Hofheim 1990, ISBN 3-923997-36-1, S. 65–67.
  • Sterndeuter. In: MusikTexte 46/47 (1992), S. 117.
  • Die Etudes Australes von John Cage. In: Positionen 17/1993, 13–15.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Niklas Wilson: Feldman vor dem Frühstück, Scelsi zur Nacht. Die Basler Avantgarde-Pianistin Marianne Schroeder. In: Neue Zeitschrift für Musik 12/1990, S. 24–26.
  • Hanno Ehrler: Mystische Erfahrungen. Portrait der Pianistin Marianne Schroeder. Deutschlandfunk, 15. November 1995. (Digitalisiert; PDF; 36 kB)
  • Hanno Ehrler: Da geschah es... Die Schweizer Pianistin und Komponistin Marianne Schroeder. Bayern 2, 16. August 1996. (Digitalisiert; PDF; 44 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g NZfM 12/1990, S. 24.
  2. Neben dem Pianisten Jürg Wyttenbach.
  3. Titel: Klavier-Innereien. In: Basler Zeitung, 22. März 2003.
  4. a b c d e Mark Wyss: Von einer Pianistin und einer klugen Putzfrau. Reiden Marianne Schroeder ist eine der gefragtesten Interpretinnen „neuer“ Klavier- und Kammermusik. In: Zofinger Tagblatt, 7. März 2012.
  5. a b Zur Person: Marianne Schroeder. In: Zofinger Tagblatt, 7. März 2012.
  6. a b c d e f g h Marianne Schroeder, in: Internationale Ferienkurse für Neue Musik, hrsg. vom Internationalen Musikinstitut Darmstadt, Darmstadt 1982.
  7. a b c Stephen W. Ellis: Booklet-Text, CD 8 Pieces on Paul Klee, 2003, CW 1035, S. 31.
  8. a b c d e Marianne Schroeder. Website des Vereins les muséiques Basel. Abgerufen am 8. Januar 2013.
  9. Interview mit Hanno Ehrler, 1995.
  10. Allan Kozinn: Recital: Marianne Schroeder, Pianist. In: The New York Times, 1. März 1988.
  11. a b c Marianne Schroeder. In: Ulrich Bischoff (Hrsg.): John Cage. Kunst als Grenzbeschreitung, John Cage und die Moderne. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München 1991, S. 255.
  12. Von Strauss bis Stockhausen. Rohan de Saram und Marianne Schroeder im Duo. In: Basler Zeitung, 13. November 2008, S. 17.
  13. a b Booklet-Text, CD The Composer Group, 1997, CW 1030, S. 20.
  14. Gesamteinspielung von Galina Ustwolskajas Klaviersonaten bei Hat Hut Records. Website von Sikorski, 9. Januar 2013.
  15. Groupe Lacroix im Music Information Center Austria
  16. Peter Bum: Einer von uns ist ein Idiot – alles klar? Zu Besuch beim bekannten Basler Schriftsteller Jürg Laederach. In: Basler Zeitung, 11. Oktober 2011, S. 2.
  17. Titel: Traderaklatsch – allerlei Geburtstage, Ferienanfang und Gartenfeste. In: Basler Zeitung, 3. Juli 2001.