Marie-Louise Giraud

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Marie-Louise Giraud (* 17. November 1903 als Marie-Louise Lempérière; † 30. Juli 1943 in Paris) war eine von zwei Personen, die während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich wegen der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen hingerichtet wurden. Ihr Fall wurde durch den Spielfilm Eine Frauensache (1988) von Claude Chabrol international bekannt.

Das Vichy-Regime erklärte durch Gesetz vom 15. Februar 1942 den Schwangerschaftsabbruch zum „Verbrechen gegen die Staatssicherheit“ und setzte für Personen, die Abbrüche an Schwangeren vornahmen (nicht für die Schwangeren selbst) die Todesstrafe fest. Zuvor waren durch Gesetz von 1923 solche Personen, die einen Abbruch an einer Schwangeren vornahmen, lediglich mit Gefängnis von einem Jahr bis fünf Jahre bedroht, während die Schwangeren selbst sechs Monate bis zwei Jahre riskierten.

Da es sich offiziell um ein Delikt gegen den Staat handelte, wurde Marie-Louise Giraud, Ehefrau und Mutter, in Paris vor ein außerordentliches Gericht gestellt, gegen dessen Entscheidung keine Revision möglich war. Es konnte ihr nachgewiesen werden, an 26 Frauen aus Cherbourg und Umgebung gegen Entgelt die Schwangerschaft abgebrochen zu haben. Am 8. Juni 1943 erfolgte das Todesurteil. Staatschef Philippe Pétain lehnte eine Begnadigung ab. Am 30. Juli 1943 wurde Marie-Louise Giraud im Gefängnis La Roquette in Paris von Scharfrichter Jules-Henri Desfourneaux durch die Guillotine enthauptet.

Nach Giraud wurde noch ein Mann, Désiré Piogé, am 22. Oktober 1943 wegen Durchführung von drei Schwangerschaftsabbrüchen hingerichtet. Nach der Befreiung Frankreichs wurde das Gesetz vom 15. Februar 1942 aufgehoben.

Claude Chabrol legte den Fall Giraud seinem Film Eine Frauensache zugrunde. Die Protagonistin heißt hier „Marie Latour“ und wird von Isabelle Huppert gespielt.

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