Marie-Luise Scherer

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Marie-Luise Scherer (* 1938 in Saarbrücken) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

Leben[Bearbeiten]

Marie-Luise Scherer begann als Reporterin beim Kölner Stadtanzeiger und schrieb dann für die Berliner Morgenpost und Die Zeit. Danach war sie von 1974 bis 1998 Autorin beim Spiegel, wo sie mit ihren literarischen Reportagen bekannt wurde.

Über ihre Textproduktion, die sie als „Silbenarbeit“ charakterisiert, sagt sie: „Zwei gute Sätze an einem Tag sind ein Glück.“ [1]
Friedmar Apel schrieb in der FAZ vom 4. Juni 2004: "In der Tradition Walter Benjamins ist Marie-Luise Scherer eine Physiognomikerin der Dingwelt, wie jener hat sie ihre Methode auch an den flüchtigen Erscheinungen der Kleidermode geschult."
"Nichts scheint von ihrer eigenen Subjektivität übrig zu bleiben, außer einer übermäßig gesteigerten Empfindsamkeit, die noch beim Lesen fast schmerzhaft berührt. Der Tonfall ist völlig unfeuilletonistisch, er ist geprägt von einer fast unpersönlichen Allwissenheit, die sich in einem allerdings zuweilen prunkvoll pathetischen Feststellungsduktus ausspricht. Hier redet die Welt selbst." (Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 2. April 2004)
Die Vergabe des Kunstpreises des Saarlandes 2012 an Scherer wurde von der Jury u.a. begründet: "Ihre Texte setzen einen Akzent gegen die Schnelligkeit journalistischer Darstellungen, sie sind Erzählungen mit präzise recherchiertem Hintergrund."[2]
Ihre Texte wurden ins Französische, Italienische und Spanische übersetzt.

Scherer lebt in einem wendländischen Dorf an der Elbe, unweit der Grenze zur ehemaligen DDR.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Ungeheurer Alltag. Geschichten und Reportagen. Rowohlt, Reinbek 1988, ISBN 3-498-06225-5.
  • Der Akkordeonspieler. Wahre Geschichten aus vier Jahrzehnten. Die Andere Bibliothek, Hrsg. von Hans-Magnus Enzensberger bei Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-4541-4 (Taschenbuchausgabe: Fischer, Frankfurt am Main 2006).
  • Die Bestie von Paris und andere Geschichten. Verlag Matthes & Seitz Berlin 2012, 151 S.[3]
  • Die Hundegrenze. Verlag Matthes & Seitz Berlin 2013, 90 S. ISBN 9783882210774.
  • Unter jeder Lampe gab es Tanz. Wallstein Verlag 2014, 80 S. ISBN 978-3-8353-1420-7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Overath: Das halbe Brot der Vögel. Zur Sprache der Journalistin Marie-Luise Scherer. In: Das halbe Brot der Vögel. Portraits und Passagen. Wallstein, Göttingen 2004.
  • Katharina Teutsch: Das wilde zarte Reporterherz. FAZ, 27. Oktober 2012, S. Z1 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Julika Pohle: Silbe um Silbe wächst der Text. In Die Welt vom 10. Dezember 2004, abgerufen am 12. April 2011.
  2. Kunstpreis des Saarlandes an Marie-Luise Scherer. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 22. März 2012
  3. Paris ganz nüchtern - und grausam, Rezension von Helmut Böttiger im Deutschlandfunk vom 10. Dezember 2012