Marie Thérèse Rodet Geoffrin

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Porträt Marie Thérèse Geoffrins von Jean-Marc Nattier 1738
Zeichnung Madame Geoffrins als alte Frau.

Marie Thérèse Geoffrin, geborene Rodet (* 2. Juni 1699 in Paris; † 6. Oktober 1777 ebenda), bekannt als Madame Geoffrin, war eine Autorin und Salonnière der Aufklärung. Sie gilt als eine der geistreichsten Frauen des 18. Jahrhunderts.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Geoffrin war die Tochter eines Kammerdieners des Dauphin und wurde 1714 mit 15 Jahren mit Pierre François Geoffrin verheiratet; einem reichen Spiegelfabrikanten und Oberstleutnant der Bürgermiliz, lieutenant-colonel de la Milice de Paris. Nachdem sie bereits nach wenigen Jahren Witwe geworden war, wurde ihre Wohnung zum gern besuchten Salon, in dem die aufgeklärten Größen ihrer Zeit verkehrten. Zu nennen sind hier u.a. Marmontel, Montesquieu, Morellet, Réaumur, Buffon, Rousseau, Marschall Richelieu und Antoine Léonard Thomas.

Der literarische Salon von Madame Geoffrin (1755)[1]
Salon der Madame Geoffrin in Paris N° 374 rue Saint-Honoré (Paris Ier)

Von 1749 bis 1777 organisierte sie in ihrem Haus im Hôtel de la rue Saint-Honoré, zweimal pro Woche einen Salon, sie lud Künstler, Gelehrte, Literaten und Philosophen wie etwa Denis Diderot, Voltaire oder d'Alembert ein. Sie übernahm zahlreiche Gäste des Salons der Madame de Tencin, so erklärte etwa Tencins Stammgast Fontenelle: „Wohlan, jetzt werde ich dienstags bei Madame Rodet Geoffrin speisen“.

Sie war eine freigebige Frau, die gerne beispielsweise die Spielschulden ihres Gastes Stanisław August Poniatowski übernahm, dessen Vater Fürst Poniatowski sie mit seiner Bildung beauftragt hatte. Stanisław August pflegte noch Jahre später ein freundschaftliches Verhältnis mit ihr, und lud sie 1766, zwei Jahre nach seiner Krönung zum polnischen König, nach Warschau ein. Auf der Zwischenstation in Wien wurde sie von Maria Theresia und Joseph II. empfangen.

Eine weitere Wohltätigkeit war ihre Unterstützung der Enzyklopädisten und ihr Eintreten für die Freiheit, die erheblich dazu beitrugen, dass der Druck der Encyclopédie trotz der Zensur in Frankreich ermöglicht wurde.

Gemeinsam verfassten D'Alembert, Thomas und Morellet die Lobschrift „Éloges de Madame G.“[2] Ihre Abhandlung „Sur la conversation“ (Über die geistreiche Unterhaltung) und ihre Briefwechsel mit berühmten Persönlichkeiten der Aufklärung „Lettres“ wurden von Morellet herausgegeben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Correspondance inédite du roi Stanislas Auguste Poniatowski et de Madame G. 1764–77 (mit Einleitung hrsg. von Mouy, Paris 1875).
  • Anny Latour: Kulturgeschichte der Dame. Frankfurt a. Main 1965. S. 90-98.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marie Thérèse Rodet Geoffrin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Legende zu den Anwesenden und auf dem Gemälde abgebildeten Personen
  2. als Buch erschienen Paris 1812