Marie in Bayern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marie Sophie Amalie, zeitgenössisches Gemälde um 1860

Marie Sophie Amalie, Herzogin in Bayern (* 4. Oktober 1841 in Possenhofen; † 19. Januar 1925 in München) stammte aus der Linie der Herzöge in Bayern des Hauses Wittelsbach und war die letzte Königin beider Sizilien.

Leben[Bearbeiten]

Herzogin Marie in Bayern, 1859
König Franz II. und Königin Marie beider Sizilien
Marie in sizilianischer Tracht
Sisis Geschwister. Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1854. Ganz rechts Herzogin Marie

Marie war die Tochter von Herzog Max Joseph in Bayern und seiner Ehefrau Ludovika von Bayern, also eine Schwester der österreichischen Kaiserin Elisabeth und Schwägerin von Kaiser Franz Joseph I. Sie wuchs mit ihren Geschwistern in Possenhofen unbeschwert auf.

Mit 17 Jahren, am 8. Januar 1859 wurde sie mit dem Kronprinzen Franz beider Sizilien (* 1836; † 1894), dem ältesten Sohn des Königs Ferdinand II. in Abwesenheit des Bräutigams, in München verheiratet, mit einem Mann, den sie nur von einem geschönten Bild kannte, das man ihr in München von ihrem zukünftigen Gemahl übergeben hatte.

Königin[Bearbeiten]

Sie reiste über Triest nach Bari in ihre neue Heimat, wo am 3. Februar 1859 die eigentliche Trauung stattfand. Marie durfte nichts aus ihrem alten Leben mitnehmen, sie fühlte sich allein im fremden Land. Als sie in Sizilien ankam, lag gerade ihr Schwiegervater im Sterben. Ihr Gemahl Franz II. sollte auf den Thron folgen, war jedoch regierungsunfähig und mehr mit Kirchenliteratur beschäftigt. Die Regierung übernahm nach dem Tod des Königs Franz' Stiefmutter Maria Theresia von Habsburg, während Marie nur formal Königin war. Eine wichtige Stütze des jungen Königspaares war damals der Schweizer General Felix von Schumacher, Flügeladjutant von Ferdinand II. und nachmaliger Verteidiger von Gaeta. Unter seinen Schutz hatten sich während der Revolution auch Papst Pius IX. und Herzog Leopold II. von Toskana begeben.

Die radikalen Giuseppe Garibaldi und Francesco Crispi planten mit Hilfe des Königreiches Sardinien-Piemont, der neapoletanischen Königsfamilie, den Bourbonen, die Macht zu entreißen und ihr Territorium dem künftigen italienischen Nationalstaat einzugliedern. Armee und Freiwillige schlossen sich Garibaldi an, und Neapel wurde erobert. Königin Marie flehte Schwester und Schwager in Wien um militärische Hilfe an; doch Österreich war gerade im Sardinischen Krieg unterlegen und konnte nicht helfen.

Marie und Franz fanden Zuflucht bei General Felix von Schumacher, dem Verteidiger der Festung Gaeta, wobei sie nur 66 Reliquiare und die Asche der heiligen Iasonia mitnahmen, da Franz annahm, dass sich die Lage innerhalb weniger Tage wieder beruhigen würde. Doch schließlich wurde auch Gaeta beschossen und bombardiert. Hunger und Seuchen in der Burg machten die Verteidigung schwer; Franz wollte schließlich abtreten und ins Exil gehen, doch Marie war entschlossen auszuharren. Sie tat alles, was in ihrer Macht stand, um den kämpfenden Soldaten beizustehen, teilte Vorräte ein, versorgte Verwundete und ermutigte die wenigen königstreuen Truppen (vier Schweizer Bataillone und Reste der neapoletanischen Armee) zum Weiterkämpfen. Schließlich stellte sie sich selbst, mit einem Gewehr bewaffnet, auf die Zinnen der Festung, um diese mit zu verteidigen. Ein eindrückliches Gemälde des Historienmalers Carl Theodor von Piloty in Bad Kreuth zeigt, wie sie in Begleitung von General Felix von Schumacher in höchster Gefahr die Batterien besucht.

So verblieb das Herrscherpaar bis zur letzten Minute in seinem untergehenden Königreich, bis es keinen anderen Ausweg mehr gab und Gaeta im Februar 1861 kapitulierte. Franz unterzeichnete am 13. Februar 1861 die Kapitulation. Im Auftrag Cavours wurde dem königlichen Paar ein ehrenhafter Abzug gestattet, da die Feinde von der Tapferkeit der nur 19-jährigen Königin beeindruckt waren. Das Königspaar reiste auf einem französischen Schiff und in Begleitung von General Felix von Schumacher nach Rom ins Exil, wo sie zunächst im Vatikan Zuflucht fanden. Die Festung wurde anschließend gestürmt und eingenommen.

Europaweit erregte die tapfere, einer Fürstin gar nicht angemessene Haltung Maries Aufsehen und Bewunderung; den Konservativen, vor allem im Hochadel, galt sie schnell als "neuer Stern am Himmel des Legitimismus"[1]: Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg dichtete auf sie "An Neapels Königin"[2], und selbst Franz Grillparzer besang sie in einem Epigramm:

„Fest wie Gaetas Felsen stehen,
Wird deines Namens Ruhm nicht untergehen.
Vertrau auf Gott! du wirst sie wiedersehen.[3]

Und noch nach siebzig Jahren rühmte sie Benedetto Croce in den Worten:

„E la regina, rampollo della non meno generosa stirpe dei Wittelsbach, da margravi e duchi diventati re di Baviera, cinti di aureola guerriera e di più recente aureola artistica, poetica e romantica, la regina Maria Sofia, era degna di quello sposo, che sugli spalti di Gaeta combatteva quasi semplice soldato: essa, imperterrita tra il piovere delle bombe, suora di carità e amazzone ad una, evocante le più eroiche figure femminili della storia, pia e guerriera come la fanciulla d'Orléans.[4]

Im Exil[Bearbeiten]

Nach der Absetzung des Königspaares in Sizilien reiste Marie durch Europa, meist in Begleitung ihrer Schwester Mathilde. Sie produzierte laufend Skandale, schwamm nackt in Ostia im Meer, rauchte Zigarillos in der Öffentlichkeit. Während ihrer Zeit in Rom wurde Marie mit einem unehelichen Kind schwanger. Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, gab sie Gesundheitsgründe an, um dringend ihr Elternhaus in Possenhofen aufzusuchen. Im Familienrat wurde beschlossen, dass Marie sich in das Ursulinerinnen-Kloster in Augsburg zurückziehen solle, wo sie im November 1862 eine Tochter zur Welt brachte, die bald nach der Geburt an Pflegeeltern weitergegeben wurde.

Marie Gräfin Larisch, einer Nichte der Königin, verbreitete viele Jahre später die Geschichte, dass es sich beim Kindsvater um einen belgischen Offizier der päpstlichen Garde namens Graf Armand de Lavaÿss gehandelt habe. Obwohl die Larisch-Biographin Brigitte Sokop diese Behauptung nachhaltig entkräften konnte, hält sie sich selbst in der Forschung bis heute überaus hartnäckig. Neben anderen stichhaltigen Argumenten, die das Zustandekommen von Marie Larischs Geschichte detailliert beleuchten, konnte Sokop nachweisen, dass es in Belgien keine Adelsfamilie de Lavaÿss gibt oder jemals gegeben hat. Auch das Vatikanische Archiv hat in seinen Akten keine Hinweise auf einen Offizier dieses Namens gefunden. Als möglicher Kandidat für die Vaterschaft des Kindes gilt u. a. der spanische Gesandte Salvador Bermúdez de Castro, Marchese di Lema, der häufig in Gesellschaft des neapolitanischen Königspaares zu sehen war und dem auch eine Affäre mit Maries Schwester Mathilde Gräfin Trani nachgesagt wurde.[5]

Auf Zureden ihrer Familie entschloss sich Marie, ihrem Mann alles zu gestehen. Nach einer Aussprache schien sich die Beziehung des Paares gebessert zu haben; Franz ließ einen operativen Eingriff vornehmen, damit er die Ehe endlich vollziehen konnte und Marie brachte erneut eine Tochter zur Welt, diesmal von ihrem Mann. Das Kind starb allerdings schon nach einigen Wochen. Franz und Marie verließen Italien und zogen nach Frankreich.

Als begeisterte Jägerin kaufte sie ein Jagdschloss in England. Zu einer ihrer Reitjagden lud sie die kaiserliche Schwester Sisi ein; da diese eine bessere und elegantere Reiterin war, stahl sie Marie die Schau, worauf die eifersüchtige Marie dann dem Kronprinzen Rudolf von Österreich-Ungarn brühwarm erzählte, seine Mutter habe ein Verhältnis mit ihrem Vorreiter, Captain Bay Middleton. Der Klatsch kam der Kaiserin zu Ohren, die darauf mit der Schwester brach und ihr aus dem Weg ging. Beide versöhnten sich nie wieder.

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte Marie nach München zurück, wo sie 1925 starb. Bestattet wurde sie neben ihrem Mann und der Tochter in Rom. 1984 wurden die sterblichen Überreste zur Grablege der sizilianischen Bourbonen Basilika Santa Chiara in Neapel überführt.

Nachkommen[Bearbeiten]

  • uneheliche Tochter (* 24. November 1862)
  • Maria Christina Pia (* 24. Dezember 1869; † 28. März 1870) aus ihrer Ehe mit Franz II.

Literatur[Bearbeiten]

Biographien[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marie in Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Gollwitzer, S. 219.
  2. Vgl. Gollwitzer, S. 220.
  3. Vgl. Grillparzer, Sämtliche Werke, München: Hanser 1960-65, Bd. 1, S. 566.
  4. Vgl. Croce, Uomini e cose della vecchia Italia. Serie seconda, Rom-Bari: Laterza 1927, S. 312; dt.: "Und die Königin, Spross des nicht weniger edlen Hauses Wittelsbach, von Markgrafen und Herzögen, die Könige von Bayern geworden waren, umstrahlt von Kriegsruhm und erst jungem künstlerischem, dichterischem, romantischem Ruhm, die Königin Marie Sophie – sie war dieses Gatten würdig, der auf den Bastionen von Gaëta wie ein einfacher Soldat kämpfte: unerschrocken im Pulverdampf der Granaten, Krankenschwester und Amazone in einem, beschwor sie die größten Heldinnengestalten der Geschichte herauf, fromm und kriegerisch wie die Jungfrau von Orléans."
  5. Brigitte Sokop, Jene Gräfin Larisch, 3. überarbeitete Fassung, Wien/Köln/Weimar, S. 25-26, 479-480
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Maria Theresia Isabella von Österreich Königin beider Sizilien
1859–1860
---