Marina Weisband

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Marina Weisband (2012)

Marina Weisband (ukrainisch/russisch Марина Вайсбанд; * 4. Oktober 1987 in Kiew) ist eine deutsche Politikerin. Sie war von Mai 2011 bis April 2012 politische Geschäftsführerin und Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Weisband wuchs als Kind einer jüdischen Familie zunächst in Kiew auf. Im Jahr 1994 zog sie mit ihren Eltern im Zuge der Regelung für Kontingentflüchtlinge nach Deutschland um, wo sich die Familie in Wuppertal niederließ. Sie absolvierte ihr Abitur am Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal und studiert seit 2006 Psychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.[1][2]

Politik seit 2009[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 trat Weisband der Piratenpartei bei. Für die Münsteraner Uni-Piraten saß sie von Dezember 2010 bis November 2011 im 53. Studierendenparlament der Uni Münster.[3] Sie ist sie Mitglied des Kreisverbands Münster im Landesverband Nordrhein-Westfalen.[2] Sie wurde auf dem Bundesparteitag 2011 in Heidenheim an der Brenz am 15. Mai 2011 als Nachfolgerin Christopher Lauers zur Politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland gewählt; das Amt entspricht dem des Bundesgeschäftsführers anderer Parteien.[4]

Weisband setzt sich für die „Vermittlung von demokratischen Grundwerten an Schüler und Jugendliche“ ein sowie für selbstmotiviertes und freies Lernen.[2]Gesunder Menschenverstand“ müsse auch im Jugendschutz durchgesetzt werden, denn „Kinder vor allem zu beschützen, schützt Kinder nicht“.[2] Bildung sei die „Grundvoraussetzung für die Wissensgesellschaft“.[5] Des Weiteren möchte Weisband die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtern.[2]

Als Reaktion auf eine Forsa-Umfrage vom September 2011, bei der die Piratenpartei bundesweit bei sieben Prozent lag und nach der die meisten Wähler in den Piraten eine Protestpartei sahen, sagte Weisband dem Nachrichtenportal news.de, ihre Partei sei keine „Protestpartei mit Dauer-Veto“, die Piraten hätten „konkrete Ziele wie zum Beispiel mehr Transparenz in der Politik“.[6][7]

Marina Weisband, Andreas Baum (links) und Sebastian Nerz (rechts) bei der 1. Bundespressekonferenz der Piratenpartei, Oktober 2011

Im Oktober 2011 nahmen mit dem Parteivorsitzenden Sebastian Nerz, dem Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus von Berlin Andreas Baum und Marina Weisband erstmals Angehörige der Piratenpartei an der Bundespressekonferenz in Berlin teil. Weisband nannte als Ziele der Partei vor allem „Bildung in allen Schattierungen – frühkindliche Bildung, Bildung als Voraussetzung für politische Teilhabe, Bildung als Bedingung für ein verantwortliches Leben“ sowie „Freiheit im Internet und Transparenz politischer Prozesse“.[8] Zudem gehe es den Piraten um einen „grundlegend veränderten Politikstil“.[9] Gefragt nach weiteren Unterschieden zu anderen Parteien sagte sie: „Wir bieten kein Programm, sondern ein Betriebssystem.“[10]

Im Zuge der Diskussion über den Umgang mit ehemaligen NPD-Mitgliedern in den eigenen Reihen distanzierte sie sich öffentlich vom Parteivorsitzenden Nerz und erklärte, dessen Rede von „Jugendsünden“ sei unpassend gewesen.[11]

Am 25. Januar 2012 gab Weisband ihren Rückzug aus der Parteispitze bekannt. Als Grund nannte sie gesundheitliche Probleme und den Wunsch, ihre Diplomarbeit in Psychologie zu schreiben; dies sei aufgrund der Umstellung auf das Bachelor/Master-System nur noch bis zum Sommersemester 2013 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster möglich.[12][13] Sie will sich weiterhin innerhalb der Partei engagieren.

Nach ihrem Verzicht auf eine zweite Amtszeit teilte sie mit, dass sie während ihrer Amtszeit antisemitischen Beleidigungen ausgesetzt war.[14] In einem Interview erklärte sie, dies sei aber kein Grund für ihren Rückzug. Als einen der Gründe nannte sie den unerwartet großen Erfolg ihrer Partei, sie sei ihm nicht gewachsen und brauche deshalb eine Pause. Außerdem sei es vereinbart gewesen, dass sie nur eine Legislaturperiode mache.[15]

Nach dem Scheitern des Parteiausschlussverfahrens gegen den Holocaustrelativierer und Geschichtsrevisionisten Bodo Thiesen rief Weisband im April 2012 dazu auf, gegen antisemitische und rassistische Mitglieder rigoros vorzugehen. „Es ist Bullshit, dass wir rechtsextreme Meinungen tolerieren müssen.“[16][17]

Beim Bundesparteitag der Piraten im April 2012 in Neumünster verabschiedete Weisband sich.

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Weisband betätigt sich nebenher als freischaffende Künstlerin.[1][2] Eine Auswahl ihrer Zeichnungen und Gemälde wurde 2009 in einem Kulturzentrum in Mülheim an der Ruhr ausgestellt.[18] Zudem engagiert sie sich in dem gemeinnützigen Wuppertaler Elternverein „3 x 3“ e. V. Seit November 2011 schreibt sie einen Blog auf FAZ.NET.[19]

Leben[Bearbeiten]

Sie lebt in Münster (Westfalen).[20] Am 23. April 2012 teilte sie mit, dass sie sich verlobt habe und im Frühjahr 2013 heiraten wolle.[21]

Weisband bekennt sich zur jüdischen Religion.[22] Nach eigenen Angaben war sie antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt.[23]

Rezeption[Bearbeiten]

Anlässlich des Programmparteitages der Piratenpartei im Dezember 2011 in Offenbach schrieb Spiegel Online: „In Offenbach zeigt sich auch, wer der neue Star der Partei ist: Marina Weisband. […] und in Offenbach zeigt sich, wie wichtig Marina Weisband für den Zusammenhalt der Partei ist.“[24] Focus Online kommt zu dem Schluss: „Sie ist diejenige, auf die sich alle im Saal einigen können.“[25]

Das NDR-TV-Medienmagazin Zapp berichtete im Januar 2012 über den Umgang von Medien mit Weisband.[26]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb zum Abschied von Marina Weisband im April 2012: „Sie hat für die Piraten weit über die Parteifreunde hinaus mehr soziales Kapital eingeworben als wahrscheinlich irgendein anderer Parteipolitiker der vergangenen Jahre.“[27]

Buchveröffentlichung[Bearbeiten]

Im März 2013 wurde ihr erstes Buch Wir nennen es Politik auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Zwei Wochen vorher wurde eine unredigierte Fassung zum kostenlosen Abruf bereitgestellt. Der Klett-Cotta-Verlag gab an, zwar nicht erfreut zu sein, gegen die Veröffentlichung aber nicht vorgehen zu wollen.[28] Der Verkauf des E-Books war ohnehin ohne Kopierschutz vorgesehen. Weisband beabsichtigt, dass jeder Käufer ihres Buches es auch ohne Einschränkungen im Netz weiterverbreiten dürfe.[29]

  •  Wir nennen es Politik. Ideen für eine zeitgemäße Demokratie. Tropen-Verlag (Label von Klett-Cotta), Stuttgart 2013, ISBN 978-3-608-50319-7 (Leseprobe (PDF; 1,6 MB), abgerufen am 8. Februar 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marina Weisband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. Marina Weisbands Website: Hallo Welt, Ode an Wuppertal; jeweils abgerufen am 1. November 2011.
  2. a b c d e f Vergleiche Angaben über Marina Weisband auf der Webseite Benutzer:Marina im Wiki der Piratenpartei Deutschland; abgerufen am 1. November 2011.
  3. http://schlosspiraten.wordpress.com/uber-uns/stupa/
  4. Vergleiche Merlind Theile: Piratenpartei. Kein Geschlecht, kein Problem. In: Der Spiegel Nr. 41/2011 vom 10. Oktober 2011, S. 30–31; PDF-Datei, 246,87 KB, abgerufen am 2. November 2011.
  5. Hubertus Volmer: Piratenpartei stellt sich vor. Die drei Fragezeichen. Bei: n-tv vom 5. Oktober 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  6. (dpa): Parteien. Piraten auch im Bund auf Erfolgskurs: 7 Prozent. Auf: Focus Online vom 28. September 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  7. Piratenpartei. „Wir schulden den Menschen Ehrlichkeit“. Interview mit Marina Weisband von Oliver Roscher auf: news.de vom 28. September 2011; abgerufen am 2. November 2011.
  8. Torsten Krauel: Piratenpartei. Politisch unfertig, aber mit sehr viel Stil. Auf: Welt Online vom 5. Oktober 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  9. Piratenpartei in der Bundespressekonferenz. Etwas links, etwas mittig – sehr koalitionsbereit. Bei: tagesschau.de vom 5. Oktober 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  10. Bastian Pauly, Christoph Spangenberg: Nach dem Scheitern von Rot-Grün. Piraten wollen über Regierungsbeteiligung verhandeln. In: Der Tagesspiegel, 5. Oktober 2011, abgerufen am 1. November 2011.
  11. Manuel Bewarder: PIRATEN-Streit. „Das Wort ‚Jugendsünden‘ ist falsch gewählt“. Auf: Welt Online vom 14. Oktober 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  12. Der Tag, an dem nichts wirklich passiert ist., in Marinas Lied(privater Blog), 25. Januar 2012, zuletzt abgerufen am 25. Januar 2012
  13. Spiegel Online: Ober-Piratin zieht sich aus Parteispitze zurück
  14. http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article13840712/Rassistische-Mails-an-Weisband.html
  15. http://www.tagesschau.de/inland/weisband106.html
  16. Annett Meiritz und Fabian Reinbold: Radikale bei den Piraten: „Unsere Ideen versinken in Müll und Dreck“ In: spiegel.de vom 20. April 2012.
  17. „Wenn ein PAV [Parteiausschlussverfahren] scheitert, bleibt immer noch die Möglichkeit, als Partei deutlich zu machen, dass rechtes Gedankengut keinen Platz bei uns hat. Die Verbreiter dieser Meinungen und Lügen dürfen nicht auf Veranstaltungen eingeladen werden, keine Ämter bekommen, nicht für die Piraten sprechen.“ Blog von Marina Weisband. Archiviert vom Original, abgerufen am 22. April 2012.
  18. Vgl. Marina Weisbands Website: Vernissage; abgerufen am 15. November 2011.
  19. Blog „Salon Skurril“ auf FAZ.NET; abgerufen am 15. November 2011.
  20. Vergleiche Marina Weisbands Website: Über die Autorin; abgerufen am 1. November 2011.
  21. http://www.stern.de/news2/aktuell/piratin-weisband-gibt-via-twitter-verlobung-bekannt-1817820.html
  22. „Zu Israel stehe ich neutral“. Interview mit Marina Weisband von Elke Wittich in: Jüdische Allgemeine vom 28. September 2011; abgerufen am 1. November 2011.
  23. Sarah-Maria Deckert: Kevin Barth findet „den Juden an sich unsympathisch“. In: Der Tagesspiegel, 8. Februar 2012, abgerufen am 9. März 2013.
  24. Annett Meiritz und Fabian Reinbold: Parteitag: Piraten starten Angriff von links. In: Spiegel Online. 3. Dezember 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  25. Fabian Mader: Marina Weisband: Der neue Star der Piratenpartei. In: Focus Online. 3. Dezember 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  26. ndr.de: Polit-Neulinge: Erfahrungen mit Journalisten (Film von Daniel Bröckerhoff, 8 min.)
  27. Melanie Mühl: Wahlkampf einer digitalen Seele. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. April 2012
  28. Raubkopie von Weisbands Buch bleibt im Netz. In: Welt Online. 28. Februar 2013, abgerufen am 28. Februar 2013.
  29.  Piraten: Kopieren erlaubt. In: Der Spiegel. Nr. 39, 2012 (online).