Marine Le Pen
Marine Le Pen (* 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine als Marion Anne Perrine Le Pen) ist eine französische Rechtsanwältin, Politikerin und Tochter des Politikers Jean-Marie Le Pen. Seit der Europawahl 2004 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Am 16. Januar 2011 wurde sie die Nachfolgerin ihres Vaters als Vorsitzende des Front National.
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[Bearbeiten] Lebenslauf
Marine Le Pen ist die jüngste von drei Töchtern des früheren Vorsitzenden des Front National (FN) in Frankreich, Jean-Marie Le Pen, und seiner ersten Ehefrau, Pierrette Lalanne. Nach Abschluss eines Studiums der Rechtswissenschaften in Paris erhielt sie 1992 ihre Anwaltszulassung und arbeitete bis 1998 als Anwältin.
Marine Le Pen war mit dem Geschäftsmann Franck Chauffroy verheiratet und hat aus dieser Ehe drei 1998 und 1999 geborene Kinder. Nach der Scheidung heiratete sie in zweiter Ehe den FN-Funktionär Éric Iorio, von dem sie mittlerweile ebenfalls geschieden ist.
[Bearbeiten] Partei
Sie war eine von acht Vizepräsidenten und seit 2003 stellvertretende Vorsitzende des FN. Beim innerparteilichen Wahlkampf gegen Bruno Gollnisch, Professor für japanische Sprache und Kultur in Lyon, sagte sie im Dezember, französische Straßen seien mittlerweile jeden Freitag von betenden Muslimen "besetzt"; es gebe Orte, an denen es nicht gut sei, eine "Frau zu sein, homosexuell oder Jude, nicht einmal französisch oder weiß".[1]
Am 15. Januar 2011 wurde sie auf einem Parteitag des Front National zu dessen Vorsitzender aufgrund einer Mitgliederbefragung gewählt.[2] Dabei setzte sie sich gegen den langjährigen Stellvertreter ihres Vaters, Bruno Gollnisch, durch. Bei einer Beteiligung von 76 Prozent der rund 22 400 Mitglieder hätten 67,65% für Marine Le Pen und 32,35% für Gollnisch gestimmt. Auf dem Parteitag war das Ergebnis schon einen Tag zuvor durchgesickert.[3] Einen Tag später übernahm sie offiziell die Führung der Partei von ihrem Vater.[4] Gollnisch lehnte umgehend das Angebot Marine Le Pens für das Amt des ersten Stellvertreters ab. Sie kündigte an, bei der Präsidentenwahl 2012 zu kandidieren, Umfragen im März 2011 sagen ihr dafür 23 Prozent der Wählerstimmen voraus, womit sie vor Staatspräsident Nicolas Sarkozy (21%) läge.[5] Inzwischen liegt sie jedoch in den Umfragen weit hinter dem Sozialisten François Hollande und Sarkozy auf Rang drei. [6]
[Bearbeiten] Politische Positionen
Marine Le Pen versucht erkennbar der Partei ein moderneres Image zu geben, indem sie beispielsweise für eine straffreie Abtreibung eintritt oder im Präsidentschaftswahlkampf 2007 die Aufstellung von Plakaten initiierte, die eine schwarze Französin (afrikanischer oder karibischer Herkunft) in engen Jeans abbilden. Sie forderte gleichzeitig, Frankreich solle die "Assimilation" von Einwanderern verstärken. Sie teilt nicht den Antisemitismus ihres Vaters, distanziert sich offiziell vom Rassismus und nannte die Ideologie des Nationalsozialismus "abscheulich". Dabei tritt sie für Laizität ein, welche es in Frankreich gegen eine "Islamisierung" zu verteidigen gelte. Damit versucht sie die Partei zu "entdiabolisieren", um den Front National als rechtspopulistische Partei auch für die Mitte der Gesellschaft zu öffnen.
Gleichzeitig betont Le Pen in Ihren Reden den, ihrer Meinung nach, schädlichen Einfluss der Einwanderung für die französische Gesellschaft und Ökonomie. Sie verlangt rigorose Kürzungen bei der Sozialhilfe für Nicht-Franzosen, strikte Ausweisegesetze für kriminelle Immigranten und die Abschaffung des Ius Soli zur Erlangung der Staatsbürgerschaft. Zur Bekämpfung der Kriminalität schlägt sie unter anderem ein Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe vor, wobei als weitere Antwortmöglichkeit tatsächlich lebenslanger Freiheitsentzug zur Auswahl stehen soll.
Für den Fall eines Wahlsieges hat Le Pen den Austritt Frankreichs aus der NATO und eine Vertiefung der Kooperation mit Russland versprochen.[7] Kernanliegen ist außerdem ein Austritt Frankreichs aus dem Euro und eine protektionistische Wirtschaftspolitik.
[Bearbeiten] Mandate
Von 1998 bis 2004 war sie Generalrätin von Nord-Pas-de-Calais, seit 2004 sitzt sie im Regionalrat der Île-de-France.
Bei der Europawahl 2004 führte sie die Liste des Front National im Wahlkreis Île-de-France an und konnte, wie ihr Vater, ein Mandat im Europäischen Parlament erringen. Dort wurde sie als Fraktionslose Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung und in der Delegation für die Beziehungen zu Israel. 2007 war sie an der Gründung der Fraktion Identität, Tradition, Souveränität beteiligt, die sich jedoch wenige Monate später wieder auflöste. Bei der Europawahl in Frankreich 2009 wurde sie erneut gewählt und gehört seitdem dem Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten sowie der Delegation in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung AKP-EU an.
[Bearbeiten] Werke
- Marine Le Pen: A contre-flots. Éditions Jacques Grancher, Paris 2006, ISBN 2733909576.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Friedrich Schmidt: Rächerin, in FAZ, 17. Januar 2011, S. 10
- ↑ Führungswechsel bei französischen Rechtsextremen – Die zweite "Le-Pen-Rakete" steht am Start, tagesschau.de, Meldung vom 15. Januar 201
- ↑ Friedrich Schmidt: Eine Familie im Zeichen der Fackel, in FAZ, 17. Januar 2011, S. 5
- ↑ vgl. Rechtsextreme wählen Le Pen zur Chefin bei Spiegel Online, 16. Januar 2011 (aufgerufen am 16. Januar 2011)
- ↑ vgl. Frankreichs Rechtsextreme rütteln an Sarkozys Thron bei Spiegel Online, 7. März 2011
- ↑ http://www.sondages-en-france.fr/sondages/Elections/Pr%C3%A9sidentielles%202012 http://www.sondages-en-france.fr/sondages/Elections/Pr%C3%A9sidentielles%202012
- ↑ Marine Le Pen für NATO-Austritt Frankreichs und engere Kooperation mit Russland
[Bearbeiten] Weblinks
- Marine Le Pen auf der Homepage des Europäischen Parlaments
- VoteWatch.eu: Abstimmungsverhalten von Marine Le Pen im Europäischen Parlament
- Michael Mönninger: Die Tochter des Polterers, in: Die Zeit, 18. März 2004, erneut abgerufen am 17. Januar 2011
- Gero von Randow: Marine Le Pen. Des Alten blonde Tochter, in: Die Zeit, 17. Dezember 2010, abgerufen am 17. Januar 2011
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Le Pen, Marine |
| ALTERNATIVNAMEN | Le Pen, Marion Anne Perrine (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Politikerin, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 5. August 1968 |
| GEBURTSORT | Neuilly-sur-Seine |