Marino Faliero

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Francisco Pradilla: Marino Faliero, Dux LV (1883, Museo del Prado, Madrid)
Wappen Marino Falieros

Marino Faliero (* 1274; † 17. April 1355 in Venedig; meist nur Marin Falier) war der 55. Doge von Venedig, seine Berufung erfolgte am 11. September 1354. Die Familie stellte mit Vitale Faliero, Ordelafo Faliero und Marino Faliero drei Dogen.

Leben[Bearbeiten]

Faliero war mehrmals Mitglied im Rat der Zehn, er war Flottenkommandant in Konstantinopel und Podestà von Padua, Treviso und Chioggia. Als Diplomat hatte er sich in Österreich, in Genua, beim ungarischen König und am Hof von Innozenz VI. in Avignon ausgezeichnet. Er hatte als Admiral der Schwarzmeerflotte an der Schlacht am Bosporus von 1352 teilgenommen. In Venedig gehörte er einer Kommission an, die gegen Wucher vorgehen sollte. Während seiner Zeit im Rat der Zehn hatte er an dem Verfahren gegen den Verschwörer Baiamonte Tiepolo teilgenommen.
Faliero war mit Aluicha Gradenigo verheiratet. Er hatte eine Tochter, Lucia.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Faliero trat sein Dogenamt in schwierigen Zeiten an. Die Bevölkerungszahl Venedigs war wegen der Pest, die seit 1347 in die Stadt eingeschleppt worden war, um die Hälfte zurückgegangen. 1354 kam es bei Methoni zu einer bitteren Niederlage der Venezianer gegen Genua, ein großer Teil ihrer Flotte wurde in Portalonga erobert und verbrannt. 5000 Mann gerieten in Gefangenschaft, darunter auch der Flottenkommandant und ehemalige Kriegsheld Niccolò Pisani, der nach seiner Freilassung aus der genuesischen Gefangenschaft keine Ämter mehr bekleiden durfte und zu einer harten Geldstrafe verurteilt wurde.

Francesco Hayez: Gli ultimi momenti del doge Marin Faliero sulla scala detta del Piombo (1867, Pinacoteca di Brera, Mailand)

Die Verschwörung[Bearbeiten]

Faliero versuchte im Jahre 1355 in einem Staatsstreich, sich selbst zum Fürsten zu erheben, möglicherweise angeregt durch das Vorbild anderer oberitalienischer Familien.
Die genauen Umstände der Verschwörung sind nicht mehr zu rekonstruieren, da alle Gerichtsakten im Zuge der Damnatio memoriae vernichtet worden sind, und die Aussagen von Zeitgenossen widersprüchlich und mit Legenden und Gerüchten durchsetzt sind.
Der Große Rat hatte offenbar durch Spitzel Informationen über den geplanten Staatsstreich bekommen, worauf eine Reihe von Verschwörern verhaftet und ein Sondergericht einberufen wurde. 11 Verschwörer, darunter auch der proto des Dogenpalastes, Filippo Calendario, wurden vor dem Dogenpalast aufgehängt, andere wurden aus Venedig verbannt und Faliero selbst wurde am 17. April auf derselben Treppe („Scala Foscara“ oder „Scala del Piombo“ wegen ihrer Bleibedachung, 1618 abgetragen), auf der er im September des Vorjahres zum Dogen gekrönt worden war, enthauptet.

Bilder[Bearbeiten]

Marino Faliero, Sala del Maggior Consiglio

An Stelle eines Dogenporträts befindet sich an dem für Marino Faliero vorgesehen Platz in der Galerie der Dogenbilder im Saal des Großen Rates (Sala del Maggior Consiglio) ein schwarzes Banner mit der weißen Inschrift: Hic est locus Marini Faletri decapitati pro criminibus (Hier ist die Stelle des wegen Verbrechen enthaupteten Marino Faliero). Es wurde an dieser Stelle nach seinem Tod von Tintoretto angebracht, auch ein Zeichen für die condamnatio memoriae (die Auslöschung der Erinnerung) des Dogen. Das bereits vorhandene Gemälde soll mit dem Banner übermalt worden sein.[1]

Grabmal[Bearbeiten]

Der Doge wurde in der Familienkapelle der Faliero in SS. Giovanni e Paolo begraben. Das Grab ist nicht erhalten.

Marino Faliero in Kunst, Literatur und Musik[Bearbeiten]

Zitat[Bearbeiten]

Stärker war sein Temperament als seine Einsicht, sein Herz vermochte nicht in höchster Würde Genüge finden, denn mit dem linken Fuß hatte er den Dogenpalast betreten. Petrarca

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Cochran: MARINO FALIERO, DOGE OF VENICE AN HISTORICAL TRAGEDY, IN FIVE ACTS. by Lord Byron (PDF; 1,5 MB)

Weblinks[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Andrea Dandolo Doge von Venedig
13541355
Giovanni Gradenigo