Mario Draghi

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Mario Draghi (2012)
Unterschrift Draghis auf den Euro-Banknoten

Mario Draghi [ˈdraːgi] (* 3. September 1947 in Rom) ist ein italienischer Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 2006 bis 2011 Präsident der Italienischen Nationalbank und ist seit dem 1. November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Draghi, ehemaliger Vizepräsident von Goldman Sachs International, ist derzeit zudem Vorstandsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel und Mitglied in der von der Rockefeller-Stiftung gegründeten privaten Lobbyorganisation der Finanzwirtschaft, der Group of Thirty.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Mario Draghi wurde am 3. September 1947 in Rom geboren. Sein Vater war ein ranghoher Beamter der italienischen Zentralbank. Er starb, als Draghi fünfzehn Jahre alt war, kurz darauf auch seine Mutter.[3][4][5][6]

Draghi besuchte das von den Jesuiten geführte Istituto Massimo, eine katholische Privatschule in Rom, und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität La Sapienza in seiner Heimatstadt Rom, unter anderem bei Federico Caffè. Im Anschluss daran ging er an das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston, nahm hier auch an Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsnobelpreisträger Franco Modigliani und Paul A. Samuelson sowie der international bekannten Ökonomen Rudiger Dornbusch und Stanley Fischer teil. 1976 wurde er vom MIT zum Ph.D. promoviert.[3]

Draghi lehrte 1981 bis 1991 als Professor an der Universität Florenz, arbeitete für die Weltbank und 2001 an der Harvard University. Von 2004 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London.[7]

Von 2006 bis 2011 war Draghi Gouverneur der Banca d’Italia, der italienischen Zentralbank. Er löste Antonio Fazio ab, gegen den die italienische Staatsanwaltschaft ermittelte. Draghi verkaufte vor dem Amtsantritt als Notenbankchef seine Goldman-Sachs-Anteile.[8] Als Chef der Zentralbank war er auch Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank. Er leitete zudem das Forum für Finanzstabilität (ab 2009 Financial Stability Board (FSB)) am Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Draghi war Mitglied des Aufsichtsrates von Eni, IRI und der Banca Nazionale del Lavoro.

Nachdem Axel Weber sein Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank niederlegte und damit als zukünftiger Präsident der EZB nicht mehr in Frage kam, galt Draghi vielen Beobachtern als neuer Favorit für diesen Posten, den der bisherige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Herbst 2011 räumte.[9] Draghi wurde am 17. Mai 2011 vom Rat der Europäischen Union als Nachfolger Trichets vorgeschlagen.[10] Am 24. Juni 2011 wurde er vom Europäischen Rat offiziell als Nachfolger bestimmt[11] und trat das Amt am 1. November 2011 an.[12]

Im Sommer 2012, auf einem der Höhepunkte der Eurokrise, versicherte Draghi „alles Notwendige“ zu tun, um den Euro zu erhalten. Er kündigte an, notfalls Staatsanleihen von Problemstaaten zu kaufen. Diese Aussage gilt als Wendepunkt in der Krise, da sich die Finanzmärkte daraufhin beruhigten.[13] Ob diese Outright Monetary Transactions (OMT) rechtlich zulässig und mit dem Mandat der EZB vereinbar sind, soll nunmehr der Europäische Gerichtshof entscheiden, dem das deutsche Bundesverfassungsgericht diese Frage Anfang Februar 2014 zur Prüfung vorgelegt hat.[14]

Mario Draghi wurde mit dem Großkreuz des italienischen Verdienstordens ausgezeichnet. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.[15] Sein Sohn Giacomo Draghi studierte Wirtschaft in Italien und arbeitet als Interest Rate Trader (Zinshändler) bei Morgan Stanley in der City of London.[16] Seine Tochter Federica studierte Biochemie und arbeitet bei der Genextra Group in Italien.[17]

Kritik[Bearbeiten]

Draghi ist Mitglied in der Group of Thirty, einer privaten Lobbyorganisation der Großbanken. Aus diesem Grund wird ihm ein Interessenkonflikt als EZB-Chef vorgeworfen. Zudem gibt es Stimmen, die insbesondere auch Draghis vormalige Tätigkeit bei Goldman Sachs als Interessenkonflikt werten.[18][19][20][21]

Anfang 2013 geriet Draghi im Zuge der Skandale um die Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS )[22] in die Kritik: Es wurde bekannt, dass noch unter der Führung Draghis als Gouverneur der italienischen Zentralbank die MPS äußerst riskante Geschäfte tätigte und die italienische Zentralbank noch im Oktober 2011, also noch unter der Führung Draghis, der dann strauchelnden MPS einen wertpapierbesicherten Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro verabreichte, aber weder Öffentlichkeit noch das italienische Parlament darüber informierte. Durch diese eine geheime Rettung der MPS landete zweifelhafter Wertpapierschrott bei der nationalen Notenbank und diese erhielten dafür im Gegenzug Staatsanleihen, deren Zins- und Schuldendienst vom Steuerzahler getragen wird. Draghi legte damit den Grundstein für ein europäisches Schattenbankensystem unter Führung der nationalen Notenbanken. Ein System, das hauptsächlich dafür geschaffen wurde, Geschäftsbanken und ihre Eigentümer auf Kosten der Steuerzahler vor Pleite und Verstaatlichung zu schützen. Für Draghi ist der Zeitpunkt besonders heikel, weil die EZB kurz davor steht, die Bankenaufsicht in der Euro-Zone zu übernehmen – nach italienischem Vorbild. Sollte sich das italienische Modell als fehlerhaft herausstellen, könnte das auch die Verhandlungen um die europäische Bankenaufsicht 2013 beeinflussen.[23]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mario Draghi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Board of Directors des BIZ: Mario Draghi
  2. Offizielle Mitgliedergalerie der Group of Thirty : Mario Draghi
  3. a b Munzinger: Mario Draghi
  4. Spiegel-Online 21. Februar 2011: Superbanker aus Berlusconien
  5. Handelsblatt-Online 16. Mai 2011: Neuer EZB-Präsident Draghi – Italiener mit deutschen Tugenden
  6. Welt-Online 17. Mai 2011: Bei Mario Draghi siegt Kompetenz über Nationalität
  7. FAZ: Mario Draghi:„Alle sollten dem deutschen Beispiel folgen“ vom 15. Februar 2011
  8. Ulrike Sauer: Ein Amerikaner in Rom. Süddeutsche Zeitung vom 4. März 2006
  9. RP vom 19. Februar 2011, Seite C1: „Italiener ist Favorit für die EZB-Spitze“
  10. consilium.europa.eu: Council recommends the nomination of Mario Draghi as President of the European Central Bank (PDF; 73 kB), Zugriff am 17. Mai 2011
  11. Die Zeit: Draghi wird EZB-Präsident, letzter Zugriff am 24. Juni 2011
  12. Die Hüter des Grundsatzstreits. In: faz.net vom 31. Oktober 2011
  13. Draghi ärgert sich über Kritik - „Um Gottes Willen, der Italiener zerstört Deutschland“, Handelsblatt 29. Dezember 2013
  14. BVerfG, Beschluss vom 14. Januar 2014 – 2 BvR 2728/13 u.a. –, abgerufen am 9. Februar 2014
  15. Marc Kowalsky: Machtnetz von Mario Draghi: Der deutsche Italiener in: Bilanz 14/11 vom 5. August 2011
  16. Gunnar Beck: Draghis dubiose Verbindung zu Morgan Stanley, Handelsblatt vom 10. Juni 2013, letzter Zugriff am 19. März 2014
  17. Federica Draghis Profil bei Women&Technologies, letzter Zugriff am 18. Dezember 2012
  18. Ombudsmann prüft Draghis Lobby-Mitgliedschaft In: Spiegel.de vom 30. Juli 2012
  19. EZB-Chef wegen G30-Mitgliedschaft in der Kritik In: Tagesschau.de vom 31. Juli 2012
  20. Jérôme Fritel, Marc Roche: Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt. ARTE, Frankreich 2012, 71 Minuten, abgerufen am 4. September 2012
  21. Günther Lachmann: Wie die Griechen sich in den Euro schummelten, abgerufen am 12. Dezember 2012
  22. www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/aelteste-bank-der-welt-monte-dei-paschi-affaere-erreicht-ezb-chef-draghi-a-880304.html
  23. Monte dei Paschi Skandalbank bekommt Milliardeninfusion
Vorgänger Amt Nachfolger
Jean-Claude Trichet Präsident der Europäischen Zentralbank
seit 2011