Mario Perniola

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mario Perniola (* 20. Mai 1941 in Asti, Italien) ist ein italienischer Philosoph. Er arbeitet insbesondere zu Kunsttheorie und Ästhetik. Seine Schriften befassen sich mit Avantgarde, der Situationischen Internationale, der Postmoderne und der kritischen Theorie. Er ist Herausgeber der kulturwissenschaftlichen Zeitschrift Agalma.

Leben[Bearbeiten]

Mario Perniola studierte bei Luigi Pareyson und ist damit von der berühmten Turiner Schule geprägt, die auch andere wichtige zeitgenössische Denker wie Umberto Eco und Gianni Vattimo hervorgebracht hat. Seine frühen Arbeiten befassten sich mit Metaliteratur - was auch seinen Kontakt mit zum Beispiel Eugenio Morale begründet hat. Zwischen 1966 und 1969 stand er in engem Kontakt mit der Situationistischen Internationale (gegründet von Guy Debord). Von 1976 bis 1983 lehrte er an der Universität von Salerno, seither hat er eine Professur an der Universität „Tor Vergata“ in Rom inne. Er war Gastprofessor an vielen Universitäten und Forschungszentren in Frankreich, Dänemark, Brasilien, Canada, Japan und den USA. Er hat mehrere einflussreiche Bücher verfasst - das Bekannteste ist Der Sex-Appeal des Anorganischen (auf Deutsch übersetzt 1999). Viele seiner Schriften wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es ist der Herausgeber mehrere Zeitschriften: Agaragar (1971-3), Clinamen (1988-92), Estetica News (1988-95) und Ágalma. Rivista di studi culturali e di estetica (seit 2000).

Theorie[Bearbeiten]

Sein philosophisches Werk beschäftigt sich in erster Linie mit vier Gruppen von Fragen: Der Körper und seine Wahrnehmungen; Rituale jenseits von Bedeutungszuweisungen; différance als Denktradition jenseits der Dialektik; und Kunst als historische Kategorie. Die erste Gruppe ist eng auf zeitgenössische Zugangsweisen bezogen, die sich mit Verdinglichung (Marxismus), sexuellem Fetischismus und den von Dingen ausgehenden Gefühlen beschäftigen; die zweite ist mit den neuesten anthropologischen und historischen Untersuchungen zum Ritual verknüpft, im Speziellen im alten Rom und im Katholizismus; die dritte zählt zu einer Denktradition, die von Friedrich Nietzsche, Georges Bataille und Martin Heidegger zu Jacques Derrida und dem Dekonstruktivismus reicht; und die vierte widmet sich den historischen und sozialen Bedingungen der Hervorbringung und Wertschätzung künstlerischer und ästhetischer Erfahrung und verbindet traditionelle philosophische Positionen mit zeitgenössischen Denktraditionen, wie sie etwa von der britischen Kultur- und Medienwissenschaft begründet worden sind.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth von Samsonow: Entladung von Neuronenpopulationen? In: Der Sex-Appeal des Anorganischen. Turia & Kant, Wien 1999, ISBN 3-85132-195-2.
  • Von fühlenden Dingen. In: Neue Zürcher Zeitung Nr. 151, 3./4. Juli 1999.
  • Walter Moser: Barock. In: Karlheinz Barck (Hrsg.): Aesthetische Grundbegriffe. Band 1, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2000, S. 583.
  • Bettina Köhler: Quadrat, Kreis und Bio-Pod. In: Trans-Human. Zürich, Nr. 6, Mai 2000.
  • Robert Burch: The Simulacrum of Death. Perniola beyond Heidegger and Metaphysics? In: James Swearingen, Johanne Cutting-Gray (Hrsg.): Feeling the Difference, Extreme Beauty. Esthetics, Politics, Death. Continuum, New York, London 2002.
  • Nils Röller: Simulation. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band IX, Schwabe & CO AG, Basel 1971–2004.
  • Stella Sandford: The Sex Appeal of the Inorganic. Philosophies of Desire in the Modern World. In: Radical Philosophy. London 2004, Nr. 127.
  • Joseph Früchtl: Und dann heißt es wieder: Ich hab’s doch gar nicht so gemeint. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. März 2006.
  • Ursula März: Die Kunst der gekonnten Beleidigung. In: Die Zeit vom 27. April 2006.
  • Hanns-Josef Ortheil: Keine Kommunikation. In: Die Welt vom 16. Mai 2006.

Weblinks[Bearbeiten]