Marionettenregierung

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Als Marionettenregierung bezeichnet man im Allgemeinen eine Regierung, die durch eine fremde Großmacht eingesetzt wurde und durch diese unterstützt und gesteuert wird.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff bezieht sich auf die als Marionette bezeichnete Puppenform, deren Bewegungen ein Spieler mit Hilfe von Fäden kontrolliert. Dieser Begriff ist abwertend und wird daher ausschließlich von Kritikern solcher Regierungen benutzt. Ähnliche Begriffe sind Vasallen- oder Satellitenstaat. Ein Regierungschef einer Marionettenregierung wird gelegentlich als Quisling bezeichnet[1].

Der Einfluss auf die Machtergreifung und der Grad der Kontrolle durch die fremde Macht variiert. Eine klare Abgrenzung, ob ein Regime eine Marionettenregierung ist oder nur „gute Beziehungen“ mit der Hegemonialmacht unterhält, gestaltet sich oft schwierig.

Im Laufe der Geschichte haben Großmächte immer wieder Marionettenregierungen installiert, wenn es politisch opportun erschien, oft nach einer Besetzung oder Teilokkupation eines Landes. Beispiele sind die ägyptische Herrschaft über Nubien (bis ca 1000 v. Chr.), die römische Tetrachien in Judäa und die Batavische Republik, welche von der Ersten Französischen Republik abhängig war.

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

  • 1895 gab das Kaiserreich Japan Korea offiziell die Unabhängigkeit, um es wenig später zu annektieren
  • 1896 schuf das Britische Empire einen Marionettenstaat in Sansibar.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Das deutsche Kaiserreich drängte die Armee des Russischen Zarenreiches während des Ersten Weltkriegs erfolgreich weit in den Osten zurück und schuf in Osteuropa zahlreiche Marionettenregierungen:

  • Die Belarussische Nationale Republik (1918–1919)
  • Das Königreich Polen (1916–1918)
  • Das Königreich Litauen (1918)
  • Das Herzogtum Kurland und Semigallia (1918)
  • Das Königreich Finnland (1918)

Durch die Achsenmächte eingesetzte (Zweiter Weltkrieg)[Bearbeiten]

Viele Marionettenregimes wurden von den Achsenmächten während des Zweiten Weltkriegs eingerichtet, unter anderem:

Durch die Alliierten eingesetzte (Zweiter Weltkrieg)[Bearbeiten]

Kalter Krieg[Bearbeiten]

  • (1960–1963) unterstützte die ehemalige Kolonialmacht Belgien den Staat Katanga.
  • Südvietnam war politisch, militärisch und wirtschaftlich von den USA abhängig. Nach dem Abzug der USA, wurde dieser Staat von Nordvietnam erobert und Vietnam wurde wiedervereinigt.

Nach dem Kalten Krieg eingesetzte[Bearbeiten]

  • Nach der erfolgreichen Eroberung Kuwaits richtete Iraks Diktator Saddam Hussein die Republik Kuwait ein, die er nach weniger als einem Monat wieder auflöste und Kuwait annektierte.
  • Die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern wird von westlichen politischen Kommentatoren als Marionettenstaat der Türkei angesehen[2][3][4]
  • Süd-Ossetien spaltete sich von Georgien ab und ist international nicht anerkannt. Der Staat ist wirtschaftlich und militärisch stark von Russland abhängig.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [Block, Maxine, ed. (1940). Current Biography Yearbook. New York, United States: H. W. Wilson. (engl.)]
  2. James, A. Sovereign statehood: The basis of international society." S. 142 [1]. Taylor and Francis, 1986, 288 Seiten. ISBN 0-04-320191-1.
  3. Kurtulus, E. State sovereignty: concept, phenomenon and ramifications. S. 136 [2]. Macmillan, 2005, 232 Seiten. ISBN 1-4039-6988-4.
  4. Kaczorowska, A. Public International Law. S. 190 [3]. Taylor and Francis, 2010, 944 Seiten. ISBN 0-415-56685-1.
  5. Times Online (11-Sep-2008). Abgerufen 21-Dez-2008.