Marja-e taqlid

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Marja-e taqlid (persisch ‏مرجع تقليد‎, DMG marǧaʿ-i taqlīd) bedeutet absolute Quelle/Instanz der Nachahmung und ist die höchste Bezeichnung eines schiitischen Religionsgelehrten für das Amt des höchsten imamitischen Juristen.

Entstehung[Bearbeiten]

Mit Ausbildung der religiösen Hierarchie im 19. Jahrhundert trat im Iran, neben der Abstufung innerhalb der religiösen Titel (siehe Mullah) auch erstmals eine absolute und einzigartige Autorität hervor, der Marja, dessen Entscheidung der Gläubige blindlings, wie Heinz Halm schreibt, folgt (siehe Taqlid).[1]

Marja oder Großajatollah[Bearbeiten]

Es gibt keinen formalen Prozess, einem bedeutenden religiösen Gelehrten den Titel eines Marja oder Marja-e taqlid zu verleihen. Konsens besteht jedoch darin, dass der Marja eine wichtige juristische Abhandlung über die Scharia verfasst haben muss. Selbst hochgeschätzte Theologen, Koran-Kommentatoren oder islamische Philosophen werden mit diesem Titel nicht bedacht.[2] In der schiitischen Geschichte wurden ab dem 19. Jahrhundert übergeordnete Ajatollahs als Marja bezeichnet, ab den 1920er Jahren etablierte sich für Marja der Begriff Großajatollah.[1] In der jüngeren Geschichte wurden einige Ajatollahs, jedoch nur von ihren Anhängern, als Marja-e taqlid bezeichnet, so z. B. Ruhollah Chomeini (Iran), Abu l-Qasim al-Khoei (Irak) oder Muhammad Hussein Fadlallah (Libanon).

Marja-e taqlid[Bearbeiten]

Bisher wurden als Marja-e taqlid von allen Schiiten anerkannt:

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Heinz Halm: Die Schiiten. Beck 2005. Seite 86
  2. iranicaonline: SHIʿITE DOCTRINE ii. Hierarchy in the Imamiyya abgerufen am 21. Dezember 2012
  3. seit 1850 Leiter der Hawza in Nadjaf, vergl.: iranicaonline: ANṢĀRĪ, SHAIKH MORTAŻĀ
  4. seit 1864 Leiter der Hawza in Nadjaf, vergl.: iranicaonline: ḤASAN ŠIRĀZI
  5. durch die gleichzeitige Übernahme der obersten Lehrtätigkeit der Hawza in Qom und dem Umstand, dass Borudscherdi zu dieser Zeit die höchste Reputation hatte. Vergl.: iranicaonline: Borudjerdi
  6. Heinz Halm: Die Schiiten, Beck 2005, Seite 84
  7. Nikki Keddi: Religion and Politics in Iran, Yale 1983, Seite 33 ff