Mark Lammert

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BLACK, 2004, Öl auf Holz

Mark Lammert (* 30. September 1960 in Berlin) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Grafiker und Bühnenbildner. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Leben[Bearbeiten]

1979–86 studierte Lammert Malerei an der Kunsthochschule Berlin und 1989–92 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste zu Berlin. 1993 schuf er seinen ersten Bühnenraum für Heiner Müllers Inszenierung „Duell-Traktor-Fatzer“ am Berliner Ensemble. In den darauffolgenden Jahren erhielt er Stipendien für Malerei der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin (1994), und der Stiftung Kunstfonds, Bonn (1996), dem er seit 1997 als Kuratoriumsmitglied verbunden war. 1997 folgte ein längerer Arbeitsaufenthalt in Lissabon. Im darauffolgenden Jahr, 1998, erhielt er den Grafikpreis der Kunstmesse Dresden und 1999 den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste. Er wurde 2000/2001 von der Académie Expérimentale des Théâtres nach Paris eingeladen und 2002 mit dem Eberhard-Roters-Stipendium für Malerei der Preußischen Seehandlung ausgezeichnet. 2003 verbrachte er als Artist in Residence des Couvent des Récollets, Paris, eine längere Zeit in Frankreich. Seit 2011 ist Lammert Professor für Malerei und Zeichnung an der Universität der Künste Berlin.

Werk[Bearbeiten]

KNOCHEN, 2007, Stift auf Papier

Lammert trat schon früh gleichermaßen mit Malerei und Zeichnungen an die Öffentlichkeit und war in zahlreichen Ausstellungen zur deutschen Kunst (u. a. „Deutschlandbilder“, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1997, und „Art of Two Germanys“, Los Angeles County Museum of Art, 2009) vertreten. Seine Arbeit ist durch ein konzeptionelles Verfahren bestimmt, in denen die Grenzen des Bildnerischen befragt werden. Das betrifft die frühen Porträts (Stephan Hermlin, 1987), die als bildnerische Proteste gegen die Geschichtslosigkeit beschrieben worden sind, wie die Serien in Malerei, Zeichnung und Grafik: angefangen von den frühen Gruppenbildern der Wartenden (1983–88) über die gefrorenen weißen Akte und Schlachtenbilder bis hin zu der Grafikfolge „Kinne“ (1993), die das Klischee Heiner Müller außer Kraft setzen.

In seiner großformatigen Bilderserie „Alliiert“, 1994–1995, die er mit Rottönen auf Rückseiten von Landkarten palimpsestartig aufträgt, wird zunehmend sein Prinzip der Reduktion von Fragmenten menschlicher Figuren deutlich. Er beginnt mit unterschiedlichen Arbeitsgründen zu experimentieren, Buchkassetten zu bearbeiten und feine Liniennetze als Quadratur über Zeichnungen auf grobes Papier zu legen. Seit 1998 hat er sich bewusst den kleinen Bildformaten zugewandt, die er zu Tableaus erweitert. In der Verknappung wird die Balance zwischen Fleischlichem und Skelett, Gerüst und Materie, Linie und Farbe aber auch zwischen Bild und polyvalenten Zeichen gehalten. Die Reduktion erfasst hier nicht nur die figürlichen Spuren des Körperlichen, sondern auch die Farbe der Hintergründe, auf denen die Farbflecke wie Verletzungen aufscheinen. „Armbrust“ (1997–1999), „Hüllen“ (1998–1999), „Brust-korb“ (1998–2000) und „Weiß“ (2001–2003) sind auf weiße und „Passion“ (2001–2002) und „Schwarz“ (2002–2004) auf nuancierte dunkle Hintergründe gesetzt. Zunehmend öffnen sich die Farbstimmungen („Floaters“, 2005–2009), wobei die Relationen von Grund und Bildelement verändert werden und sich wie bei den Schreibarbeiten in ihrer Zusammenstellung ins Ornamentale wenden.

Seite aus einem Arbeitsbuch, 2005

Daneben ist ein umfangreiches druckgrafisches Werk entstanden, bei dem z. T. alte lithografische Vorlagen collageartig in die Bildfindungen einbezogen werden. Seit den 80er-Jahren sammelt Lammert darüber hinaus sein Material in Arbeitsbüchern, die einen parallelen Arbeitsraum bilden und in der Medienreflexion den politischen Kontext vorführen, in dem sein Werk entsteht. Neben Collagen, Fotos und Zeichnungen, die oftmals Repräsentationstechniken des Gewaltsamen offenlegen, sind diese Bücher auch gefüllt mit schriftlichen Notaten und Exzerpten aus den unterschiedlichsten theoretischen Texten. Visuelles wird mit Verbalen verschränkt. In den „Risse“ betitelten Arbeiten (2004) wird das handschriftliche Kopierverfahren erstmals dazu verwendet, Bilder zu erschaffen, die gleichermaßen Text und Zeichnung sind und durch Aussparungen innerhalb der Textblöcke Formen und Figuren freigeben. Zunehmend werden diese Notate fragmentiert und kartographiert, so in den „Knochen“ (2006/07), in denen farbige, freischwimmende Felder in linearen Umrissen als Dokumente der farblich markierten Wachstumsstadien aus der tierkundlichen Sammlung des Musée Fragonard, Paris, mit Textauszügen konfrontiert werden.

Durch seine Zusammenarbeit mit Heiner Müller seit 1991 („Aus dem Totenhaus“, 1990; „Blockade“, 1991; Totenzeichnungen 1995) begann Lammert Bühnenräume zu schaffen, in denen er die Materialität seiner Malerei ins Räumliche überträgt. Die mitunter nur durch herunterfallende farbige Tücher (Germania 3, 1996) oder durch eine sich drehende Wand strukturierten Räume (Perser, 2006) werden zu Mitspielern und sind als Dramaturgiemaschinen bezeichnet worden.

Arbeiten (Auswahl)[Bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten]

Ausstellung im Centro Arte Moderna,“Fragment d’Espace”, Fundação Gulbenkian, Lissabon, 2005
  • 1991 und 1993, Galerie Rotunde, Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin (Katalog);
  • 1995 Kunsthalle Rostock (Katalog);
  • 1996 Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg (Katalog);
  • 1998 galerie refugium, Berlin;
  • 1999 Käthe Kollwitz Preis, Akademie der Künste, Berlin (Katalog);
  • 2000 Kunstkabinett am Goetheplatz, Stadtmuseum Weimar;
  • 2001 „Arbeitsbücher und Serien“, Kunstsammlung Neubrandenburg;
  • 2002 Kunstraum, Les Subsistances, Lyon;
  • 2004 „Risse“, fruehsorge – Galerie für Zeichnung, Berlin;
  • 2005 “Fragment d’Espace”, Centro de Arte Moderna, Fundção Calouste Gulbenkian, Lissabon (Katalog);
  • 2006 “Ausgewählte Zeichnungen“, Berlinische Galerie, Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Berlin (Katalog);
  • 2007 „One Stepp beyond“ (mit Greg Stone), fruehsorge – Galerie für Zeichnung, Berlin;
  • 2010 „beauty is booty", fruehsorge – Galerie für Zeichnung, Berlin;
  • 2010 „Malerei 1997-2010", Guardini Gallerie, Berlin

Gruppenausstellungen[Bearbeiten]

Ausstellung Notation, Berlin/Karlsruhe, 2008/2009

Bühnenräume[Bearbeiten]

  • 1993 für Heiner Müller, „Duell-Traktor-Fatzer“ (Müller/Brecht), Berliner Ensemble, Berlin;
  • 1995 für Heiner Müller, „Germania 3“ (Müller), Berliner Ensemble, Berlin;
  • 1995 für Josef Szeiler, „Philoktet“ (Müller), Berliner Ensemble, Berlin;
  • 1997 für Jean Jourdheuil, „Germania 3“ (Müller), Lissabon;
  • 2003 für Jean Jourdheuil, „La Finta giardiniera“ (Mozart), Staatsoper Stuttgart;
  • 2004 für Jean Jourdheuil, „Michel Foucault, chose dites, choses vues“, Festival d’Automne, Paris;
  • 2005 für Jean Jourdheuil „Idomeneo“ (Mozart), Staatsoper Stuttgart;
  • 2006 für Dimiter Gotscheff, „Die Perser“ (Aischylos/Müller), Deutsches Theater Berlin;
  • 2007 für Dimiter Gotscheff, „Die Hamletmaschine“ (Müller), Deutsches Theater, Berlin;
  • 2009 für Dimiter Gotscheff, „Die Perser“ (Aischylos), Epidauros/Griechenland;
  • 2009 für Dimiter Gotscheff, „Prometheus“ (Aischylos/Müller), Volksbühne, Berlin;
  • 2009 für Volker Schlöndorff, „Und das Licht scheint in der Finsternis“ (Tolstoi), Berlin/Moskau;
  • 2009 für Jean Jourdheuil, „Philoktet“ (Sophokles/Müller), Théâtre de la Ville, Paris;
  • 2009 für Dimiter Gotscheff, „Oedipus Tyrann“ (Sophokles/Hölderlin/Müller), Thalia Theater, Hamburg;
  • 2010 für Dimiter Gotscheff, „Die Chinesin" (Godard), Volksbühne, Berlin;
  • 2011 für Reinhild Hoffmann, „Exercices du silence", Staatsoper, Berlin;
  • 2011 für Dimiter Gotscheff, „Medeamaterial" (Müller), Deutsches Theater, Berlin

Öffentliche Sammlungen[Bearbeiten]

Preise (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Freitag: Kalte Anschauung. Der Maler Mark Lammert. In: Eckhart Gillen, Rainer Haarmann (Hrsg.): Kunst in der DDR, Köln 1990.
  • Heiner Müller: Aus dem Totenhaus, Edition Pariser Platz 4, Berlin 1991.
  • Jannis Kounellis, Mark Lammert, Heiner Müller: BLOCKADE/ICH HAB ZUR NACHT GESESSEN MIT GESPENSTERN, Berlin 1993.
  • Durs Grünbein: Müllers Kinn, Berlin 1994.
  • Anni Bradon: Schwebe-Zustand, Rostock 1995.
  • Heiner Müller, Mark Lammert: Drucksache Nr. 20. Berliner Ensemble, Arbeitsbuch zu Germania 3/Gespenster am Toten Mann, 1996.
  • Uwe Gellner: Körperräume. In: Mark Lammert. Malerei, Berlin/Magdeburg 1996.
  • Antje von Graevenitz: Rekonstruktion einer Szene. In: IfA. Stuttgart 1997.
  • Jean Jourdheuil: Der Raum des Theaters und der Raum im Theater, Dresden/Berlin 1998.
  • Matthias Flügge: Laudatio für Mark Lammert. In: Sinn und Form, Berlin 1999.
  • Michael Freitag: Die Uneigentlichkeit des Scheins. In: Warum, Ostfildern 2003.
  • Roland März: Diptychon imaginiaire. In: Humboldt, Heft 86, Bonn 2003.
  • Mirjam Schaub: Scriptoria. In: SCHRIFT BILDER DENKEN, Walter Benjamin und die Künstler der Gegenwart, Frankfurt am Main 2004.
  • Knut Ebeling, Carolin Meister: Arbeitsbücher/Workbooks (dt./engl.), Richter Verlag, Düsseldorf 2005.
  • Jorge Molder: Fragment d’espace. In: CMA, Lissabon 2005.
  • Ulrike Haß: Dramaturgiemaschinen. Zu den Bühnen Mark Lammerts. In: Theater der Zeit, 2008.
  • Amy Eshoo: 560 Broadway. A New Drawing Collecktion at Work, 1991–2006, 2008.
  • Reinhard Ermen: Mark Lammert. In: Kunstforum International, Bd. 196, Zeichnen zur Zeit, 2009.
  • Eckhart Gillen: Szenes from the theatre of the cold war of the arts. In: Art of Two Germanys., County Museum of Art, Los Angeles 2009.
  • Matthias Flügge, Bruno Duarte: Mark Lammert, Malerei 1997-2010 (dt./engl.), Richter Verlag, Düsseldorf 2011.
  • Juriaan Benschop: Mark Lammert. In: Artforum, März-Ausgabe, New York 2011.
  • Judith Elisabeth Weiss: Mark Lammerts Kinne und Haare. Zeichnerische Fragmente von Heiner Müller und Dimiter Gotscheff. In: Kunstforum international, Bd. 216, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]