Markiertheit

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Der Begriff der Markiertheit stammt von der Prager Schule aus den 1920er Jahren und bezog sich ursprünglich nur auf die Phonologie. Jedoch lässt sich das Konzept auf alle Teilbereiche der Linguistik ausweiten. Demnach ist ein bestimmtes Phänomen unmarkiert, wenn es natürlicher wirkt und simpler aufgebaut ist. Die unmarkierte Form wirkt als Grundform, von welcher andere Formen abgeleitet werden können. Diese anderen Formen werden dann als markiert bezeichnet. z. B.: der Begriff Student wurde lange Zeit als geschlechts-unspezifischer Begriff verwendet. Der Begriff Studentin ist in seinem Gebrauch von vornherein beschränkt auf Frauen. Das Verhältnis zwischen den beiden Begriffen könnte man als unmarkiert (Student) versus markiert (Student+in) bezeichnen. Dieses Verhältnis findet man in sämtlichen Feldern der Linguistik, z. B. könnte man den Begriff der Markiertheit auch auf Fallsysteme anwenden. Im Deutschen wäre demnach der Nominativ unmarkiert, währenddessen die anderen Fälle (Genitiv, Dativ und Akkusativ) markiert sind.

Seit den 1920er Jahren wird der Begriff auf einzelne Theorien der Sprachwissenschaft ausgeweitet, z. B.: auf die Transformationsgrammatik. Nach dieser Theorie basieren alle Sprachen auf der gleichen Universalgrammatik; nicht alle grammatischen Phänomene müssen aber in allen Sprachen notwendigerweise realisiert sein. Phänomene, die in einigen Sprachen vorkommen, aber in anderen nicht, nennt man markiert. Das geht von der Idee aus, dass sie in der Universalgrammatik unmarkiert sind.

In der Natürlichkeitstheorie ist Markiertheit der Gegenbegriff zu Natürlichkeit.

Ein markiertes Phänomen vieler heute in Europa gesprochener Sprachen (mit Ausnahme des Finnischen sowie der meisten slawischen Sprachen) ist beispielsweise der Artikel; ein markiertes Phänomen vieler asiatischer Sprachen ist der Numeralklassifikator.

Eines der großen Probleme für Übersetzer und insbesondere für die Maschinelle Übersetzung ist, in eine Sprache, die ein markiertes Phänomen hat, hineinzuübersetzen aus einer Sprache, die dieses Phänomen nicht hat. Nomen im Finnischen oder Japanischen haben zum Beispiel keine Artikel: Wie kann man bei Übersetzung ins Deutsche entscheiden, ob ein, und wenn ja, welcher Artikel (bestimmt oder unbestimmt) gebraucht wird?

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Markiertheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen