Markttor von Milet

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Markttor von Milet
Das Markttor von Milet während der Restaurierung, Anfang 2007

Das Markttor von Milet ist ein römischer Torbau aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. aus der kleinasiatischen Stadt Milet.[1] Die Fassade des Tores gehört heute zur Antikensammlung Berlin und wird im Pergamonmuseum ausgestellt.

Das Markttor von Milet ist ein prunkvoller Fassadenbau. Das Tor mit drei Durchgängen wurde nach aktuellen Erkenntnissen in den 20er Jahren des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtet.[2] Es vereint in sich griechische Elemente wie das Bogentor und das Säulenpropylon, römische Elemente wie die Bühnenfassade und setzt hellenistische Bautraditionen fort. Das Tor war Teil eines Ensembles repräsentativer Bauten der südlichen Agora, zu dem auch das Delphinion, eine breite Prachtstraße, ein Gymnasion, ein prunkvolles Nymphäum und ein Buleuterion (Rathaus) gehörten. Der zweigeschossige Bau war wahrscheinlich mit vielen Skulpturen besetzt. Möglicher Grund der Errichtung war ein Besuch des Kaisers Hadrian im Jahr 129 in der Stadt. Aus einer Inschrift ist bekannt, dass auch ein reicher Bürger der Stadt finanzielle Mittel beigesteuert hat.[3] Während der Regierungszeit des Kaisers Justinian I. wurde das Tor laut einer Inschrift, die heute ebenfalls im Pergamonmuseum ausgestellt wird, im Jahr 538 nochmals erneuert. Bis vor kurzem nahm man an, damals sei das Tor Teil einer neuen Stadtmauer geworden, die nur noch einen Bruchteil des einstigen Stadtareals umfasste. Inzwischen geht man aber davon aus, dass diese Befestigung erst im 7. Jahrhundert errichtet wurde, als Milet unter Seuchen und Kriegen schwer gelitten hatte und - ebenso wie viele andere Orte in Kleinasien - nun befestigt wurde, um sich gegen die Araber verteidigen zu können. Teil des Mauerringes wurde auch das Tor, wobei die beiden seitlichen Durchgänge versperrt wurden. Im Mittelalter wurde das Tor dann zerstört.

Im 19. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Erforschung Milets. Von 1899 bis 1913 fanden umfangreiche deutsche Grabungen statt. 1903 fanden Theodor Wiegand und Hubert Knackfuß dabei die Bauteile des Tores, die mit Genehmigung der türkischen Behörden nach Berlin überführt werden konnten. Im Pergamonmuseum wurde der Bau unter Verwendung vieler Originalteile rekonstruiert. Während des Zweiten Weltkrieges blieb das Tor im Museum und sollte durch Ummauerung geschützt werden, diese Schutzmaßnahmen waren jedoch unzureichend. Durch Bombentreffer wurde das Tor stark beschädigt. Bis 1954 wurde das Tor notdürftig und nicht immer fachgerecht restauriert. Von 2007 bis 2008 wurde das Tor erneut restauriert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Kästner, Sigrid Weise: Das Markttor von Milet. Berlin 1992 (Museumsführungsblatt ANT 3).
  • Max Kunze: Markttor von Milet. In: Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz. Antikensammlung (Hrsg.): Die Antikensammlung im Pergamonmuseum und in Charlottenburg. Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1187-7, S. 76f.
  • Philipp Niewöhner: Milet in frühbyzantinischer Zeit. In: Ortwin Dally u. a. (Hrsg.): Zeiträume. Milet in Kaiserzeit und Spätantike. Schnell + Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2235-6, S. 60-67.
  • Volker Michael Strocka: Das Markttor von Milet. de Gruyter, Berlin 1981, ISBN 3-11-008747-2 (Winckelmannprogramm der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin 128).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursprünglicher Standort: 37° 31′ 44″ N, 27° 16′ 42″ O37.52888888888927.278333333333.
  2. Volker Michael Strocka, Das Markttor von Milet, Berlin 1981, hat wahrscheinlich gemacht, dass das Tor nicht, wie früher angenommen, erst zur Zeit Mark Aurels erbaut wurde.
  3. Milet 1, 7, 261.

52.52083333333313.396388888889Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 23′ 47″ O