Maroilles (Nord)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Maroilles in Frankreich. Für weitere Bedeutungen siehe Maroilles (Käse)
Maroilles
Wappen von Maroilles
Maroilles (Frankreich)
Maroilles
Region Nord-Pas-de-Calais
Département Nord
Arrondissement Avesnes-sur-Helpe
Kanton Landrecies
Gemeindeverband Communauté de communes du Pays de Mormal et Maroilles.
Koordinaten 50° 8′ N, 3° 46′ O50.13583333333.76166666667151Koordinaten: 50° 8′ N, 3° 46′ O
Höhe 125–191 m
Fläche 22,13 km²
Einwohner 1.442 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 65 Einw./km²
Postleitzahl 59550
INSEE-Code

Die Wassermühle am Flüsschen Helpe Mineure
.

Maroilles (ndl.: "Marolle"[2]) ist eine französische Gemeinde mit 1442 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Nord in der Region Nord-Pas-de-Calais.

Sie hat ihren Namen auch dem weithin bekannten Käse Maroilles verliehen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Dorf Maroilles befindet sich im Regionalen Naturpark Avesnois, d.h. es grenzt an das Département Aisne, wo die Grenze zur Thiérache innerhalb weniger Kilometer vorbeiführt.
Vor den Eroberungen Ludwigs XIV. verlief zwischen den heutigen Départements die Grenze des alten Frankreich (Ancienne France). Dies erklärt trotz der Ähnlichkeiten zwischen Thiérache und Aisne einerseits und Nord andererseits, dass die Einheit dieser Region bis in die Gegenwart Anlass zu Diskussionen gibt. Durch Maroilles fließt die Helpe Mineure, die bei Ohain im Forst von Trèlon entspringt und weiter südlich in die Sambre mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An die Gemeinde Maroilles grenzen im Norden keine Orte, im Nordosten Noyelles-sur-Sambre, im Osten Taisnières-en-Thiérache, im Südosten Grand-Fayt, im Süden Prisches, im Südwesten Le Favril, im Westen Landrecies und im Nordwesten Locquignol an.

Geschichte[Bearbeiten]

  • 652 : Alten Chroniken zufolge gründete der fränkische Mönch St. Humbert von Maroilles[3], ein Freund von Aldegundis, im Jahr 652 eine der bedeutendsten Abteien des Nordens (sie wurde im Laufe der französischen Revolution geplündert und zerstört)
  • 843 : Der Vertrag von Verdun, in dem das Karolingerreich unter den drei Enkeln Karls des Großen aufgeteilt wurde, sprach Lothar I. das "Mittelreich", einschließlich Dorf und Abtei als Teil der Grafschaft Hainaut zu.
  • 855 : Mit der Prümer Teilung, die das Mittelreich unter den drei Söhnen Lothars aufteilte, wurde die Grafschaft Hainaut Lotharingen angegliedert und an Lothar II. vererbt.
  • 870 : Nach dem Tod Lothars II. wurde aufgrund des Vertrages von Meerssen fiel ein Teil Lotharingens, darunter die Grafschaft Hainaut, an das Westfrankenreich.
  • 880 : Infolge des Vertrags von Ribemont wurde Hainaut Teil des Ostfrankenreiches, aus dem 962 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation entstand.
  • In dieser Randregion hat die bäuerliche Bevölkerung seit dem hohen Mittelalter nur sehr zögerlich Anschluss an die allgemeine Entwicklung des Landes erhalten. (Der Hauptteil des Dorfes schien sich noch in den 40er Jahren fast im Forst von Mormal förmlich zu verstecken.[4]) Hier war man von manch traditionellen Dienstbarkeiten gegenüber den Feudalherren befreit, konnte sein eigenes Land bestellen, Vieh halten und die obligatorische Fruchtfolge außer Acht lassen: so entstand mit der Zeit die typische „Bocage“-Landschaft des Avesnois, charakterisiert durch hohe Hecken, die potenzielle Eindringlinge abhielten.
  • In den lokalen Archiven wird von wiederholten Streitigkeiten mit der Abtei von Maroilles berichtet, die im Laufe der Revolution zerstört wurde: die Bauern weigerten sich, ihre Fronarbeit zu entrichten, wenn der „hohe Herr“ – der Abt von Aroilles - nicht zuvor seine Wege instand setzen würde. Weder Mühle und Backofen noch die pflichtgemäße Dreifelderwirtschaft existierten damals.
  • Diese lokalen Besonderheiten der Region treten besonders deutlich hervor, wenn man Maroilles in Richtung Cambrai verlässt: eine dicht begrünte Bocagelandschaft wechselt sich ziemlich abrupt mit den Viehweiden und den intensiv genutzten Ackerbauflächen des Cambrésis ab.
  • 1907 : Am 28. Oktober 1907 wurde die Eisenbahnlinie Avesnes-sur-HelpeSolesmes (via Landrecies; 47 km) eröffnet. Mit einer Station in Maroilles wurde ein regelmäßiger Reisedienst eingerichtet. Im August 1914 wurde der Reiseverkehr unterbrochen. Während der deutschen Besatzung im Jahre 1916 wurden die Schienen demontiert. Der Betrieb konnte nicht wieder aufgenommen werden.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts existierte Maroelles (z.B. im Atlas de Trudaine).

Heraldik[Bearbeiten]

Blason ville fr Maroilles (Nord).svg

Das Wappen von Maroilles ist folgendermaßen heraldisch gestaltet: "Rot durchwirkter Hirsch über einem goldenen Bischofsstab auf silbernem Untergrund."

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Louis Boëz, französischer Mediziner und Bakteriologe, geboren in Maroilles am 8. Februar 1888

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maroilles, Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Populations légales 2009 de la commune : Maroilles (Nord) sur le site de l'Insee
  2. De Nederlanden in Frankrijk, Jozef van Overstraeten, 1969
  3. St. Humbert - Saints & Angels - Catholic Online
  4. Vergleiche z.B. Atlas de Trudaine