Marokkanischer Wall

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Dieser Artikel behandelt eine marokkanische Befestigungsanlage. Die Marokkanische Mauer ist der Titel eines Buches von Otto Graf
Der befestigte Sandwall (gepunktete Linie) verläuft quer durch die Westsahara
Allein die gelbe, außerhalb des „Marokkanischen Walls“ liegende „Freie Zone“ befindet sich nicht unter marokkanischer Kontrolle

Berm ist der aus dem Arabischen stammende Eigenname für den marokkanischen Sandwall in der Westsahara, der den von Marokko verwalteten und kontrollierten Teil des Gebietes von der sogenannten Freien Zone trennt, die weitgehend von den Polisario-Rebellen bzw. der Regierung der international nicht anerkannten Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) kontrolliert wird.

Die Befestigungslinie soll das Einsickern von Rebellen in die marokkanischen Südprovinzen verhindern und ähnelt in dieser militärisch-politischen Funktion der Morice-Linie (Ligne Morice) des französischen Algerienkrieges. Von der Frente Polisario wird der das Land teilende Wall auch als „Mauer der Schande“, in Marokko umgangssprachlich „Hassans Wall“ (nach dem früheren König Hassan II.) genannt.

Der 2500 bis 2700 Kilometer lange Wall reicht von der marokkanisch-mauretanischen Küstengrenze im Südwesten bis zum marokkanisch-(saharisch)-algerisch-mauretanischen Dreiländereck im Nordosten des umstrittenen Gebietes. Nördlich anschließend setzt sich der Wall noch einige Hundert Kilometer entlang der marokkanisch-algerischen Grenze fort.

Der Wall ist ein etwa drei Meter hoher, zumeist durch Landminen und Stacheldraht gesicherter Sandwall, nur stellenweise besteht er aus einer Mauer oder Geröll. Teilweise dient Bergland als natürliches Hindernis, stellenweise (besonders in den südlichen Gebieten) wird der Wall aber auch von großen, deutlich höheren Wanderdünen überlagert und erodiert. Im Abstand einiger Kilometer (zumeist 1–3 km) sind jeweils kleine Gruppen von marokkanischen Wachsoldaten in ovalen bis willkürlich gestalteten Lagern stationiert. Etwa alle 10–15 km befinden sich größere Hauptlager.

In mehreren Bauphasen und militärisch-politischen Entscheidungsstufen wurden seit 1982 immer weitere Gebiete durch den Wall eingeschlossen, bei al-Hawza (Provinz Es Semara) gab es zwischenzeitlich eine kleine Lücke. El Aaiún und die meisten Städte bzw. Ortschaften liegen in der marokkanischen Zone, wo über 90 % der fast 400.000 Einwohner der Region leben. Dennoch betrachtet Marokko auch die außerhalb des Walls liegenden und kaum besiedelten Wüstengebiete der „Freien Zone“ (30.000 Einwohner) als sein Territorium und den Wall somit als innermarokkanische Sicherheitslinie, also als eine Demarkationslinie. Die DARS beansprucht ebenfalls das gesamte Gebiet der Westsahara, die Zukunft des durch den Wall geteilten Gebietes hängt weiterhin von einer Einigung der Konfliktparteien unter UNO-Vermittlung ab.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marokkanischer Wall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien