Marsch-Araber

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Gästehaus der Ma'dan: mudhif, aus Schilfrohr gefertigtes Tonnendach
Eine Ma'dan unterwegs
Blick in ein normales mudhif 1990

Die Marsch-Araber, auch Ma'dan genannt, sind eine irakische beduinische Bevölkerungsgruppe.

Kultur[Bearbeiten]

Marsch-Araber bewohnen die Marschen und Sümpfe im Süden des Iraks, das Gebiet um den Schatt al-Arab, den Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, südlich der Stadt Amara und östlich von Nasiriyya. Das (einst) fruchtbare Land wird häufig auch als "Garten Eden" bezeichnet. Ihre Lebensgrundlage ist der Fischfang, den sie mit Schilf- oder Holzbooten betreiben und auch Reis- bzw. Melonenanbau. Ihre Häuser bauen sie ebenfalls aus Schilf.

Der Sohn eines britischen Kolonialbeamten und Buchautor Wilfred Thesiger hatte die Ma'dan am eindrücklichsten beschrieben, als er in den 50er Jahren einige Zeit dort lebte.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Unter Saddam Husseins Regime wurden die Marsch-Araber und ihre Kultur unterdrückt und verfolgt. Ein Grund dafür ist, dass die meisten von ihnen Anhänger der schiitischen Richtung des Islam sind. Ein anderer Grund ist, dass sie zahlreiche Traditionen aufrechterhalten, die von der Baath-Partei als irrational und veraltet angesehen wurden. Zu diesen Riten gehören zum Beispiel die schiitischen Trauerfeiern mit Selbstgeißelung an den Tagen Tasua, Aschura und im Trauermonat Muharram.

Marsch-Araber in einem traditionellen Boot aus Holzplanken (mashuf)

Während des 1. Golfkriegs gegen den Iran wurden sie vom Regime Saddam Husseins als Kämpfer zur "Befreiung" Arabistans umworben. Nach der Niederlage des Iraks im 2. Golfkrieg erhoben sich die Marsch-Araber 1991 gegen Saddam Hussein und rechneten dabei mit militärischer Unterstützung von den Amerikanern. Diese zogen sich jedoch aus dem Irak zurück, so dass regimetreue irakische Truppen den Aufstand brutal niederschlagen konnten.

Nach und nach wurden Sümpfe und Flussarme der Siedlungsgebiete der Marsch-Araber systematisch ausgetrocknet. Von den ursprünglich 500.000 Bewohnern des Marschlandes leben nach unterschiedlichen Schätzungen nur noch 20.000−50.000. Der Rest wurde entweder hingerichtet oder vertrieben. Teile der Flora und Fauna des Gebietes wurden zerstört, der Sturz Saddam Husseins 2003 stellte für die Marsch-Araber eine große Erlösung dar. Um die ausgetrockneten Gebiete wieder zu fluten, werden Dämme im Süden des Iraks eingerissen, es gibt große Bestrebungen, die alten Traditionen wiedererwachen zu lassen.

Literatur[Bearbeiten]

Filme und Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Iraks Garten Eden - Der Sumpf der Hoffnung (Dokumentation, Großbritannien 2010)

Weblinks[Bearbeiten]

  • Haur al-Hammar, das Sumpfgebiet im Süden des Irak mit Bildern auf den folgenden Seiten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Iraq. Pitt Rivers Museum Fotos von Wilfried Thesiger