Kampfstiefel

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Aktueller Standardstiefel der Bundeswehr 2007 DMS

Kampfstiefel sind schwere Lederstiefel für Soldaten, die zum Feldanzug, aber auch zum „Großen Dienstanzug“ getragen werden.

Es handelt sich dabei um sehr robuste und weitgehend wasserdichte Lederstiefel mit einer tiefen Profilstruktur und einer schweren rutschfesten Sohle.

Vorgänger waren die sogenannten Knobelbecher, deren offizielle Bezeichnung auch Kampfstiefel war. Die Infanterie, insbesondere die Gebirgstruppe, verwendet andere Stiefel.

Es handelt sich hierbei um Berufsschuhe, zum Teil auch um Sicherheitsschuhe.

Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Marschstiefel M1866 in der geschwärzten Ausführung ab 1915
Seestiefel der Deutschen Marine, letztes Modell
Sohle eines Seestiefels der Deutschen Marine
Seestiefel der Deutschen Marine, Frontalansicht

Die so genannten "Knobelbecher" wurden 1866 in die preußische Armee eingeführt. Im Ersten Weltkrieg waren sie fester Bestandteil der Heere Deutschlands und Russlands. Dort gehören sie bis heute unverändert zur Ausrüstung des Soldaten. Schon 1939 wurde in der Wehrmacht eine gekürzte Version eingeführt, um Leder zu sparen. Diese reichten bis etwa 30 cm über den Knöchel und waren aus schwarzem Leder. Knobelbecher haben keine Verschnürung. Noch während des Zweiten Weltkriegs trug man häufig Fußlappen („Fußlappenindianer“) an Stelle von Socken. Ein Fußlappen war ein Stück Tuch, das um den Fuß geschlagen und sehr sorgfältig gefaltet wurde, um Wundlaufen beim Marschieren zu vermeiden.

In der ursprünglichen Form besaßen Knobelbecher eine Ledersohle, die mit Nägeln und einem Absatzeisen ('Hufeisen') gegen Abnutzung geschützt war. Ledersohlen sind hautfreundlicher (vergleiche Hautpilz), weil durch Transpiration freigesetzte Feuchtigkeit besser abgeführt wird. Das Metall führte aber zu Geräuschen beim Laufen und somit zu einem Nachteil beim Straßen- oder Häuserkampf. Bei starker Kälte zeigte sich, dass die Nägel die Wärme im Stiefelinneren schnell nach außen leiteten, was das Auskühlen der Füße beschleunigte und so Erfrierungen an den Füßen zur Folge haben konnte. Daher verwendeten die Soldaten der Wehrmacht oftmals erbeutete wintertauglichere Filzstiefel der Roten Armee.

Entwicklungen nach Kriegsende[Bearbeiten]

Nach 1945 kamen sie in der DDR bei der NVA und in den ersten Jahrzehnten beim Bundesgrenzschutz (BGS; ab 1951) der Bundesrepublik Deutschland, in der Bundeswehr (ab 1955) und beim Katastrophenschutz zum Einsatz. Im BGS wurde ab 1951 die gekürzte Kriegsvariante eingesetzt. Statt Nagel- wurden nun Gummisohlen verwendet, auf denen Stahlkappen befestigt wurden.

Die in den ersten Jahrzehnten bei der Bundeswehr eingeführten Knobelbecher lösten einen knöchelhohen Schnürstiefel ab, an den eine kurze Ledergamasche angearbeitet war. Dieses Schuhwerk hatte sich nicht bewährt. Der dann eingeführte Knobelbecher verfügte, entgegen dem Modell der Wehrmacht, über eine Schnalle zum Verengen des Schaftes und über langlebige Hartgummisohlen mit einem Rillenprofil, die auf die ledernen Sohlen aufgeklebt und aufgenäht waren. Die Form war geringfügig anders als die der Wehrmacht, Eisenteile kamen an diesem Schuh nicht mehr vor (außer der Schnalle am Schaft und den sogenannten Stoßeisen an der Stiefelspitze), man hatte aus den Erfahrungen des Krieges gelernt. Dieses bewährte Schuhwerk wurde nach und nach von der Bundeswehr durch den geschnürten Kampfstiefel ersetzt. Die letzten Knobelbecher wurden Anfang der 1990er Jahre an die Truppe ausgegeben. Heute verwendet lediglich noch die Deutsche Marine einen vom Schnitt her identischen Stiefel, der zwiegenäht und mit einer Hartgummiprofilsohle versehen ist. Allerdings wird auch dieser Stiefel nunmehr durch ein neueres Modell ersetzt.

Heute werden die ursprünglichen Stiefel nur noch vom Wachbataillon in einer eleganteren Ausführung, sowie von den verschiedenen Musikkorps getragen. Bei den Stiefeln des Wachbataillons handelt es sich um die ehemaligen Offiziersknobelbecher, die mit einem Absatzeisen ausgestattet sind. In der restlichen Truppe trifft man nur noch selten auf den Stiefel. Wenn, dann wird er meist von älteren Soldaten mit einem höheren Dienstgrad noch gerne getragen. Der Grund hierfür ist, dass manche Personen die Schnürstiefel (die den gesamten Fuß gleichmäßig mehr oder weniger eng umschließen müssen) als einengend empfinden; die Wahl zwischen Schnür- und Schaftstiefeln bleibt letztlich eine subjektive. Nur noch wenige private Firmen fertigen in der Bundesrepublik auf Wunsch diesen bewährten Stiefel in der originalen Form mit identischen Materialien.

Als Nachfolger des Knobelbechers führte die Bundeswehr einen braunen Schnürstiefel ein, der zum Teil noch mit der „gerillten“ Laufsohle der Knobelbecher versehen war. Dieser Schuh war zwiegenäht und an der Ferse und Kappe verstärkt. Eine spätere Ausführung dieses Stiefels erhielt dann schon die Profilsohle, die in Fachkreisen als „Oberfeldwebelsohle“ bekannt ist, da sie im Absatz einen Doppelwinkel hat, der wie der Doppelwinkel auf den Schulterklappen eines Oberfeldwebels aussieht. Diese Stiefel verfügten an der Ferse über einen zusätzlichen „Lederabnäher“ zur Verstärkung. Es war verboten, diese Schuhe mit etwas anderem als der dienstlich gelieferten braunen Schuhcreme zu behandeln. Später mussten diese Stiefel mit schwarzer Schuhcreme umgefärbt werden, da die braunen Stiefel nicht zum schwarzen Koppel des großen Dienstanzuges passten. Die Bundeswehrführung hatte entschieden, diesen Kampfstiefel, nunmehr in schwarzer Farbe, einzuführen. Von da ab gab es in der Bundeswehr nur noch schwarze Kampfstiefel. Bezeichnenderweise konnte er noch besohlt werden, was bei dem heutigen Modell nicht mehr möglich ist.

Beim zweiten Modell wurde der Kampfstiefel mit Lederinnenfutter versehen.

Ungefähr Mitte der achtziger Jahre wurde dieser Stiefel geringfügig verändert. Er wurde innen mit einer zusätzlichen Lederfütterung ergänzt, was den Tragekomfort für die Soldaten erhöhte. Zusätzlich konnte man in Höhe des Spanns die Schnürsenkel mittels einer speziell geformten Schnüröse aushängen. Das ermöglichte ein schnelleres An- und Ausziehen. Die bewährte Profilsohle wurde beibehalten.

Anfang der 1990er Jahre wurde ein komplett neu gestalteter Kampfstiefel eingeführt; jedoch war das erste Modell ohne Schnellschnüröse und ohne Lederschlaufe zum leichteren An- und Ausziehen. Man hatte die bisher gesammelten Erfahrungen nicht berücksichtigt. Inzwischen jedoch wurde dies nachgeholt, auch die neuen Kampfstiefel verfügen jetzt über Lederschlaufen und Schnellschnürösen.

Kampfstiefel Modell 2000[Bearbeiten]

Die Version der Kampfstiefel Modell 2000 ist aus Rindleder, durchgehend bis ganz oben hin (leder)gefüttert und besitzt zwei Kunststoffkappen (ähnlich wie Stahlkappen, jedoch trägt Kunststoff im Unterschied zu Stahlkappen nicht zum Auskühlen der Zehen bei), um Fersen und Zehen zu schützen. Des Weiteren sind die Stiefelsohlen sowohl öl- als auch benzinfest sowie antistatisch. Die Sohle ist vernäht und die Naht abgedichtet. Ferner zeichnet sich die Sohle durch eine dämpfende Mittelschicht aus. Für zusätzliche Dichtigkeit im Bereich der Schnürung ist die Lasche bis beinahe ganz oben hin zu beiden Seiten mit dem Schaft verbunden. Außerdem sind die heutigen Bundeswehr-Kampfstiefel mit einer Fersenbeuge ausgestattet.

Der Standardstiefel 2007 DMS[Bearbeiten]

Kampfstiefel der Bundeswehr

Das Modell 2000 wurde 2007 von einer verbesserten Version des Kampfschuhs abgelöst (Kampfschuh, Männer, direktangespritzte Sohle). Neben äußerlichen Veränderungen wie einer Anziehschlaufe wurde insbesondere der Aufbau der Sohle verändert. Diese ist nun direkt am Schaft angespritzt. Die bisherige Klebstoffschwachstelle entfällt bei diesem Modell. Der Schuh hat eine Anziehschlaufe und eine gepolsterte Abschlussbordüre. Er besteht aus kombiniert gegerbtem, genarbtem, vollnarbigem, durchhydrophobiertem, unzugerichtetem Waterproofleder.

Sondermodelle[Bearbeiten]

Kampfstiefel der Bw für tropischen Einsatz

Das Wachbataillon der Bundeswehr trägt bei Paraden keine Kampfstiefel, sondern wie bereits geschrieben, Knobelbecher. Die Soldaten der Gebirgsjäger-, die Fallschirmjägertruppe sowie zum Teil fliegendes Personal tragen meistens spezielle Ausführungen bzw. gar keine Kampfstiefel. Die Gebirgsjägertruppe trägt bundeswehreinheitlich (leichte) Bergstiefel mit einem gezackten Sohlenprofil. Bei der Marine sind die den Knobelbechern ähnlichen Seestiefel gebräuchlich.

Inzwischen gibt es bei der Bundeswehr, bedingt durch die Einsätze in verschiedenen Klimazonen, auch entsprechende Kampfstiefel für diese Regionen. Für den Einsatz im südlichen Europa gibt es den Kampfstiefel „Tropen“. Dieser ist etwas leichter als der üblicherweise bei der Bundeswehr verwendete Stiefel. An den Seiten des Schaftes ist er jeweils mit einem reißfesten und belastbaren Textilmaterial versehen. Die Sohle ist auch eine Profilsohle, jedoch anders gestaltet als die des Standardstiefels.

Besitz nach Beendigung der Dienstzeit[Bearbeiten]

Die Kampfstiefel gehören bei Ausscheiden aus der Bundeswehr zur Friedenszusatzausstattung. Sie bleiben nach dem Ende der Dienstzeit bei dem Soldaten, der dann dafür verantwortlich ist, und gehen nach drei Jahren in sein Eigentum über, soweit er nicht weiterhin als Reservist auf einen Dienstposten beordert ist.

Österreich[Bearbeiten]

Das österreichische Bundesheer bezeichnet die reguläre Militärausführung als Feldschuh. Zur k.u.k-Zeit wurden österreichische Soldaten von den Deutschen als „Kamerad Schnürschuh“ bezeichnet.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweizer Armee ist die Grundausrüstung der Kampfstiefel 90.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990. ISBN 3-924753-28-8.
  • Laurent Mirouze: Infanteristen des Zweiten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf. ISBN 3-924753-27-X.
  • Hans-Jürgen Schmidt: Wir tragen den Adler des Bundes am Rock. Band 1, Chronik des Bundesgrenzschutzes 1951-1971. Fiedler-Verlag, Coburg 1995. ISBN 3-923434-17-0.
  • Ricardo Recio Cardona, Antonio Gonzales Sanchez: Deutsche Herresuniformen und Ausrüstung 1933-1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-02476-4.