Martha Fontane

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Martha Fontane mit ihrem Vater

Martha Fontane (* 21. März 1860 in Berlin; † 10. Januar 1917 in Waren (Müritz), genannt Mete) war die einzige Tochter des Schriftstellers Theodor Fontane. Sie gilt als Urbild mehrerer seiner Romanfiguren.

Leben[Bearbeiten]

Martha war nach George (* 1851) und Theodor (* 1856) das dritte überlebende Kind der Eheleute Theodor und Emilie Fontane – 1864 folgte noch der jüngste Sohn Friedrich. Drei weitere Brüder Marthas starben bereits kurz nach ihrer Geburt. Martha gilt als Lieblingskind des Schriftstellers, der sich immer eine Tochter gewünscht hatte. Zehnjährig wurde sie für ein Jahr nach England gebracht, wo sie bei der befreundeten Familie Merington lebte und die Landessprache lernte. Aus dieser Zeit sind die ersten Teile eines ausgiebigen Briefwechsels mit den Eltern, insbesondere mit dem Vater, erhalten.

Nach der Rückkehr aus England absolvierte sie bis 1876 die höhere Mädchenschule in Berlin und zog dann als „Haustochter“ zu der Familie Stockhausen. Haustochter zu sein war die Voraussetzung für die Zulassung zum staatlichen Lehrerinnenseminar in Berlin. Dort ausgebildet zur Lehrerin für Volks-, mittlere und höhere Schulen, arbeitete Martha Fontane in den Jahren 1880/81 als Erzieherin und Hauslehrerin der Kinder der Familie von Mandel im neumärkischen Klein Dammer. In dieser Zeit fand ein lebhafter Briefwechsel mit den Eltern statt, der großenteils erhalten blieb. Martha ging mit Elan insbesondere an die Ausbildung ihrer Schützlinge Ella und Sofie von Mandel heran, litt aber trotz aller Bemühungen ihrer Dienstherren unter dem gesellschaftlich eher gering bewerteten Dasein als Gouvernante in einem ländlichen Haushalt, welches auch im Missverhältnis zu ihrem für die damalige Zeit relativ hohen Ausbildungsgrad stand. Zudem fehlte der Glanz, den das Leben an der Seite ihres prominenten Vaters auf sie abstrahlte, denn durch die Nähe zu ihm hatte sie schon früh Kontakt mit Personen wie dem Maler Adolph Menzel oder dem Schriftsteller Paul Heyse.

Bald machten sich diffuse Leiden bei ihr bemerkbar, die sie schließlich dazu veranlassten, als „Luxusartikel“, wie sie sich selbst dem Vater gegenüber bezeichnete, ins Elternhaus zurückzukehren. Allerdings lebte sie in den nächsten Jahren nicht ständig mit ihren Eltern zusammen, sondern verbrachte viel Zeit mit Kuraufenthalten und – besonders, nachdem sich ihre Vermögenslage durch Erbschaften gebessert hatte, – auf Reisen. Zentrum ihres Daseins blieb aber dennoch die elterliche Wohnung, bis sie nach dem Tod ihres Vaters 1899 den zweifachen Witwer Karl Emil Otto Fritsch heiratete und nach Waren in Mecklenburg zog. Dort starb sie 1917 nach einem Sturz aus dem Fenster – möglicherweise ein Freitod aufgrund von Depressionen.

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Martha Fontane ist nicht nur als einfallsreiche und schreibfreudige Briefpartnerin und Inspirationsquelle ihres Vaters bekannt – 270 Briefe aus dieser Korrespondenz sind bekannt und veröffentlicht –, sondern diente ihm auch als Vorbild für die Charakterisierung vieler seiner Frauenfiguren wie etwa die Korinna in Frau Jenny Treibel, die Grete Minde in seiner gleichnamigen Novelle, natürlich Effi Briest oder die Melusine in Der Stechlin – Frauen, die, bis zu einem gewissen Grade emanzipiert, die Kunst der gefälligen Konversation mit einer scharfen Beobachtung ihrer Umwelt und einem beweglichen Geist verbinden, es dabei aber nicht an Charme fehlen lassen.

Martha Fontane las Entwürfe und Publikationen ihres Vaters, lobte, kritisierte und fungierte nicht zuletzt auch als Herausgeberin des Buches Von Toulouse bis Beeskow, den Lebenserinnerungen ihres Urgroßvaters Jean Pierre Barthélemy Rouanet. Als Mitverwalterin des literarischen Nachlasses ihres Vaters trat sie nicht häufig in Erscheinung, blockierte oder beeinträchtigte aber häufig Veröffentlichungen, um die sich ihr Bruder Friedrich bemühte.

Textausgaben[Bearbeiten]

  • Edgar R. Rosen (Hrsg.): Mete Fontane. Briefe an die Eltern 1880 bis 1882. Ullstein, Frankfurt a.M. - Berlin - Wien 1974, ISBN 3-548-04602-9
  • Gotthard Erler (Hrsg.): Meine liebe Mete. Ein Briefgespräch zwischen Eltern und Tochter. Aufbau, Berlin 2001, ISBN 3-7466-5288-X
  • Regina Dieterle (Hrsg.): Theodor Fontane und Martha Fontane. Ein Familienbriefnetz. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-015881-7

Literatur[Bearbeiten]

  • Marianne Goch: Meta Fontane (1860-1917). ‚Danebenstehen vund sich den Mund wischen …‘. In: Luise F. Pusch (Hrsg_): Töchter berühmter Männer. Neun biographische Portraits. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1988
  • Regina Dieterle: Die Tochter. Das Leben der Martha Fontane. Hanser, München 2006, ISBN 3-446-20774-0

Weblinks[Bearbeiten]