Martha Gellhorn

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Martha Gellhorn mit Ernest Hemingway, umringt von chinesischen Soldaten (1941)

Martha Gellhorn (* 8. November 1908 in St. Louis; † 15. Februar 1998 in London) war eine US-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin. Sie wurde insbesondere durch ihre im Laufe von mehr als 50 Jahren entstandenen Kriegsreportagen bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Martha Gellhorn wurde als Tochter eines bekannten Arztes und einer sozial engagierten Mutter geboren, die mit Eleanor Roosevelt befreundet war. Schon in jungen Jahren war sie privat zu Besuch im Weißen Haus.[1] Gellhorn lernte Europa bereits als Schülerin auf mehreren Reisen kennen. 1929 begab sie sich nach Paris und begann für United Press und Vogue zu schreiben.[2] In den 1930er Jahren bereiste sie die Vereinigten Staaten in Regierungsauftrag, um über das Schicksal der Arbeitslosen zu berichten. Sie berichtete 1931 auch von einem Lynchmord im US-Bundesstaat Mississippi. In der Folge veröffentlichte sie das Buch The Trouble I've Seen (1936).

1936 besuchte sie Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus, ohne sich von den Olympischen Spielen blenden zu lassen. Sie arbeitete als Kriegsberichterstatterin für Collier’s im Spanischen Bürgerkrieg und berichtete 1938 vom Fall der Tschechoslowakei. Auch hier entstand später ein Buch, der autobiographische Roman A Stricken Field (1940). 1941 bereiste sie China und begegnete Chiang Kai-shek und Zhou Enlai. 1943 arbeitete sie im Rang eines US-Hauptmanns in Europa;[3] sie schrieb über Kriegswaisen in Italien und die Befreiung des KZ Dachau.

Später berichtete Gellhorn über die antikommunistische „Geisterjagd“ Joseph McCarthys in den USA und den Staat Israel, über den Eichmann-Prozess, den Vietnamkrieg, über den Tod von Francisco Franco 1976 und den Bürgerkrieg in El Salvador 1984. Erst als man ihr eine Berichterstattung zum Krieg im zerfallenden Jugoslawien anbot, lehnte sie aus Altersgründen ab.

Martha Gellhorn war von 1940 bis 1945 mit Ernest Hemingway verheiratet und von 1954 bis 1963 mit dem damaligen Chefredakteur des Time-Magazins. Am 15. Februar 1998 setzte die schwer kranke, fast gänzlich erblindete Martha Gellhorn in London ihrem Leben ein Ende.

Gellhorn arbeitete insgesamt 58 Jahre als Auslandskorrespondentin, Reporterin und Schriftstellerin. Es stammen fünf Romane, vierzehn Novellen sowie zwei Bände mit Kurzgeschichten aus ihrer Feder.

Martha Gellhorns Stil war scharf, ihre Meinungen waren zumeist unerbittlich und ihre Einschätzungen häufig treffend.

Journalistenpreis[Bearbeiten]

Von der aus ihrem Nachlass gespeisten Martha-Gellhorn-Stiftung wird seit 1999 jährlich der Martha Gellhorn Prize for Journalism an investigative Journalisten vergeben. Im Juni 2011 erhielt Julian Assange den Preis für das Projekt „WikiLeaks“.[4]

Der Preis wird jährlich an einen auf englisch publizierenden Journalisten vergeben, der „die etablierte Version der Ereignisse durchlöchert und eine unappetitliche Wahrheit erzählt hat, die die Propaganda des Establishments oder das ‘offizielle Geschwätz’ entlarvt hat“ (orig.: „penetrated the established version of events and told an unpalatable truth that exposes establishment propaganda, or ‘official drivel’”), wie Martha Gellhorn es formulierte.[4]

Bücher[Bearbeiten]

  • Ausgewählte Briefe. Deutsch von Miriam Mandelkow. Herausgegeben von Caroline Moorehead. Mit einem Nachwort von Sigrid Löffler. Dörlemann Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-908777-50-2.
  • Das Wetter in Afrika. Novellen. Deutsch von Miriam Mandelkow. Dörlemann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-908777-46-5.
  • Muntere Geschichten für müde Menschen. Drei Novellen. Deutsch von Miriam Mandelkow, mit einem Nachwort von Hans Jürgen Balmes. Dörlemann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-908777-44-1.
  • Paare – Ein Reigen in vier Novellen. Deutsch von Miriam Mandelkow. Mit einem Nachwort von Hans Jürgen Balmes. Dörlemann Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-908777-26-7.
  • Liana. Roman. Fischer 1992.
  • Reisen mit mir und mit ihm. Berichte. rororo, 1990.
    • Neuauflage: Reisen mit mir und einem Anderen. Fünf Höllenfahrten. Aus dem Englischen von Herwart Rosemann. Dörlemann Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-908777-61-8.
  • Das Wetter in Afrika. Roman in Novellen. rororo (12354)
  • Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937–1987. Knaus Verlag, München 1998, ISBN 978-3-813523-00-3. /
    • Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937–1987. Überarbeitete Übersetzung aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring. Dörlemann Verlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-908777-77-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mary Blume: Nachruf auf Martha Gellhorn, nytimes.com vom 19. Februar 1998 (engl.), abgerufen am 29. Mai 2012.
  2. Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937–1987. Kurzbiografie, S. 366.
  3. Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937– 1987. Kurzbiografie, S. 367.
  4. a b The Guardian am 2. Juni 2011: Julian Assange wins Martha Gellhorn journalism prize. Abgerufen am 22. August 2012 (englisch).