Martha Vogeler

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Heinrich Vogeler: Porträt Martha Vogeler, 1910

Martha Vogeler, geborene Schröder, (* 8. Oktober 1879 in Worpswede; † 30. Mai 1961 ebenda) war Muse, Modell und erste Ehefrau des Malers Heinrich Vogeler, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Bildern im Jugendstil porträtierte. Im von ihr geplanten Haus im Schluh in Worpswede schuf sie nach der Trennung von Heinrich Vogeler eine Handweberei, ein Heimatmuseum, eine Pension und widmete sich der Malerei.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Martha Schröder wurde als Tochter des Dorfschullehrers Dietrich Schröder und seiner Ehefrau Becka in Worpswede geboren. Der Vater starb 1885, sodass die Mutter die große Familie allein ernähren musste. Die älteren der neun Geschwister waren nach Amerika ausgewandert, die jüngeren wie Martha unterstützten die Mutter durch Aushilfsarbeiten. Im Jahr 1894 lernte sie als Vierzehnjährige den in Bremen geborenen Maler Heinrich Vogeler kennen, als dieser Worpswede besuchte und im folgenden Jahr Mitglied der 1889 gegründeten Künstlerkolonie Worpswede wurde. Im Oktober 1895 kaufte Vogeler am Weyerberg ein Grundstück mit Bauernhaus, ließ es umbauen und nannte es Barkenhoff. 1899 widmete Vogeler Martha seinen Gedichtband Dir, er wurde im Insel Verlag veröffentlicht.

Leben auf dem Barkenhoff[Bearbeiten]

Frühlingsabend, 1901
Das Konzert (Sommerabend), 1905

Martha stand ihm mehrfach Modell und heiratete ihn nach der Verlobung 1900 in Meissen am 3. März 1901 in Heeslingen bei Zeven. In der Folge war sie der Mittelpunkt des von Vogeler als Gesamtkunstwerk inszenierten gemeinsamen Haushaltes auf dem Barkenhoff und wurde von ihm weiterhin auf vielen Gemälden und Radierungen porträtiert. Ihr Bildnis auf der Treppe dominiert Vogelers großformatiges Gemälde Das Konzert (Sommerabend) aus dem Jahr 1905.

Der Barkenhoff wurde sowohl mit alten Bauernmöbeln als auch mit von Heinrich Vogeler entworfenen Möbeln eingerichtet. Das Ehepaar feierte Feste, organisierte Konzerte, und das Haus wurde ein wichtiger Treffpunkt der Künstlerkolonie. Zur Barkenhoff-Familie gehörten das Ehepaar Vogeler, der Dichter Rainer Maria Rilke, dessen Frau, die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Paulas Schwester Milly und Vogelers Bruder Franz mit Frau Philine. Zu den Besuchern zählten unter anderem Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann.[1]

Nach der Geburt der drei Töchter Marie Luise „Mieke“ (Dezember 1901–1945), später Ehefrau des Schriftstellers Gustav Regler, Bettina (1903–2001) und Martha „Mascha“ (1905–1993)[2] begann Martha Vogeler ebenfalls, künstlerisch und kunsthandwerklich im eigenen Atelier über dem Stall zu arbeiten, kümmerte sich um die Erziehung und den Bilderverkauf.

1910 zeigte Martha Vogeler auf der Brüsseler Weltausstellung ein selbst entworfenes Zimmer, das mit Binsenmöbeln ausgestattet war, und erhielt dafür eine Goldmedaille.

Das Haus im Schluh[Bearbeiten]

Das Haus im Schluh, hinten das Wohnhaus, rechts die Handweberei

Die Ehe geriet in eine Krise, und nach Heinrich Vogelers Hinwendung zum Kommunismus nach dem Ersten Weltkrieg verließ Martha 1920 mit den drei Töchtern den Barkenhoff, als ihr Mann aus dem Hof eine Kommune und Arbeitsschule nach sowjetischem Vorbild geformt hatte. Sie zog mit den Töchtern und ihrem Freund Ludwig Bäumer in das Haus im Schluh in Worpswede, eine alte Moorkate aus dem Dorf Lüningsee, die sie mit Vogelers finanzieller Unterstützung nach Worpswede versetzen und dort wieder aufbauen ließ. 1926 erfolgte die Scheidung von Heinrich Vogeler.

Im Haus im Schluh errichtete sie 1938 eine Handweberei und eine Sammlung bäuerlicher Einrichtungsgegenstände als Heimatmuseum. Außerdem entstand neben einer ständigen Ausstellung mit den frühen Werken Heinrich Vogelers eine Pension. Neben der Herstellung von Webarbeiten malte sie viele Blumen- und Kakteenbilder.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Martha Vogeler Mitglied in der NSDAP und der NS-Frauenschaft, aus letzterer wurde sie 1943 „wegen nicht nationalsozialistischem Verhaltens“ ausgeschlossen. Martha Vogeler starb 1961 in Worpswede. Nach ihrem Tod übernahmen die Töchter Bettina Müller-Vogeler und Mascha Schnaars-Vogeler die Weberei und die Pension. Das Haus im Schluh ist noch heute im Familienbesitz der vierten Generation.[3]

Das Worpsweder Archiv[Bearbeiten]

Martha Vogeler übergab ihre Sammlung von Kunst-, Buch- und Schriftbeständen dem seit 1946 im Haus im Schluh wohnenden Kunsthistoriker Hans-Herman Rief, der sie als „Worpsweder Archiv“ aufbaute und 1981 in die Barkenhoff-Stiftung Worpswede einbrachte. Rief ergänzte die Sammlung neben Kunstwerken und Schriften von Heinrich Vogeler durch zahlreiche künstlerische Arbeiten und Teilnachlässe von Worpsweder Künstlern der Nachfolgegenerationen und legte einen umfangreichen Bibliotheksbestand an.[4]

Literatur und Medien[Bearbeiten]

  • Ludwig Roselius: Briefe. Druck und Kommissionsverlag H. M. Hauschild, Bremen 1919. (Briefe und kleine Schriften von und an Oscar Caro, Anna Goetze, Ehrenfried G. von Hünefeld, Karl Lerbs, Gustav Stresemann, Heinrich Vogeler, Martha Vogeler u.a.)
  • Konrad Tegtmeier: Paula Modersohn-Becker. Eine kleine Lebensgeschichte mit unveröffentlichten Briefen an Martha und Heinrich Vogeler-Worpswede. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1927.
  • Siegfried Bresler: Heinrich Vogeler. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-499-50540-1.
  • Peter Groth: Martha Vogelers Haus im Schluh. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1995, ISBN 3-8929-9139-1.
  • Heinrich Vogeler: Dir. Gedichte. Leipzig 1899; neu aufgelegt bei Insel, Frankfurt 1987, ISBN 978-3-458-19072-1.
  • Elfriede Berger (Hrsg.): Carl Hauptmann und seine Worpsweder Künstlerfreunde in Briefen und Tagbuchblättern. 2 Bände. Karl-Robert Schütze, Berlin 2003. (Enthält, teils in Erstveröffentlichungen, den gesamten Briefwechsel des schlesischen Dichters mit seinen Worpsweder Künstlerfreunden: Hans am Ende, Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Rainer Maria Rilke, Clara Rilke-Westhoff, Heinrich Vogeler, Johanna Hauptmann, Martha Hauptmann, Maria-Hauptmann-Rohne, Martha Vogeler. Ergänzt wird die Sammlung durch Tagebuchaufzeichnungen.)

Medien

  • Martha Vogeler erzählt persönliche Erinnerungen an Rainer Maria Rilke. Radio Bremen 1951. Rundfunkmitschnitt (1 CD).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martha Vogeler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Annemay Regler-Repplinger: Märchenwelten und Odysseen , regler.name/Presse/18.htm, abgerufen am 12. Januar 2013.
  2. Grabsteine – Friedhof Worpswede, grabsteine.genealogy.net, abgerufen am 12. Januar 2013.
  3. Zitiert nach den oben aufgeführten Weblinks.
  4. Das Worpsweder Archiv der Barkenhoff-Stiftung Worpswede. www.barkenhoff-stiftung.de, abgerufen am 14. Januar 2013.