Martin Amis

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Martin Amis (2012)

Martin Louis Amis (* 25. August 1949 in Swansea, Südwales) ist ein englischer Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Roman Gierig (Originaltitel: Money - A Suicide Note, 1984) und und London Fields (1989). Für seinen ersten Roman The Rachel Papers (1974) erhielt er den Somerset Maugham Award. Der Roman wurde unter dem Titel Er? Will! Sie Nicht? (1989) von Regisseur Damian Harris mit Dexter Fletcher in der Hauptrolle verfilmt. Für seine Erinnerungen Die Hauptsachen (2000), in denen er sich unter anderem mit der Beziehung seinem berühmten Vater, dem Romancier Kingsley Amis auseinandersetzt, wurde er mit dem James Tait Black Memorial Prize ausgezeichnet. Zwei seiner Werke waren für den Booker Prize nominiert - 1991 der Roman Pfeil der Zeit (Originaltitel Time's Arrow) und 2003 der Roman Yellow Dog. 2013 wurde Amis zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Von 2007 bis 2011 hatte er eine Professur für Kreatives Schreiben an der University of Manchester inne.[1] Das US-amerikanische Magazine Time wählte 2005 seinen Roman Gierig zu zu den besten englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind und die britische Zeitung The Times zählte ihn 2008 zu den 50 herausragendsten britischen Schriftstellern seit 1945.[2]

Amis' Werke setzen sich mit den Exzessen der spätkapitalistischen westlichen Gesellschaften auseinander. Die von ihm erlebte Absurdität überspitzt er häufig in grotesker Karikatur. Die New York Times hat Amis als einen Meister der Neuen Widerwärtigkeit bezeichnet.[3] Zu den Autoren, die Amis beeinflussten, zählten Saul Bellow, Vladimir Nabokov und James Joyce. Amis selber beeinflusste eine Reihe erfolgreicher britischer Autoren, darunter Will Self und Zadie Smith.[4]

In Großbritannien ist Martin Amis auch einem nicht an Literatur interessierten Publikum bekannt: Klatschspalten der britischen Presse beschäftigten sich unter anderem mit dem schwierigen Verhältnis zu seinem Vater, der sich nach einer von Martin Amis selbst verbreiteten Anekdote weigerte, den Roman Gierig - immerhin eines seiner erfolgreichsten Werke - zu Ende zu lesen.[3] Die kontroverse Streichung von London Fields von der Liste der Finalisten für den Booker Preises war nach Aussagen von Komitee-Mitglieds David Lodge darauf zurückzuführen, dass zwei Mitglieder des Auswahlkomitees die Darstellung der weiblichen Figuren dieses Romanes entschieden ablehnten. [5] 2008 wurde bekannt, dass Amis für seine Lehrtätigkeit an der University of Manchester ein Jahresgehalt von 80000 Britischen Pfund bezog - wie von mehreren Zeitungen kommentiert wurde, entsprach dies angesichts der Verpflichtung, 28 Stunden pro Jahr zu unterrichten, einem Stundenlohn von 3000 Britischen Pfund, eine Tatsache, die in einer Reihe von britischen Zeitungen aufgegriffen wurde.[6] Die University of Manchester wehrte sich gegen die Vorwürfe mit dem Hinweis, dass Amis wie jedes andere Mitglied des Lehrkörpers der Universität weitaus mehr Verpflichtungen als reine Lehrtätigkeit hätte.[7]

Rezeption einzelner Werke[Bearbeiten]

Der Roman Die schwangere Witwe (2012) hat seinen Schauplatz in einem Schloss in der italienischen Campania im Jahr 1970. Im Milieu der Jeunesse dorée kommt es im Zuge der sexuellen Revolution zu einem Spiel der Versuchung, des Zögerns, der Attraktion und der Zurückweisungen. Stilistisch furios jongliert der Autor dabei mit Perspektiven und Zeitebenen.[8]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • 1973 The Rachel Papers
    • Das Rachel-Tagebuch, dt. von Joachim Kalka; Frankfurt am Main: Fischer 2002. ISBN 3-596-15504-5
  • 1975 Dead Babies
  • 1978 Success
  • 1981 Other People
    • Die Anderen – eine mysteriöse Geschichte, übersetzt von Jürgen Bauer und Edith Nerke; Frankfurt am Main: Fischer 1997. ISBN 3-10-000821-9
  • 1984 Money: A Suicide Note
  • 1989 London Fields
  • 1991 Time's Arrow: Or the Nature of the Offense
    • Pfeil der Zeit, übersetzt von Alfons Winkelmann; Wien: Zsolnay 1993. ISBN 3-552-04502-3
  • 1995 The Information
    • Information, übersetzt von Joachim Kalka; Frankfurt am Main: Fischer 1996. ISBN 3-10-000819-7
  • 1997 Night Train
    • Night Train, übersetzt von Joachim Kalka; Frankfurt am Main: Fischer 1998. ISBN 3-10-000823-5
  • 2003 Yellow Dog
  • 2006 House of Meetings
    • Haus der Begegnungen, übersetzt von Werner Schmitz; Hanser, München 2008, ISBN 3-446-23052-1
  • 2010 The Pregnant Widow
  • 2011 The State of England: Lionel Asbo, Lotto Lout
  • 2012 Die schwangere Witwe. Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Carl-Hanser-Verlag, München 2012. 412 S.

Erzählungen und Sammelbände[Bearbeiten]

  • 1987 Einstein's Monsters
  • 1993 Visiting Mrs Nabokov: And Other Excursions
  • 1994 Two Stories
  • 1995 God's Dice
  • 1998 Heavy Water, and Other Stories
    • Schweres Wasser und andere Erzählungen, übersetzt von Joachim Kalka; Frankfurt am Main: Fischer 2000. ISBN 3-10-000824-3
  • 1998 State of England: And Other Stories
  • 1999 Ami´s Omnibus
  • 2000 The Fiction of Martin Amis
  • 2004 Vintage Amis

Sachbücher[Bearbeiten]

  • 1982 Invasion of the Space Invaders
  • 1986 The Moronic Inferno: And Other Visits to America
  • 2000 Experience (Autobiographie)
    • Die Hauptsachen, übersetzt von Werner Schmitz; München, Wien: Hanser 2005. ISBN 3-446-20653-1
  • 2001 The War Against Cliche: Essays and Reviews, 1971-2000
  • 2002 Koba the Dread: Laughter and the Twenty Million (über Josef Stalin)
    • Koba der Schreckliche – die zwanzig Millionen und das Gelächter, übersetzt von Werner Schmitz; München: Hanser 2007. ISBN 3-446-20821-6
  • 2008 The Second Plane (Essays und zwei Erzählungen)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benedicte Page: Colm Tóibín takes over teaching job from Martin Amis. In: The Guardian, 26. Januar 2011. 
  2. The 50 greatest British writers since 1945. The Times, 5. Januar 2008, (subscription only).
  3. a b Stout, Mira. "Martin Amis: Down London's mean streets", New York Times, 4. Februar 1990.
  4. "Martin Amis", The Guardian, 22. Juli 2008.
  5. Wynn-Jones, Ros. Time to publish and be damned, The Independent, 14. September 1997.
  6. Yakub Qureshi, £3,000 an hour for Amis, Manchester Evening News, 25. Januar 2008; Amis the £3k-an-hour professor, Guardian, 26. Januar 2008.
  7. Yakub Qureshi, op. cit., Manchester Evening News, 25 January 2008.
  8. Rezension von Tilman Urbach in der NZZ vom 7. Juni 2012: Martin Amis' neuer Roman -Die Zangen der Lust, abgerufen am 10. Juni 2012