Martin Faust

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Martin Faust (* 27. Januar 1901 in Hemau; † 9. November 1923 in München) war ein deutscher Putschist. Er wurde bekannt als einer der 16 getöteten Putschteilnehmer des gescheiterten Hitler-Putsches, denen Adolf Hitler den ersten Band seines Buches Mein Kampf widmete.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch trat Faust noch im Februar 1918 als Kriegsfreiwilliger in die Kaiserliche Marine ein. Er wurde auf der SMS Freya ausgebildet und anschließend zur SMS Großer Kurfürst versetzt. Nach der deutschen Kapitulation nahm Faust Ende 1918 an der Überführung der deutschen Flotte nach Scapa Flow teil, wo er von der Royal Navy interniert wurde. 1919 kehrte Faust nach Deutschland zurück und besuchte eine Handelshochschule. Anschließend arbeitete als Bankangestellter, zuletzt in München. Seit 1920 engagierte sich Faust im nationalistischen Wehrverband Reichsflagge. Nach dessen Spaltung schloss er sich dem von Ernst Röhm geführten Bund Reichskriegsflagge an, in dem er den Posten eines Zugführers erhielt.

Am 9. November 1923 nahm er als Angehöriger eines von Röhm geführten Stoßtrupps der Reichskriegsflagge an der Besetzung des Gebäude des ehemaligen Bayerischen Kriegsministeriums teil. Das Unternehmen war zunächst erfolgreich, als aber die Kernaktion des Putsches, der Demonstrationszug der Putschisten zur Münchener Feldherrnhalle, von der Polizei aufgelöst wurde und der Putsch somit gescheitert war, gaben auch die Besetzer im Kriegsministeriumsgebäude auf. Bei der Übernahme des Gebäudes durch die Reichswehr wurden aus ungeklärten Gründen zwei Gewehrschüsse aus dem Gebäude abgegeben, die zwei Reichswehrangehörige verwundeten. Die Armeeeinheit erwiderte daraufhin das Feuer. Faust soll sofort getötet worden sein und auch der Putschist Theodor Casella wurde tödlich verletzt, als er versuchte, Faust in Deckung zu ziehen. Die verbliebenen Putschisten, darunter Heinrich Himmler, Karl Osswald und Walther Lembert, bargen die beiden Männer und brachten sie über die Schönfeldstraße ins Krankenhaus Josephinum. Faust wurde bei seiner Ankunft für tot erklärt und Cassella starb an seinen Verletzungen.[1] Nach einer anderen Version – die möglicherweise Faust und Cassella verwechselt – sei Faust in seine Wohnung gebracht worden und dort gestorben.[2] Faust wurde auf einem Münchener Friedhof beigesetzt.

Hitler widmete Faust und 15 weiteren getöteten Putschteilnehmern bereits 1925 den ersten Band seines Buches Mein Kampf, wo sie namentlich im Vorwort aufgeführt wurden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde an der Feldherrnhalle in München eine Tafel mit den Namen dieser Personen angebracht, die von einer Ehrenwache der SS geehrt wurde. Jeder Passant, der an dieser Tafel vorbei kam, war verpflichtet, diese mit dem Hitlergruß zu ehren. 1935 wurden auf dem Königsplatz zwei „Ehrentempel“ als gemeinsame Grabanlage für diese Personengruppe errichtet. Im selben Jahr wurde Faust exhumiert, zusammen mit den übrigen Toten dorthin überführt und in bronzenen Sarkophagen erneut beigesetzt. Bis 1945 wurden sie in den nationalsozialistischen Kult um die „Blutzeugen der Bewegung“ einbezogen.

Während der NS-Zeit waren eine Reihe von Straßen im Deutschen Reich nach Faust benannt: So die Martin-Faust-Straße in Bayreuth,[3] Breslau,[4] Gelsenkirchen, Wuppertal (seit 1935; vorher Gerberstraße)[5] und Leipzig. In Fausts Geburtsstadt Hemau wurde am 11. November 1934 ein ihm gewidmetes Denkmal von Hans Schemm eingeweiht.[6]

Im Innenhof des ehemaligen Kriegsministeriums in München wurde zur NS-Zeit ein Gedenkstein für Casella und Faust angebracht, der die Inschrift „Durch Euer Blut lebt Deutschland!“ trug.[7] Unmittelbar vor den Novemberpogromen von 1938 fand am Vormittag des 9. Novembers an dieser Stelle eine Erinnerungsfeier zu Ehren von Faust und Casella statt, an der unter anderem Himmler und Adolf Hühnlein teilnahmen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Dornberg: Munich 1923, 1983, S. 279.
  2. Hellmut Schöner: Hitler-Putsch im Spiegel der Presse, 1974, S. xvii.
  3. Erläuterung der Straßennamen von Bayreuth
  4. Historische Stadtpläne von Breslau
  5. Klaus Gobel: Wuppertal in der Zeit des Nationalsozialismus, 1984, S. 47.
  6. Benedikt Lochmüller: Hans Schemm, 1940, S. 511.
  7. Peter Köpf: Der Königsplatz in München. Ein deutscher Ort, 2005, S. 102.
  8. Andreas Heusler: Kristallnacht, 1998, S. 42.