Martin Graf

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Dieser Artikel beschreibt den österreichischen Politiker. Zu weiteren Personen dieses Namens siehe Martin Graf (Begriffsklärung).
Martin Graf (2004)

Martin Graf (* 11. Mai 1960 in Wien) ist ein österreichischer Jurist und Politiker (FPÖ). Von 1994 bis 2002 sowie seit 2006 vertrat bzw. vertritt er seine Partei als Abgeordneter im Nationalrat. Vom 28. Oktober 2008 bis 29. Oktober 2013 hatte er das Amt des dritten Nationalratspräsidenten inne. Graf bekleidete zudem mehrere hochrangige Posten in österreichischen Unternehmen und betätigt sich als Publizist.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Graf besuchte 1966 bis 1970 die Volksschule in Wiener Bezirk Donaustadt sowie anschließend 1970 bis 1975 das Gymnasium im Bezirk Leopoldstadt und bis 1979 das Bundesoberstufenrealgymnasium in Krems. Von 1979 bis 1980 absolvierte er den Grundwehrdienst als Sanitätsgefreiter beim Österreichischen Bundesheer. Graf hat sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien im Jahr 1987 mit dem Mag. iur. und daraufhin 1994 mit dem Grad Dr. iur. abgeschlossen.[1]

Burschenschafter[Bearbeiten]

Graf ist Mitglied der Akademischen Burschenschaft Olympia, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestuft wird.[2] Im Gegenzug bezeichnet Graf das DÖW als „eine sehr links angesiedelte Organisation“, für die „jede Position, die nicht links angesiedelt ist, bereits rechtsextrem“ sei.[3] Heute ist er Alter Herr der Olympia.

Graf gehörte 2002 zu den Gründern der Burschenschafter-Initiative SOS Grundrechte und Demokratie.[4][5]

Nichtpolitische berufliche Tätigkeiten[Bearbeiten]

Graf hatte im Laufe seiner Karriere folgende Ämter und Posten inne:[1]

  • Jänner 1987 bis Dezember 1987 Gerichtspraxis am BG für Strafsachen Wien, BG Floridsdorf, LG für ZRS Wien, HG Wien
  • Jänner 1988 bis April 1992 Anstellung bei der Bank Austria
  • Jänner 1991 bis November 1994 Mitglied des Berufungssenates der Stadt Wien
  • März 1992 bis März 2003 Rechtsanwaltsanwärter
  • Ab November 1999 Obmann der Mariazeller Technologiegespräche
  • Dezember 2000 bis April 2006 Vorstandsmitglied der Pensionsversicherungsanstalt
  • Jänner 2002 bis Dezember 2003 Konsulent bei der Bank Austria Creditanstalt AG
  • Mai 2003 bis Oktober 2006 Alleingeschäftsführer der damaligen ARC business service GmbH[6]
  • Juni 2004 bis Dezember 2004 Aufsichtsrat bei der via donau-Entwicklungsgesellschaft mbH für Telematik und Donauschifffahrt
  • Jänner 2005 bis April 2006 stv. Aufsichtsratsvorsitzender der via donau Österreichische Wasserstraßen Gesellschaft m.b.H.
  • Juli 2006 bis Oktober 2006 Mitglied der Geschäftsleitung der Austrian Research Centers GmbH - ARC
  • Seit Frühjahr 2007 ist Graf 1. Präsident des Fußballvereins FC Hellas Kagran[7]
  • Ab Oktober 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der GM Consulting KG

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Die politische Laufbahn von Martin Graf begann 1981, als er Mitglied im Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) wurde. Sechs Jahre später trat er in die FPÖ ein, 1990 wurde er Mitglied der Bezirksparteileitung Wien Donaustadt. Ein Jahr darauf wurde er Teil der Landesleitung Wien, im Jahr 1994 bekam er einen Sitz in der Bundesparteileitung. Seit 2003 ist Graf Mitglied des Landesparteivorstandes Wien. Von 1991 bis 1994 war er stellvertretender Bezirksvorsteher in Wien Donaustadt.[1]

Von 1994 bis 2002 war er Abgeordneter der FPÖ zum Nationalrat, seit 2006 hat er erneut einen Sitz inne.[1] 2008 kandidierte er für die Freiheitliche Partei (FPÖ) auf der Landesparteiliste Wien auf Platz drei.[8]

In einem Interview mit Armin Wolf in der ORF-Sendung Zeit im Bild 2 vom 8. November 2006 bekannte er sich zur „deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft“. Dies begründete er mit der Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Familie mütterlicher Seite aus dem damals deutschsprachig besiedelten Sudetengebiet vertrieben wurde.[9][10]

Graf ist in der FPÖ Bereichssprecher für Forschung, Wissenschaft und Bildung. Weiters ist er Mitglied des Unvereinbarkeitsausschusses und des Immunitätsausschusses.[11] Er war Obmann im Untersuchungsausschuss FMA, BAWAG, Hypo Alpe-Adria und weitere Finanzdienstleister sowie im Wissenschaftsausschuss.

Am 30. September 2008 wurde er vom Bundesparteivorstand der FPÖ für das Amt des dritten Nationalratspräsidenten vorgeschlagen.[12]

Trotz heftiger Kritik wurde er am 28. Oktober 2008 mit 109 von 156 gültigen Stimmen gewählt, auf den von den Grünen aufgestellten Gegenkandidaten Alexander Van der Bellen entfielen 27 Stimmen, weitere 20 auf andere Personen.

Graf veröffentlicht diverse politische Kommentare auf der Website Unzensuriert.at[13], die von Büromitarbeitern Grafs maßgeblich gestaltet wird.[14]

Am 27. Juni 2013 gab Graf bekannt, dass er bei der Nationalratswahl 2013 nicht mehr kandidieren und sich aus der Politik zurückziehen werde. Er begründete dies damit, dass er Partei und Familie vor geplantem „Dirty Campaigning“ der SPÖ im Wahlkampf gegen ihn schützen wolle.[15]

Privat[Bearbeiten]

Martin Graf ist verheiratet und hat zwei Töchter und einen Sohn.[1]

Diskurse, Vorwürfe, Strafverfolgung[Bearbeiten]

Verhältnis zum Rechtsextremismus[Bearbeiten]

Am 26. November 1987 war Graf als Mitglied des RFS bei einem Auftritt des deutschen Neonazis Reinhold Oberlercher an der Wiener Universität als Ordner eingesetzt.[16] Zu den heutigen Staatsgrenzen Deutschlands sagte er, diese „wurden willkürlich gezogen; das deutsche Volkstum muß sich frei in Europa entfalten können.“[17]

Am 15. April 2009 engagierte Graf den vom DÖW als „am rechten Rand des Rechtsextremismus stehend“ eingestuften Walter Marinovic als Redner für eine Buchvorstellung Andreas Mölzers im Parlament.[18]

Personalbesetzungen im ARC[Bearbeiten]

In Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im ARC wurde Graf vorgeworfen, Posten willkürlich an ihm nahestehende Burschenschafter vergeben zu haben.[19]

Nationalratspräsidentschaftskandidatur[Bearbeiten]

Im Herbst 2008 stieß die Kandidatur Grafs für das Amt des dritten Nationalratspräsidenten auf heftige Kritik. Von vielen Seiten kamen Aufforderungen an die Nationalratsabgeordneten, nicht für Graf zu stimmen: Mauthausen Komitee Österreich,[20][21] DÖW,[21] Israelitische Kultusgemeinde,[21] Verein Gedenkdienst,[21] ÖH[22] und GPA-djp.[23]

Am 16. Oktober gab Graf eine Pressekonferenz,[12] in der er erklärte, dass er „auf dem Boden der Werte der Revolution von 1848“ stehe und „weder seine Weltanschauung noch sein Volkstumsbekenntnis ihn für Ämter in Österreich disqualifizieren könne.“

Personalbesetzungen als Dritter Nationalratspräsident[Bearbeiten]

Graf wurde wiederholt dafür kritisiert, Mitglieder schlagender Burschenschaften, die zum Teil Kontakte zu rechtsextremen Organisationen bzw. Firmen unterhielten, angestellt zu haben.[24][25]

Der Büroleiter Walter Asperl ist Mitglied der Burschenschaft Olympia.[26][27]

Grafs IT-Beauftragter Sebastian Ploner war Mitglied der Burschenschaft Olympia und Mitorganisator des rechtsextremistischen Sommerlagers Jugendbund Sturmadler.[26][28] Ploner soll beim neonazistischen Versand Aufruhr rechtsextreme Bücher und Bekleidung bestellt haben.[29] Unter den bestellten Artikeln sollen sich T-Shirts mit nationalsozialistischen Symbolen wie dem Reichsadler und einer Chiffre für den Hitlergruß befunden haben.[30] Ploner soll als Lieferadresse die nationalsozialistische Bezeichnung für Österreich, „Ostmark“, angegeben haben.[31] 2008 und 2009 sollen die ehemaligen Mitarbeiter Grafs laut Berichten des Standard an gewalttätigen Angriffen von Neonazis auf eine Demonstration gegen die Wahl Grafs und eine Veranstaltung der Sozialistischen Jugend beteiligt gewesen sein.[32][33]

Marcus Vetter nahm mit dem Rechtsextremisten Gottfried Küssel an einem Aufmarsch am Grab des Jagdpiloten der deutschen Luftwaffe Walter Nowotny teil.[26]. Vetter soll ebenfalls beim Aufruhr-Versand rechtsradikale Artikel bestellt haben.[24] Hubert Keyl, Grafs Fahrer und Referent in Ausschüssen, war bis zu einem Raufhandel in einem Bordell bei einer Burschenschafterfeier am 12. März 2010 Mitglied der Burschenschaft Silesia.[26][34][35] Zuvor war Keyl Mitglied der schlagenden Burschenschaft Albia gewesen, aus der er auch ausgeschlossen worden war.[35][36] Am 27. Mai 2009 wurde das Ausscheiden von Ploner und Vetter aus dem Büro Grafs bekanntgegeben.[37] 2011 kündigte ein weiterer Mitarbeiter Grafs von sich aus, nachdem er laut Gerhard Kurzmann, steirischer Landesparteichef der FPÖ, wegen des Versuchs, Skinheads für die FPÖ anzuwerben aus der Partei ausgeschlossen wurde.[38]

FC Hellas Kagran[Bearbeiten]

Graf wurde vorgeworfen, in seiner Funktion als Präsident des Fußballvereins FC Hellas Kagran aus politischen Gründen Spielerinnen ausgeschlossen zu haben.[39] Im Vorstand des Vereins hätte Graf vor allem FPÖ-nahe Personen eingesetzt, was sein stellvertretender Büroleiter, der zugleich Obmann des Vereins ist, damit begründete, dass es andere Vereine gebe, „die gänzlich rot oder schwarz“ seien.[39] Auf Kritik stieß ferner die Vergabe der Buffetbetreiberrechte an einen seiner Mitarbeiter im Amt des Dritten Nationalratspräsidenten.[30]

Verdacht der Untreue (ARC)[Bearbeiten]

Im Februar 2009 stellte die Staatsanwaltschaft Wien einen Antrag auf Aufhebung der Immunität an den Nationalrat, da Ermittlungen gegen Graf wegen des Verdachts der betrügerischen Krida und der Untreue in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit am ARC eingeleitet worden waren.[40] Am 9. Februar 2009 erging das Ersuchen der Staatsanwaltschaft Wien (AZ 25 St 407/08i) um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Dritten Präsidenten des Nationalrates Mag. Dr. Martin Graf wegen des Verdachtes der strafbaren Handlungen nach §§ 153 Abs. 1 und 2, 153b sowie 159 Abs. 1, 2 und 3 StGB und nach § 122 GmbHG an das Parlament. Das Ersuchen wurde tags darauf dem Immunitätsausschuss zugewiesen.[41] Am 12. März 2009 wurde die Immunität Grafs vom Nationalrat mit den Stimmen von Grünen, SPÖ und ÖVP aufgehoben.[42] Zu den Vorwürfen und Ermittlungen gegen ihn nahm Graf am 25. Februar 2009 in einem offenen Brief an den parlamentarischen Immunitätsausschuss Stellung.[43]

Ariel Muzicant[Bearbeiten]

Nachdem Ariel Muzicant im Mai 2009 dem FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl vorgeworfen hatte, „Gehetze“ zu betreiben, das ihn an Joseph Goebbels erinnerte, bezeichnete Graf Muzicant in der FPÖ-Parteizeitung Neue Freie Zeitung indirekt als „Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus“ und warf ihm außerdem vor, die Demokratie und Meinungsfreiheit zu gefährden.[44][45] Dies rief Protest von SPÖ, ÖVP und Grünen hervor. Unter anderem forderten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) den Rücktritt Grafs als dritter Nationalratspräsident. Graf wies die Rücktrittsforderungen zurück[46] und lud zu einem „Versöhnungsdialog“ sowie einem persönlichen Gespräch mit Muzicant ein.[47] Dieser stellte mehrere Forderungen, unter anderem, dass Graf aus der Burschenschaft Olympia austreten solle. Muzicant würde in diesem Fall die Betreibung der Internetseite www.kellernazisinderfpoe.at einstellen.[48] Schließlich erklärte Muzicant, der Einladung nicht folgen zu wollen, woraufhin Graf „Gesprächsverweigerung“ vorwarf.[49]

Gertrud-Meschar-Privatstiftung[Bearbeiten]

Im Mai 2012 wurde durch einen Bericht der ORF-Sendung Report der Fall der 90-jährigen Wienerin Gertrud Meschar bekannt, die Graf beschuldigt hatte, als Vorstand ihrer Privatstiftung zu ihrem Nachteil gehandelt zu haben. Die nachkommenlose Meschar wollte eine Stiftung einrichten, um ihre Versorgung zu sichern und nach ihrem Tod ihren Tierarzt sowie „Vereine, die mit Blinden- und Rettungshunden arbeiten“ zu begünstigen.[50] Meschar konsultierte zur Einrichtung der Stiftung Graf, der ihr als Nachbar bekannt war und dem sie aufgrund ihrer Zustimmung zur FPÖ vertraute.[50] Sie brachte ihr Vermögen im Wert von rund einer Million Euro, bestehend unter anderem aus einem Haus im 22. Wiener Gemeindebezirk sowie mehreren Grundstücken in die Stiftung ein und berief Graf in den Vorstand. Die Stiftung veräußerte ein Grundstück in Essling, nahm einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro auf und erwarb ein Gebäude in Döbling, in dem unter anderem ein von Grafs Bruder betriebenes Restaurant eingemietet ist.[51] Ebenfalls eingemietet ist die 1848 Medienvielfalt Verlags GmbH, die sich im Besitz zweier parlamentarischer Mitarbeiter Grafs sowie eines diesen nahestehenden Vereins[52] befindet[53] und die als „Graf-Seite“ bezeichnete Website Unzensuriert.at betreut.[51][54]

Meschar wurde ihren Angaben nach nicht darüber informiert, dass sie nicht mehr auf ihr Vermögen zugreifen oder über dessen Verwendung entscheiden kann. Graf habe den Kontakt zu ihr nach einer Auseinandersetzung über den Ankauf des Hauses in Döbling abgebrochen.[50] Ferner warf sie Graf vor, das Objekt in Döbling aus Gefälligkeit für seinen Bruder erworben zu haben und erhob den Vorwurf, dass Mietzahlungen des Restaurants „verspätet, in der falschen Höhe oder gar nicht stattgefunden“ hätten[55] und die Buchhaltung der Stiftung nicht nachvollziehbare Kostenposten aufwies.[50] Ein Gutachter stützte Meschars Vorwurf, dass das Gebäude zu teuer erworben worden sei und gab an, dass die Kaufsumme 120.000–150.000 Euro über dem tatsächlichen Wert des Gebäudes lag.[56] Meschar erhob ferner den Vorwurf, dass ihr entgegen dem Stiftungszweck, der in ihrer Versorgung liegt,[57] pro Jahr nur zwischen fünf- und sechstausend Euro ausgezahlt wurden und die Stiftung nicht zur Finanzierung eventuell erforderlicher Pflegeleistungen in der Lage wäre.[51]

Graf wies alle Vorwürfe zurück; er sprach von „parteipolitischer Dreckschleuder“, wolle dem anhängigen Gerichtsverfahren allerdings „nicht vorgreifen“. Die FPÖ sah die Vorwürfe als unrichtig dargestellt.[58][59]

In weiterer Folge trat Graf als Vorstand der Privatstiftung zurück. Die von den anderen Parlamentsparteien vorgebrachte Forderung nach einem Rücktritt als dritter Nationalratspräsident wies er zurück.[60] Im Zuge der Diskussion über Grafs Verhalten wurde bekannt, dass Graf auf der Liste der FPÖ-Kandidaten für die Nationalratswahlen 1994 und 1999 als „Rechtsanwalt“ bezeichnet wurde, obwohl er die entsprechende Prüfung nie abgelegt hatte. Graf erklärte dazu, dass er nie eine falsche Berufsbezeichnung verwendet habe, weder auf seinen Zustimmunsgerklärungen zur Kandidatur bei Wahlen noch sonstwo. Er könne es sich nicht erklären, warum er auf den Wahlvorschlägen als Rechtsanwalt ausgewiesen worden sei. Offenbar sei im Bereich der Erstellung, Übermittlung oder Veröffentlichung der Liste ein Fehler passiert, so Graf.[61]

Im Juli 2012 wurde eine vom Handelsgericht Wien beauftragte Stellungnahme des Wirtschaftsprüfers der Stiftung veröffentlicht.[62] Darin wurden im Wesentlichen die Vorwürfe der Stifterin zurückgewiesen.[63] Demnach konnte nicht festgestellt werden, dass die Erfüllung des Stiftungszweckes durch Veranlagungspolitik und Kreditaufnahme gefährdet worden wäre. Weiters wurde der Vorwurf widerlegt, dass die Ausschüttung an die Stifterin mit 5.000 Euro pro Jahr zu gering sei, vielmehr hätte diese zwischen 7.800 und 13.800 Euro pro Jahr betragen. Ebenso wurde festgestellt, dass ein Schaden bzw. Vermögensverlust durch den Kauf der Liegenschaft Billrothstraße, in dem die Gastwirtschaft des Bruders des Beschuldigten eingemietet ist, nicht eingetreten war. Der Vorwurf, bei dem beanstandeten Verkauf einer Liegenschaft in Essling sei ein zu geringer Kaufpreis erzielt worden, kann laut Gutachten aus den vorliegenden Unterlagen nicht abgeleitet werden. Graf erklärte dazu, dass nun erwiesen sei, dass er niemandem ein Vermögen weggenommen und die Stiftung völlig korrekt geführt habe.[62]

Im September 2012 nahm die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Betrugs gegen Graf auf. Grafs Rechtsanwalt hielt dem entgegen, dass die Betrugs- und Untreuevorwürfe haltlos wären.[64] Das Oberlandesgericht Wien beurteilte in einem, im Juni 2013 veröffentlichten, Beschluss die Tätigkeit Grafs und der beiden weiteren Stiftungsvorstände als „grobe Pflichtverletzung“. Dabei nahm das Gericht insbesondere Bezug auf den Erwerb von Hausanteilen, wodurch der eigentliche Stiftungszweck, die Absicherung der Stifterin durch liquide finanzielle Mittel, gefährdet wurde. Zudem sahen die Richter in der Vermietung des unter Grafs Leitung gekauften Hausanteils an seinen Bruder einen möglichen Interessenkonflikt. Die Vorstände der Stiftung wären demnach abzuberufen, wenn sie nicht bereits zurückgetreten wären.[65] Graf ließ dazu über seinen Sprecher ausrichten, dass er zur Kenntnis nehme, dass das Gericht das so sieht; er sei aber nach wie vor der Meinung, richtig gehandelt zu haben.[66]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Pleiten, Betrug und BAWAG. Schonungslos aufgedeckt – die Enthüllungen des Banken-Untersuchungsausschusses (= Zur Zeit-Edition. Band 11). W3-Verlagsgesellschaft, Wien 2008, ISBN 978-3-900052-13-3
  • (Hrsg.): 150 Jahre Burschenschaften in Österreich. Gestern, heute, morgen. Ares-Verlag, Graz 2009, ISBN 978-3-902475-82-4
  • mit Anneliese Kitzmüller (Hrsg.): Die Wiederaufbauleistungen der Altösterreicher in der Zweiten Republik. Unzensuriert/Verein zur Förderung der Medienvielfalt, Wien 2010, ISBN 978-3-9502849-1-1

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c d e Website von Martin Graf: Vorstellung (Internet Archive)
  2. Heribert Schiedel & Martin Tröger: Zum deutschnationalen Korporationswesen in Österreich. Website des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (PDF; 164 kB)
  3. Martin Graf im Chat: „Mensuren sind zeitlos“. In: Die Presse. 29. Oktober 2008
  4. Freiheitliches Pressereferat: Graf: Plattform „SOS Grundrechte und Demokratie“. 2. Mai 2002
  5. FP-Verbindungsstudenten wollen nicht länger als Neofaschisten gelten. In: Der Standard. 2. Mai 2002
  6. BM für Verkehr, Innovation und Technologie: Anfragebeantwortung GZ. BMVIT-12.500/0006-I/PR3/20 (PDF; 38 kB)
  7. FC Hellas Kagran: Daten und Geschichte
  8. Bundesministerium für Inneres: Nationalratswahl 2008, Bewerberinnen und Bewerber auf Landesparteilisten und Regionalparteilisten: Wien (PDF; 109 kB)
  9. Harald Walser: Warum Martin Graf nicht wählbar ist! 21. Oktober 2008
  10. Regina Pöll: Eine stete Graf-Wanderung. In: Die Presse. 4. Juni 2012
  11. Website von Martin Graf: Parlament (Internet Archive)
  12. a b Freiheitlicher Parlamentsklub – FPÖ: Presseerklärung – NAbg Dr. Martin Graf zu seiner Kandidatur für das Amt des 3. Präsidenten des österreichischen Nationalrats. 16. Oktober 2008
  13. Beitragsliste auf Unzensuriert.at
  14. Schlagabtausch zwischen Graf und Prammer, Artikel auf ORF.at vom 30. Mai 2013
  15. Graf kandidiert nicht mehr für FPÖ, auf orf.at, abgerufen am 27. Juni 2013
  16. Christa Zöchling: Graf war Saalschutz für deutschen Neonazi. In: profil. 4. Oktober 2008
  17.  Verpißt euch, bitte. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1997, S. 54–55 (online).
  18. Peter Mayr: Grüne fordern Hausverbot für umstrittenen Redner. In: Der Standard. 14. April 2009
  19. „Alter Herr“ macht blaue Karriere. In: Die Presse. 1. Oktober 2010
  20. Mauthausen Komitee Österreich: Keine Wahl des „Olympia“-Burschenschafters Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten. 10. Oktober 2008
  21. a b c d Mauthausen Komitee Österreich: Offener Brief an die Abgeordneten von SPÖ, ÖVP, Grüne. 24. Oktober 2008
  22. ÖH: Bundesvertretungsbeschluss gegen Graf als 3. Nationalratspräsidenten. 27. Oktober 2008
  23. ÖGB: GPA-djp Jugend: Martin Graf darf nicht Dritter Nationalratspräsident werden. 27. Oktober 2008
  24. a b „Nazidreck“: Graf will Mitarbeiter behalten. In: Die Presse. 7. Jänner 2012
  25. Berührungspunkte zu Rechtsextremen. In: ORF. 23. Juni 2012
  26. a b c d Grüne attackieren das Team um Martin Graf. In: Der Standard. 29. Dezember 2008
  27. siehe Gegendarstellung im profil, Nr. 16, 10. April 2009, S. 30
  28. Neues von ganz Rechts: Burschen im „Sommerlager“ („Olympia“). In: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Juli 2005
  29. Einschlägige Post an Ploner in „Ostmark“: Graf-Mitarbeiter bestellte bei Nazi-Shop. In: profil. 3. Jänner 2011
  30. a b Nationalrat: „Befreien Sie uns von diesem Nazi-Dreck!“ In: Die Presse. 21. Jänner 2009
  31. „Bin unglücklich über die Debatte“: Barbara Prammer über den Fall Martin Graf. In: profil. 19. Jänner 2009
  32. Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten auf Parlamentsrampe. In: Der Standard. 29. Oktober 2008
  33. Michael Möseneder: Graf-Adlatus bei rechter Randale. In: Der Standard. 14. Juni 2009
  34. Grafs Mitarbeiter verlassen Parlament. In: Der Standard. 27. Mai 2009
  35. a b Emil Bobi: Sekretär von Martin Graf wurde von seiner Burschenschaft ausgeschlossen. In: profil. 18. September 2010
  36. http://www.watv.at/siegerlisten/2006_korporationswk.pdf
  37. Graf-Mitarbeiter verlassen Parlament. In: ORF. 27. Mai 2009
  38. Umstrittener Graf-Mitarbeiter hat gekündigt. In: Der Standard. 9. Dezember 2011
  39. a b Wolfgang Zaunbauer: Wer foult wen beim FC Hellas Kagran? In: Wiener Zeitung. 22. Jänner 2009
  40. Staatsanwalt beantragt Grafs Auslieferug. In: ORF. 11. Februar 2009
  41. Parlament: Ersuchen der Staatsanwaltschaft Wien um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Dritten Präsidenten des Nationalrates Mag. Dr. Martin Graf
  42. Dritter Präsident Graf ausgeliefert. In: Der Standard. 12. März 2009
  43. Dr. Martin Graf an die Mitglieder des Immunitätsausschusses. In: Unzensuriert.at. 25. Februar 2009 (PDF; 25 kB)
  44. „Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus“. In: Der Standard. 27. Mai 2009 (mit Faksimile; PDF; 164 kB)
  45. Florian Klenk: Wie Martin Graf Politik mit Strafrecht verwechselt. In: Florian Klenks Erkundungen. 3. Juni 2009 (mit einem ergänzenden Kommentar von Gerhard Oberschlick)
  46. Conrad Seidl & Michael Völker: Faymann und Spindelegger fordern Grafs Rücktritt – Er will bleiben. In: Der Standard. 27. Mai 2009
  47. Muzicant: Bedingungen für Treffen mit Graf. In: ORF. 3. Juni 2009
  48. Muzicant bereit für „Friedensgipfel“: IKG- Präsident stellt aber Forderungen an Graf. In: profil. 3. Juni 2009
  49. Muzicant: Kein Treffen mit Martin Graf. In: Die Presse. 27. August 2009
  50. a b c d Conny Bischofberger: Gertrud Meschar: „Ich bin jetzt eine arme Pensionistin“. In: Kronen Zeitung. 2. Juni 2012
  51. a b c Regina Pöll: Stifterin: Von Graf „überrumpelt“. In: Die Presse. 30. Mai 2012
  52. Auszug aus dem Zentralen Vereinsregister für Unzensuriert - Verein zur Förderung der Medienvielfalt zum Stichtag 9. Juni 2012
  53. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz laut den Wirtschaftskammern Österreichs
  54. Martin Graf verteidigt Einmietung von unzensuriert.at. In: Der Standard. 24. Mai 2012
  55. Dominik Sinnreich: Café Graf: Bruder löste Mietproblem. In: Kurier. 31. Mai 2012
  56. Christian Böhmer & Dominik Sinnreich: Martin Graf: Rückzug auf Raten. In: Kurier. 5. Juni 2012
  57. Maria Sterkl: Anwalt: Graf hat Pflicht als Vorstand „grob verletzt“. In: Der Standard. 25. Mai 2012
  58. 90-Jährige wirft Martin Graf Täuschung vor. In: Die Presse. 23. Mai 2012, abgerufen am 27. April 2013.
  59. Graf unter Beschuss: Stiftungssumme „unüblich gering“. In: Die Presse. 23. Mai 2012, abgerufen am 27. April 2013.
  60. Martin Graf verlässt nach Vorwürfen den Stiftungsvorstand. In: Die Presse. 4. Juni 2012, abgerufen am 27. April 2013.
  61. Wahl-Listen: Graf kandidierte als falscher Rechtsanwalt. In: Der Standard. 8. Juni 2012
  62. a b Gericht beauftragte Wirtschaftsprüfer. In: ORF. 22. Juli 2012
  63. Martin Graf sieht sich durch Gutachten entlastet. In: Format. 22. Juli 2012
  64. Die Presse: Stiftungs-Causa Stiftungs-Causa: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Graf, 4. September 2012
  65. profil: Gerichtsurteil bescheinigt Martin Graf „grobe Pflichtverletzungen“, 14. Juni 2013
  66. OLG über Causa Graf: „Grobe Pflichtverletzungen“ auf orf.at, abgerufen am 14. Juni 2013
  67. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  68. Biographie Grafs auf der Website des Parlaments