Martin Haase

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Martin Haase (2009)

Martin „Maha“ Haase (* 25. Oktober 1962 in Dortmund) ist ein deutscher Romanist, Linguist und Podcaster.

Leben[Bearbeiten]

Haase machte 1982 sein Abitur am Helene-Lange-Gymnasium in Dortmund-Hombruch. Bis 1988 studierte er in Toulouse und Köln allgemeine Sprachwissenschaft, Romanistik und historisch-vergleichende Sprachwissenschaft. Anschließend schrieb er seine Doktorarbeit über Sprachkontakt und Sprachwandel im Baskenland. Die Einflüsse des Gaskognischen und Französischen auf das Baskische,[1] mit der er 1991 promovierte.

Nach einem Aufenthalt an der Universität Hamburg wurde Haase im Jahre 1992 Assistent an der Universität Osnabrück. 1997 habilitierte er sich mit einer Arbeit mit dem Titel Dialektdynamik in Mittelitalien. Sprachveränderungsprozesse im umbrischen Apenninenraum.[2] Anschließend nahm er Vertretungsprofessuren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie an der Freien und der Technischen Universität Berlin wahr.

Im Jahre 2001 wurde er auf eine Professur an der Universität Bremen berufen. Schon im folgenden Jahr wechselte er auf einen Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, wo er seitdem lehrt.

Esperanto[Bearbeiten]

Als Schüler lernte Haase Esperanto. Er engagierte sich in der Deutschen Esperanto-Jugend und war von 1988 bis 1990 ihr Bundesvorsitzender.

Wikimedia[Bearbeiten]

Haase engagiert sich für Open-Source- und Open-Content-Projekte. 2005 und 2006 war Haase Beisitzer im Vorstand von Wikimedia Deutschland. In späteren öffentlichen Stellungnahmen hat er Entwicklungen in der deutschen Wikipedia kritisiert, wie beispielsweise die Tendenz zu Sammelartikeln, die die Verwendung von Interwiki-Links erschweren oder die Übernahme von Relevanzkriterien, wie sie der Brockhaus verwendet.[3]

CCC[Bearbeiten]

Martin Haase hält einen Vortrag auf dem 30C3 in Hamburg (2013).

Martin Haase ist Mitglied im Chaos Computer Club (CCC). Seit dem 18. Januar 2009 ist Haase ERFA-Repräsentant im Vorstand des Chaos Computer Clubs.[4] Er hat auf mehreren CCC-Kongressen Vorträge gehalten, unter anderem zum Thema Sprache.[5]

Piratenpartei[Bearbeiten]

Seit 2009 ist Haase Mitglied der Piratenpartei,[6][7] wo er sich an vielen erfolgreichen Liquid Feedback-Anträgen beteiligt hat und Inhaber einer dreistelligen Anzahl von Stimmdelegationen ist. In der medialen Berichterstattung wurde er deshalb als einflussreicher Basispirat bezeichnet.[8]

Autor[Bearbeiten]

In einem eigenen Blog schreibt Haase seit 2005[9] über verschiedene Themen.

Seit 2010 betreibt er mit dem Journalisten Kai Biermann den Blog neusprech.org,[10][11] der 2011 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung ausgezeichnet wurde.[12] Zu den Themen des Blogs haben die Autoren 2012 das Buch Sprachlügen. Unworte und Neusprech von „Atomruine“ bis „zeitnah“ im Fischer Verlag veröffentlicht.[13]

Podcaster[Bearbeiten]

Zu den Themen Wikipedia, Rhetorik und Sprachen war Haase mehrmals zwischen 2007 und 2012 Gast im Podcast Chaosradio Express.[14] [15] [16] [17][18]

Seit 2010 berichtet Haase über die Piratenpartei bzw. Themen der Piratenpartei in seinem Podcast Klabautercast,[19] der unabhängig von der Piratenpartei ist. Ein häufiges Thema des Podcasts sind Kontroversen beim Einsatz von Liquid Democracy in der Piratenpartei. Mehrfacher Interviewpartner war Christopher Lauer.

In seinem Podcast Leet-Kultur[20] behandelt Martin Haase mit wechselnden Interviewpartnern kulturelle Themen. Der Namensteil Leet (bzw. 1337) bezieht sich auf den Netz-Jargon Leetspeak - passend zum Subtitel Kultur aus der Nerdperspektive. Die einzelnen Episodentitel enthalten oft Wörter, die selten benutzt und deshalb am Anfang aus sprachwissenschaftlicher Sicht erläutert werden.

Liquid Democracy[Bearbeiten]

Neben seinem parteilichen Engagement im Liquid Feedback System der Berliner Piratenpartei und dem Einsatz für eine Ausweitung solcher direkten Beteiligungsmöglichkeiten in der Piratenpartei ist Haase seit 2009 auch Mitglied im überparteilichen Verein Liquid Democracy e.V.,[21] der unabhängig von konkreten Software-Implementationen agiert.

Weitere Vereinsmitgliedschaften[Bearbeiten]

Haase ist Mitglied im Verein FoeBuD,[22] der sich mit digitalen Bürgerrechten, wie beispielsweise Datenschutz beschäftigt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Respekt: die Grammatikalisierung von Höflichkeit. LINCOM Europa, München/ Newcastle 1994, ISBN 3-929075-17-2.
  • Sprachtypologie. Eine Einführung in die Erforschung der Vielfalt der Sprachen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-26521-5.
  • Italienische Sprachwissenschaft. Eine Einführung. Narr, Tübingen 2007, ISBN 978-3-8233-6290-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Haase – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Sprachkontakt und Sprachwandel im Baskenland. Die Einflüsse des Gaskognischen und Französischen auf das Baskische. Buske, 1992, ISBN 3-87548-021-X.
  2.  Martin Haase: Dialektdynamik in Mittelitalien. Sprachveränderungsprozesse im umbrischen Apenninenraum. Stauffenburg-Verlag, Tübingen 1999, ISBN 3-86057-083-8.
  3. "Wikipedia ist in einer Sackgasse", Interview von Kai Biermann mit Martin Haase, Zeit Online, 13. Januar 2011
  4. Vorstand des CCC e.V.
  5. Die Koalition setzt sich aber aktiv und ernsthaft dafür ein, Vortrag über Neusprech auf dem Chaos Communication Congress 2011 (28c3) in Berlin
  6. Cicero, Interview mit Martin Haase, 17. April 2012
  7. Mitgliedsseite im Piratenwiki
  8. Sven Becker: Digitale Eminenz. In: Der Spiegel. Nr. 9, 27. Februar 2012, S. 32.
  9. persönlicher Blog von Martin Haase
  10. neusprech.org
  11. Erik Wenk: Linguistik-Professor über Politsprech: „Strategie, um Nebel zu erzeugen“. In: die tageszeitung. 17. Dezember 2012.
  12. Grimme Online Award: Preisträger 2011. Abgerufen am 26. September 2012.
  13.  Martin Haase und Kai Biermann: Sprachlügen. Unworte und Neusprech von „Atomruine“ bis „zeitnah“.. Fischer Taschenbuch, 2012, ISBN 978-3-596-19497-1.
  14. CRE041 mit Martin Haase über Sprachen
  15. CRE043 mit Martin Haase über Wikipedia
  16. CRE081 mit Martin Haase über Neusprech
  17. CRE093 mit Martin Haase über Kritik an der deutschen Wikipedia
  18. CRE190 mit Martin Haase über Rhetorik
  19. Klabautercast - Podcast von Martin Haase
  20. Leet-Kultur - Podcast von Martin Haase
  21. Klabautercast Episode 117 vom 4. Mai 2013, ab 0:15:55 (MP3; 76,8 MB)
  22. Politischer Immaterialismus - Interview von Stefan Höltgen mit Martin Haase in Telepolis