Martin Sonneborn

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Martin Sonneborn, MEP, in Straßburg (2014)

Martin Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Journalist, Satiriker und Politiker. Bei der Europawahl 2014 wurde er als Spitzenkandidat der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt.

Werdegang[Bearbeiten]

Sonneborn, der einen Bruder hat, wuchs als Sohn eines Berufsberaters und einer Hausfrau auf.[1] Er ging auf die Ursulaschule, ein katholisches Privatgymnasium in Osnabrück,[2] an der er auch sein Abitur ablegte. Nach dem Grundwehrdienst und dem Abschluss einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann in Osnabrück, studierte er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien und Berlin. Seine Magisterarbeit schrieb er über das Satiremagazin Titanic und die Wirkungsmöglichkeiten von Satire. 1995 machte er ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel und arbeitete anschließend als Redakteur bei der Konkurrenzzeitschrift Titanic, deren Chefredakteur er 2000 wurde. Dieses Amt gab er im Oktober 2005 an seinen Redaktionskollegen Thomas Gsella ab. Seit November 2006 ist Sonneborn verantwortlicher Redakteur der Satirerubrik Spam auf Spiegel Online. In seiner Tätigkeit als Politiker ist Sonneborn zudem Bundesvorsitzender der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – „Die PARTEI“, die zwar einerseits parodistisch-satirischen Charakter hat, andererseits aber juristisch eine normale deutsche Partei ist und auch zu Wahlen antritt.

Sonneborn ist bekannt für medienwirksame Aktionen. Hohes Aufsehen erregte sein Bestechungsversuch bei der FIFA; siehe Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte.

Sonneborn trat gemeinsam mit Redaktionskollegen der Titanic mehrfach als vermeintlicher Politiker großer deutscher Parteien auf und parodierte mit fiktiven politischen Positionen und Äußerungen landes- und bundespolitische Wahlkämpfe. Im thüringischen Eisenach trat er als vermeintlicher FDP-Politiker im Straßenwahlkampf auf und verwendete dabei Parolen wie „Deutsche wehrt euch – Wählt FDP“ und „Gib endlich Friedman – Judenfrei und Spaß dabei.“ Hintergrund waren Angriffe des damaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen W. Möllemann auf den Journalisten und Politiker Michel Friedman.[3] In Hessen gab sich Martin Sonneborn 2003 als SPD-Spitzenkandidat Gerhard Bökel aus und leistete in einer Wohnsiedlung mit gefälschten Wahlhandzetteln Basiswahlkampf, indem er von Tür zu Tür ging und sich vorstellte. Den meisten Anwohnern fiel der Schwindel nicht auf.[4] Während des bayerischen Wahlkampfs 2003 trat Martin Sonneborn als SPD-Politiker mit Slogans wie „Mit Anstand verlieren“ und „Wir geben auf“ in Erscheinung. 1998 mobilisierte er als angeblicher Büroleiter von DVU-Chef Gerhard Frey Mirko Mokry und andere frischgewählte DVU-Abgeordnete zum „Marsch auf Berlin“ unter dem Motto „Arbeit macht Frey“ und zur Beschaffung eines Ariernachweises.[5][6] Am 2. August 2004 gründete Sonneborn gemeinsam mit weiteren Redakteuren der Titanic die Partei „Die PARTEI“, als deren Bundesvorsitzender er amtiert und in deren Jargon er „GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten“ genannt wird; siehe Gröfaz. Während des Bundestagswahlkampfs 2005 war Sonneborn in mehreren Fernsehwahlwerbespots zu sehen. Diese wurden von seiner Partei im Vorfeld als „TV-Werbezeit im ZDF“ zur Versteigerung angeboten und enthielten bei Ausstrahlung massive Werbung für das Flugunternehmen Hapag-Lloyd Express. Dies führte zu einer Debatte in den Medien und unter Politikern über eine Verschärfung der Bestimmungen für Wahlwerbespots. Sonneborn erklärte, man habe sich lediglich wie die ARD verhalten: „Auffällig unauffällig Schleichwerbung platzieren.“[7]

Am 2. Oktober 2008 erschien der Kinofilm Heimatkunde, in dem der Dokumentarfilmer Andreas Coerper Sonneborn bei einer Umwanderung Berlins begleitet.[8]

Martin Sonneborn (2009)

Seit dem 26. Mai 2009 ist Sonneborn in der Rolle eines Außenreporters im Ensemble der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Nach der Ausstrahlung eines Interviews zwischen ihm und dem Pharmalobbyisten Peter Schmidt am 14. Mai 2010 geriet die Sendung in die Kritik, da Sonneborn in den Interviewpausen geäußerte Aussagen Schmidts nutzte, obwohl diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Schmidt zeigte sich über die Ausstrahlung verärgert und bezeichnete sie als „echte Schweinerei“, da Sonneborn ihn mit der Anfrage für ein ZDF-Interview gelockt habe, das man „nach Möglichkeit in einer der ‚heute‘-Sendungen, bevorzugt im ‚heute-journal‘, platzieren“ wolle. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, untersagte der Redaktion der heute-show daraufhin, mit den Marken heute und heute-journal zu arbeiten.[9] Diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China löste Sonneborn im Herbst 2009 aus, als er auf der Frankfurter Buchmesse, die in dem Jahr als Partner China hatte, ahnungslosen chinesischen Schriftstellern Sätze über Menschenrechtsverletzungen in den Mund legte.[10][11]

Eine für den 4. Oktober 2009 geplante Ausstrahlung einer Folge der Sendung Zimmer frei! mit Sonneborn als Gast wurde vom WDR nicht wie vorgesehen ausgestrahlt. Eine Sendersprecherin erklärte, Sonneborn hätte in der Sendung als Privatmann auftreten sollen, stattdessen habe er sich nur in die Rolle des „Die PARTEI“-Chefs begeben. Beim WDR war man der Meinung, dass dies für eine 60-Minuten-Sendung uninteressant und nicht lustig gewesen sei. Sonneborn bestätigte, dass es von Seiten des WDR die Bitte gab, nicht als „Die PARTEI“-Vorsitzender aufzutreten, jedoch habe man ihm auch die Freiheit gelassen, in der Sendung zu tun, was ihm gefällt. Sonneborn war der Ansicht, Moderatorin Christine Westermann sei nicht mit ihm klargekommen. Anschuldigungen, dass die Absetzung der Sendung mit Sonneborns Boykottaufruf der GEZ-Gebühren oder der Bezeichnung von Johannes B. Kerner als überbezahlten Moderator zusammenhänge, entgegnete eine WDR-Sprecherin: „Wenn man den ehemaligen Chefredakteur der Titanic einlädt, dann sicher nicht, um eine politisch korrekte Sendung zu machen“.[12][13] Nach einem medialen Wirbel und zahlreichen Zuschaueranfragen beim WDR wurde die Ausstrahlung schließlich am 20. Oktober 2009 kurz nach Mitternacht nachgeholt.[14]

Zusammen mit den ehemaligen Titanic-Chefredakteuren Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt tritt Martin Sonneborn als Satirikertrio auch unter dem Namen Titanic Boy Group auf.

Nachdem im Januar 2012 bekannt wurde, dass der Verfassungsschutz 27 Abgeordnete der Linkspartei überwacht, beteiligte sich Sonneborn an der Aktion „Hallo, Verfassungsschutz! Überwacht uns auch!“.[15]

Martin Sonneborn (2013)

Die ab 10. Oktober 2013 ausgestrahlte dreiteilige Serie Sonneborn rettet die Welt auf ZDFneo[16] wurde 2014 mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.[17]

Bei der Europawahl in Deutschland 2014 wurde er als Spitzenkandidat der PARTEI zum Abgeordneten des Europäischen Parlaments gewählt.[18]

Privatleben[Bearbeiten]

Sonneborn ist mit einer Armenierin verheiratet und hat zwei Töchter.[1][19][20]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Filmographie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Sonneborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Der komische Mann. Britta Stuff, Berliner Morgenpost, 11. Juli 2010.
  2. Daniel Benedict: Friedensschinken versaut die politische Botschaft: Partei-Mann Martin Sonneborn. In Neue Osnabrücker Zeitung, 15. September 2011.
  3. Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 18ff
  4. Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 30ff
  5. D ie V olltrottel- U nion. In: Hamburger Morgenpost, 15. Mai 1998.
  6. Titanic, Ausgabe 05/1998
  7. Martin Sonneborn: Das PARTEI Buch, Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 145ff
  8. Heimatkunde – Homepage zum Film
  9. ZDF-Programmchef rügt „heute-show“ In: Spiegel Online, 21. Mai 2010.
  10. Andreas Lorenz: China wirft deutschen Medien vulgäre Berichterstattung vor. In: Spiegel Online, 22. Dezember 2009.
  11. Antje Hildebrandt: Martin Sonneborn testet im ZDF die Grenzen der Satire aus. In Hannoversche Allgemeine, 24. Juni 2010.
  12. WDR: Sonneborn ist nicht lustig. In Der Tagesspiegel, 9. Oktober 2009
  13. Ingo Juknat: Wie Martin Sonneborn bei „Zimmer frei!“ den Fiesling gab. In: DerWesten, 23. Oktober 2009.
  14. Umstrittene „Zimmer frei!“-Folge mit Martin Sonneborn wird am kommenden Dienstag ausgestrahlt. Pressemitteilung Westdeutscher Rundfunk, 14. Oktober 2009.
  15. Michael Brake, Meike Laaff: Hallo, Verfassungsschutz! Überwacht uns auch! In: die tageszeitung, 27. Januar 2012.
  16. http://www.zdf.de/Sonneborn-rettet-die-Welt/Sonneborn-rettet-die-Welt-29843086.html
  17. Grimme-Institut: Begründung der Jury, ohne Datum. Abgerufen am 5. April 2014.
  18. »Ich betreibe jetzt ernsthaft EU-Politik«, jungewelt.de vom 29. Juli 2014.
  19. Unser Gast vom 22.03.2009: Martin Sonneborn, Satiriker, „Gästeliste" zum Gespräch mit Hajo Schumacher. Deutsche Welle, 22. März 2009.
  20. Martin Sonneborn, Internationales Biographisches Archiv 06/2009 vom 3. Februar 2009, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 35/2013, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 29. November 2013. (Artikelanfang frei abrufbar)