Martin Sonneborn
Martin Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Journalist, Satiriker und Politiker.
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Werdegang [Bearbeiten]
Sonneborn ging auf die Ursulaschule, eine katholische Privatschule in Osnabrück,[1] an der er auch sein Abitur ablegte. Danach studierte er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien und Berlin. Seine Magisterarbeit schrieb er über „Titanic“ und die Wirkungsmöglichkeiten von Satire. 1995 machte er ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel und arbeitete anschließend als Redakteur bei Titanic, deren Chefredakteur er 2000 wurde. Dieses Amt gab er im Oktober 2005 an seinen Redaktionskollegen Thomas Gsella ab. Seit November 2006 ist Sonneborn verantwortlicher Redakteur der Satire-Rubrik Spam auf Spiegel Online. In seiner Tätigkeit als Politiker ist Sonneborn Bundesvorsitzender (im Jargon der Partei: GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten; zum Begriff siehe Gröfaz) der Satire-Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – „Die PARTEI“.
Sonneborn ist bekannt für medienwirksame Aktionen. Hohes Aufsehen erregte sein Bestechungsversuch bei FIFA, siehe Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte.
Sonneborn trat gemeinsam mit Redaktionskollegen der Titanic mehrfach als vermeintlicher Politiker großer deutscher Parteien auf und parodierte mit fiktiven politischen Positionen und Äußerungen landes- und bundespolitische Wahlkämpfe. Im thüringischen Eisenach trat Sonneborn als vermeintlicher FDP-Politiker im Straßenwahlkampf auf und verwendete dabei Parolen wie „Deutsche wehrt euch – Wählt FDP“ und „Gib endlich Friedman – Judenfrei und Spaß dabei.“ Hintergrund waren Angriffe des damaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen W. Möllemann auf den Journalisten Michel Friedman.[2] In Hessen gab sich Martin Sonneborn 2003 als SPD-Spitzenkandidat Gerhard Bökel aus und leistete in einer Wohnsiedlung mit gefälschten Wahlhandzetteln Basiswahlkampf, indem er von Tür zu Tür ging und sich vorstellte. Den meisten Anwohnern fiel der Schwindel nicht auf.[3] Während des bayerischen Wahlkampfs 2003 trat Martin Sonneborn als SPD-Politiker mit Slogans wie „Mit Anstand verlieren“ und „Wir geben auf“ in Erscheinung. 1998 mobilisierte er als angeblicher Büroleiter von DVU-Chef Gerhard Frey Mirko Mokry und andere frischgewählte DVU-Abgeordnete zum „Marsch auf Berlin“ unter dem Motto „Arbeit macht Frey“ und zur Beschaffung eines Ariernachweises.[4][5] Am 2. August 2004 gründete Sonneborn gemeinsam mit weiteren Redakteuren der Titanic die Partei Die PARTEI, als deren Bundesvorsitzender er amtiert. Deswegen wird er mitunter als Politclown bezeichnet.[6] Während des Bundestagswahlkampfs 2005 war Sonneborn in mehreren TV-Wahlwerbespots zu sehen. Diese wurden von der PARTEI im Vorfeld als „TV-Werbezeit im ZDF“ zur Versteigerung angeboten und enthielten bei Ausstrahlung massive Werbung für das Flugunternehmen Hapag-Lloyd Express. Dies führte zu einer Debatte in den Medien und unter Politikern über eine Verschärfung der Bestimmungen für Wahlwerbespots. Sonneborn erklärte, man habe sich lediglich wie die ARD verhalten: „Auffällig unauffällig Schleichwerbung platzieren.“[7]
Am 2. Oktober 2008 erschien der Kinofilm Heimatkunde, in dem der Dokumentarfilmer Andreas Coerper Sonneborn bei einer Umwanderung Berlins begleitet.[8]
Seit dem 26. Mai 2009 ist Sonneborn in der Rolle eines Außenreporters im Ensemble der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Nach der Ausstrahlung eines Interviews zwischen ihm und dem Pharmalobbyisten Peter Schmidt am 14. Mai 2010 geriet die Sendung in die Kritik, da Sonneborn in den Interviewpausen geäußerte Aussagen Schmidts nutzte, obwohl diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Schmidt zeigte sich über die Ausstrahlung verärgert und bezeichnete sie als „echte Schweinerei“, da Sonneborn ihn mit der Anfrage für ein ZDF-Interview gelockt habe, das man „nach Möglichkeit in einer der ‚heute‘-Sendungen, bevorzugt im ‚heute-journal‘ platzieren“ wolle. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, untersagte der Redaktion der heute-show daraufhin mit den Marken heute und heute-journal zu arbeiten.[9] Diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und China löste Sonneborn im Herbst 2009 aus, als er auf der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr als Partner China hatte, ahnungslosen chinesischen Schriftstellern Sätze über Menschenrechtsverletzungen in den Mund legte.[10][11]
Eine für den 4. Oktober 2009 geplante Ausstrahlung einer Folge der Sendung Zimmer frei! mit Sonneborn als Gast wurde vom WDR nicht wie vorgesehen ausgestrahlt. Eine Sendersprecherin erklärte, Sonneborn hätte in der Sendung als Privatmann auftreten sollen, stattdessen habe er sich nur in die Rolle des „Die PARTEI“-Chefs begeben. Beim WDR war man der Meinung, dass dies für eine 60-Minuten-Sendung uninteressant und nicht lustig gewesen wäre. Sonneborn bestätigte, dass es von Seiten des WDR die Bitte gab, nicht als „Die PARTEI“-Vorsitzender aufzutreten, jedoch hätte man ihm auch die Freiheit gelassen, in der Sendung zu tun, was ihm gefällt. Sonneborn war der Ansicht, Moderatorin Christine Westermann wäre nicht mit ihm klargekommen. Anschuldigungen, dass die Absetzung der Sendung mit Sonneborns Boykott-Aufruf der GEZ-Gebühren oder der Bezeichnung von Johannes B. Kerner als überbezahlten Moderator zusammenhängen würde, entgegnete eine WDR-Sprecherin: „Wenn man den ehemaligen Chefredakteur der Titanic einlädt, dann sicher nicht, um eine politisch korrekte Sendung zu machen“.[12][13] Nach einem medialen Wirbel und zahlreichen Zuschaueranfragen beim WDR wurde die Ausstrahlung schließlich am 20. Oktober 2009 nachgeholt.[14]
Zusammen mit den ehemaligen Titanic-Chefredakteuren Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt tritt Martin Sonneborn als Satiriker-Trio auch unter dem Namen Titanic Boygroup auf.
Nachdem im Januar 2012 bekannt wurde, dass der Verfassungsschutz 27 Abgeordnete der Linkspartei überwacht, beteiligte sich Sonneborn an der Aktion „Hallo, Verfassungsschutz! Überwacht uns auch!“.[15]
Veröffentlichungen [Bearbeiten]
- „Ich tat es für mein Land.“ Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte: Protokoll einer erfolgreichen Bestechung. Bombus, München 2005, ISBN 3-936261-37-7.
- Das PARTEI-Buch: Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 3-462-04090-1.
- Das PARTEI-Hörbuch. Gelesen von Serdar Somuncu, Realisation: Pe Simon. WortArt, Köln 2009 (2 CDs + Booklet), ISBN 978-3-8371-0255-0.
- Heimatkunde: Eine Expedition in die Zone. (Co-Autor: Andreas Coerper) Ullstein Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-550-08791-2.
- (Hrsg.) Ich will auch mal Kanzler werden … 999 Fotowitze aus der Berliner Republik. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04257-3.
- (mit Benjamin Schiffner): Quatsch: Und mehr. Kiepenheuer & Witsch, 2012, ISBN 978-3-462-04475-1.
Filmographie [Bearbeiten]
- 2008: Heimatkunde
- 2009: Die PARTEI
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Martin Sonneborn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Martin Sonneborn in der Internet Movie Database (englisch)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Friedensschinken versaut die politische Botschaft: Partei-Mann Martin Sonneborn in Neue Osnabrücker Zeitung vom 15. September 2011
- ↑ Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 18ff
- ↑ Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 30ff
- ↑ Satire-Magazin „Titanic“ foppte die DVU: D ie V olltrottel- U nion. In: Hamburger Morgenpost vom 15. Mai 1998
- ↑ Titanic, Ausgabe 05/1998
- ↑ Martin Sonneborn im Gespräch: „Ein Todesurteil gegen mich“ in Süddeutsche Zeitung vom 21. Juli 2010
- ↑ Martin Sonneborn: Das PARTEI Buch, Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 145ff
- ↑ Heimatkunde – Homepage zum Film
- ↑ Wegen Tricks bei Interview: ZDF-Programmchef rügt „heute-show“ in Spiegel Online vom 21. Mai 2010
- ↑ Satire-Missverständnis: China wirft deutschen Medien vulgäre Berichterstattung vor in Spiegel Online vom 22. Dezember 2009
- ↑ „heute-show“: Martin Sonneborn testet im ZDF die Grenzen der Satire aus in Hannoversche Allgemeine vom 24. Juni 2010
- ↑ Unfreiwillige Satire – WDR: Sonneborn ist nicht lustig in Der Tagesspiegel vom 9. Oktober 2009
- ↑ Wie Martin Sonneborn bei „Zimmer frei!“ den Fiesling gab in DerWesten vom 23. Oktober 2009
- ↑ Umstrittene „Zimmer frei!“-Folge mit Martin Sonneborn wird am kommenden Dienstag ausgestrahlt, Pressemitteilung Westdeutscher Rundfunk vom 14. Oktober 2009
- ↑ Hallo, Verfassungsschutz! Überwacht uns auch! in die tageszeitung vom 27. Januar 2012
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sonneborn, Martin |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Satiriker und Politiker (Die PARTEI) |
| GEBURTSDATUM | 15. Mai 1965 |
| GEBURTSORT | Göttingen |