Martin van Creveld

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Martin van Creveld (2008)

Martin Levi van Creveld (hebräisch ‏מרטין ון קרפלד‎; * 5. März 1946 in Rotterdam) ist ein israelischer Militärhistoriker und -theoretiker niederländischer Herkunft. Er ist emeritierter Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er gilt als einer der weltweit führenden Wissenschaftler seines Fachs der Gegenwart.

Leben[Bearbeiten]

Eigenen Angaben zufolge waren ein Onkel und weitere Verwandte Opfer des Holocaust.[1] Van Crefeld wurde 1946 in einer jüdischen Familie im niederländischen Rotterdam der Nachkriegszeit geboren.[1] Seine Eltern waren Anhänger des Zionismus.[1] Nach der Alija 1950 der gesamten Familie in den zuvor gegründeten Staat Israel studierte er von 1964 bis 1969 Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem (HUJI) und erwarb den Master of Arts.[2] 1964 wurde er aus gesundheitlichen Gründen ausgemustert und musste damit keinen Wehrdienst in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften leisten.[3] Von 1969 bis 1971 war er Ph.D. Student in Geschichte an der London School of Economics (LSE).[2] An der Faculty of Humanities am Department of History der Hebräischen Universität Jerusalem war er ab 1971 Lecturer für Geschichte, später wurde er Senior Lecturer (1976), Associate Professor (1982) und Professor (1988).[4] Seit 2008 ist er emeritiert.[4] Derzeit lehrt er in Programmen an der Universität Tel Aviv[5] und der Webster University Geneva.[6]

Darüber hinaus war er in der Vergangenheit als freier Journalist für die Jerusalem Post tätig und Wingate Fellow für Militärgeschichte an der HUJI.[2] Von 1975 bis 1976 hielt er sich für ein Research Fellowship am Department of War Studies am King’s College London auf.[2] Von 1980 bis 1981 war er Stipendiat des Humboldt-Institut in Freiburg im Breisgau.[7] Von 1986 bis 1987 gehörte er dem Lehrkörper der National Defense University in Washington, D.C. an.[7] Von 1991 bis 1992 war er Professor an der Marine Corps University auf der Marine Corps Base Quantico, Virginia.[7] Von 1999 bis 2000 unterrichtete er am Naval War College in Newport, Rhode Island.[7] 2011 war er Gastdozent am Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrum Trier, dessen Vertrag nach Kritik aus der Studierendenschaft vorzeitig aufgelöst wurde.[8] Von 2012 bis 2013 war er Visiting Professor in War Studies am Churchill College der University of Cambridge.[9]

Er ist weltweit als Referent an militärischen und zivilen Einrichtungen, als Publizist (Foreign Affairs, The Jewish Daily Forward usw.), und als Berater u.a. für das Pentagon tätig.[10] Seine Bücher (23) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.[9] Das Werk Supplying War: Logistics from Wallenstein to Patton wurde in die „Professional Reading List“ des Chief of Staff of the Army aufgenommen;[11] damit ist er einer der wenigen Nicht-Amerikaner auf dieser Liste.[9]

Van Creveld ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.[2] Er lebt in Mewasseret Zion, einem Vorort von Jerusalem.[1]

Werk[Bearbeiten]

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Schwerpunkte der publizistischen Tätigkeit van Crevelds sind Militärgeschichte und Strategie. Zu seinen wichtigsten Buchveröffentlichungen hierzu zählen Command in War (1985), Supplying War: Logistics from Wallenstein to Patton (1977) und The Sword and the Olive (Geschichte der israelischen Streitkräfte, 1998). Dieser Thematik nimmt er sich auch in seiner regen Vortragstätigkeit und zahlreichen Aufsätzen an.

In Deutschland ist van Creveld vor allem bekannt geworden durch seine umfassende Arbeit über die deutsche Wehrmacht, deren Kampfkraft und innere Geschlossenheit er – ohne sie moralisch zu beurteilen – als im Vergleich zu den anderen Streitkräften des Zweiten Weltkriegs überlegen einstuft.[12] Hier finden seine Thesen auch Anklang in rechtskonservativen Medien wie der Zeitschrift Sezession und der Wochenzeitung Junge Freiheit, die er auch öffentlich politisch unterstützt. Abgelehnt wird dort jedoch die Feststellung van Crevelds, dass ohne „aktive oder passive (Mit-)Wirkung“ der Wehrmacht der Holocaust „unmöglich gewesen“ wäre.[13] Auch der Deutschen Militärzeitschrift gibt er immer wieder Interviews.[14]

In einem Vortrag im Dezember 2004 in Düsseldorf trug er kontrovers aufgenommene Aussagen für die Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung vor. Seiner Ansicht nach haben sich in den letzten Jahrzehnten lediglich zwei vollkommen entgegengesetzte Ansätze bewährt: zum einen ein defensiver Einsatz überlegener militärischer Kräfte unter strengster Beachtung rechtsstaatlicher Prinzipien und unter Inkaufnahme eigener hoher Opferzahlen, als dessen Beleg er den Einsatz der britischen Armee in Nordirland sieht. Durch jahrelange Geduld sei damit ein Austrocknen des Konfliktes ermöglicht worden. Zum anderen sei ein Ansatz erfolgversprechend, der auf gezielte absolute Repression, Vergeltung und umfassende Einschüchterung setze und zur Abschreckung gerade auf sehr hohe Opferzahlen bei der Zivilbevölkerung abziele. Als Beispiel dafür führt van Creveld die Zerstörung 1982 der mehrheitlich islamistisch orientierten Stadt Hama und die planvolle Tötung bzw. Ermordung einer Vielzahl ihrer Bewohner (darunter auch Kinder) unter dem Präsidenten Hafiz al-Assad an, wodurch jeder Widerstandswille dort dauerhaft gebrochen worden sei – und zwar sehr schnell und ohne große Mittel.[15]

Rezeption[Bearbeiten]

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Van Crevelds Bücher Frauen und Krieg und Das bevorzugte Geschlecht wurden überwiegend kritisch aufgenommen.

Als „Kampfansage an die ‚feministische Ideologie‘“ bezeichnete der Rezensent der FAZ Andreas Platthaus die Ausführungen des Autors in Das bevorzugte Geschlecht. Creveld missfalle, dass sich „die soziale Waagschale immer mehr zuungunsten der Männer neige“. Den Rezensenten ärgern besonders einige Ausführungen van Crevelds, die er nicht anders als „dreist“ bezeichnen könne. Dazu zählen für ihn vor allem van Crevelds Umgang mit dem Thema Vergewaltigung. Creveld bleibe für seine Behauptung, zahlreiche Vergewaltigungen seien nur vorgetäuscht, die empirische Basis schuldig. Spekulativ seien van Crevelds Erörterungen zu Vergewaltigungen von Männern durch Frauen, die nicht beachtet würden, weil Männer nicht schwanger werden können. Nach Creveld gäbe es auch Fälle, in denen dieser Übergriff so gut wie keine Folgen hat, wenn das Vergewaltigungsopfer eine Frau sei. Martin van Creveld: „Dies gilt insbesondere, wenn die Frau sexuell erfahren ist; besonders, wenn sie keinen Widerstand leistet, der Vergewaltiger also keine Gewalt anwenden muß und die Gefahr, verletzt zu werden, sich verringert.“ Platthaus fragt: „Und ist sein Verweis auf ‚sexuell erfahrene Frauen‘ nicht schlicht widerlich zu nennen?“[16]

Die Rezensentin der Süddeutschen Zeitung Franziska Beer befand: „Hier hat sich jemand seinen Frust über die angebliche Bevorzugung von Frauen in Geschichte und Gegenwart von der Seele geschrieben.“

In der NZZ kritisierte Stefanie Peter, dass van Creveld die Forschungslage nur grob im Blick habe und eine Methodik nicht zu erkennen sei. Dafür strotze das Buch vor Polemik bis hin zu Menschenverachtung und Zynismus, etwa wenn er die Anzahl der weiblichen und männlichen Toten in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern gegeneinander aufrechne oder wenn es um das Thema Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch gehe.[17]

Bei Crevelds Buch Das bevorzugte Geschlecht habe man es mit einer Verschwörungstheorie zu tun, bei der sich die Hälfte der Menschheit gegen die andere verbündet habe, befand Christina von Braun in ihrer Rezension im Magazin Cicero. „Das Böse ist immer und überall. Vor allem in weiblicher Gestalt. Egoistisch, arbeitsscheu, ausbeuterisch, feige und dabei noch ewig wehleidig – keines der Argumente, mit denen das weibliche Geschlecht periodisch versehen wurde, fehlt in diesem 500-Seiten-Werk Martin van Crevelds.“[18]

Der antifeministische Männerrechtler Arne Hoffmann hielt in einem Artikel in eigentümlich frei Das bevorzugte Geschlecht für ein „Grundlagenwerk für die Männerbewegung“ im Kampf gegen die von ihm angenommene Diskriminierung von Männern.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1990: Distinguished Book Award der Society for Military History für Technology and War: from 2000 B.C. to the Present[20]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hitler’s Strategy 1940–1941. The Balkan Clue. Cambridge University Press, Cambridge 1973, ISBN 0-521-20143-8.
  • Military Lessons of the Yom Kippur War: Historical Perspectives. Sage Publications, Beverly Hills 1975, ISBN 0-8039-0562-9.
  • Supplying War: Logistics from Wallenstein to Patton. Cambridge University Press, Cambridge 1977, ISBN 0-521-21730-X (2. Auflage, 2004, ISBN 0-521-54657-5)
  • Fighting Power: German and US Army performance, 1939–1945. Greenwood Press, Westport, Conn. 1982, ISBN 0-313-23333-0 (dt: Kampfkraft. Militärische Organisation und militärische Leistung 1939–1945 (= Einzelschriften zur Militärgeschichte, Band 31). Rombach, Freiburg im Breisgau 1989, ISBN 3-7930-0189-X; 2. Auflage, 1992; Kampfkraft. Militärische Organisation und Leistung 1939–1945. Ares Verlag, Graz 2005, ISBN 3-902475-17-X)
  • Command in War. Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1985, ISBN 0-674-14440-6.
  • Technology and War: From 2000 B.C. to the Present. Free Press, New York 1989, ISBN 0-02-933151-X (Paperback, 2001, ISBN 0-02-933153-6).
  • The Training of Officers: From Military Professionalism to Irrelevance. Free Press, New York 1990, ISBN 0-02-933152-8.
  • The Transformation of War. Free Press, New York 1991, ISBN 0-02-933155-2 (dt: Die Zukunft des Krieges. Gerling Akademie Verlag, München 1998, ISBN 3-932425-04-9; 3. überarbeitete Auflage, mit einem Vorwort von Peter Waldmann, Murmann, Hamburg 2004, ISBN 3-938017-14-7)
  • Nuclear Proliferation and the Future of Conflict. Free Press, New York 1993, ISBN 0-02-933156-0.
  • Air Power and Maneuver Warfare, with contributions from Kenneth S. Brower and Steven L. Canby. Air University Press, Alabama 1994, ISBN 1-58566-050-7.
  • The Encyclopedia of Revolutions and Revolutionaries: From Anarchism to Zhou Enlai. Facts on File, New York 1996, ISBN 0-8160-3236-X.
  • The Sword and the Olive: A Critical History of the Israeli Defense Force. Public Affairs, New York 1998, ISBN 1-891620-05-3.
  • The Rise and Decline of the State. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-65629-X (dt: Aufstieg und Untergang des Staates. Gerling Akademie Verlag, München 1999, ISBN 3-932425-13-8)
  • The Art of War: War and Military Thought (= Smithsonian History of Warfare). Cassell, London 2000, ISBN 0-304-35264-0 (Collins/Smithsonian, New York 2005, ISBN 0-06-083853-1).
  • Men, Women, and War: Do Women Belong in the Front Line?. Cassell & Co., London 2001, ISBN 0-304-35959-9 (dt: Frauen und Krieg. Gerling Akademie Verlag, München 2001, ISBN 3-932425-33-2).
  • Moshe Dayan (= Great Commancers). Weidenfeld & Nicolson, London 2004, ISBN 0-297-84669-8.
  • Defending Israel: A Controversial Plan Toward Peace. Thomas Dunne Books/St. Martin’s Press, New York 2004, ISBN 0-312-32866-4.
  • Countering Modern Terrorism: History, Current Issues, and Future Threats: Proceedings of the Second International Security Conference, Berlin, 15–17 December 2004, with Katharina von Knop and Heinrich Neisser. Wbv, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2005, ISBN 3-7639-3309-3.
  • The Changing Face of War: Lessons of combat, from the Marne to Iraq. Presidio Press, New York 2006, ISBN 978-0-89141-901-3 (dt: Gesichter des Krieges. Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-895-3).
  • The Culture of War. Presidio Press, New York 2008, ISBN 978-0-345-50540-8 (dt: Kriegs-Kultur. Warum wir kämpfen. Die tiefen Wurzeln bewaffneter Konflikte. Ares Verlag, Graz 2011, ISBN 978-3-902475-97-8).
  • The Land of Blood and Honey: The Rise of Modern Israel. St. Martin's Press, New York 2010, ISBN 978-0-312-59678-1.
  • The Age of Airpower. Public Affairs, New York 2011, ISBN 978-1-58648-981-6.
  • Wargames: From Gladiators to Gigabytes. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-1-107-03695-6.
  • The Privileged Sex. CreateSpace Independent Publishing Platform (On-Demand Publishing LLC), North Charleston, SC 2013, ISBN 978-1484983126 (dt: Das bevorzugte Geschlecht. Gerling Akademie Verlag, München 2003, ISBN 3-932425-52-9).

Literatur[Bearbeiten]

  • Who’s Who in Israel and Jewish Personalities from All Over the World. 1985–1986. Band 20, Bronfman, Tel Aviv 1985, S. 80.
  • Elizabeth Sleeman (Hrsg.): The International Who’s Who. 2004. Europa Publications, London 2003, ISBN 1-85743-217-7, S. 1723–1724.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Military Martin Striver for a stronger Israel (Interview). In: Jewish Telegraph, 2010.
  2. a b c d e Who’s Who in Israel and Jewish Personalities from All Over the World. 1985–1986. Band 20, Bronfman, Tel Aviv 1985, S. 80.
  3. Hannes Stein: Terroristen werden die Kriege der Zukunft führen. In: Berliner Zeitung, 14. November 1998.
  4. a b Martin van Creveld, Professor of History, Hebräische Universität Jerusalem, abgerufen am 16. März 2014.
  5. Master of Political Science in Security and Diplomacy Studies, Universität Tel Aviv, abgerufen am 16. März 2014.
  6. Professor Martin van Creveld at Webster, Webster University Geneva, abgerufen am 16. März 2014.
  7. a b c d Elizabeth Sleeman (Hrsg.): The International Who’s Who. 2004. Europa Publications, London 2003, ISBN 1-85743-217-7, S. 1723–1724.
  8. Markus Böhm: Vortrags-Panne: Uni Trier brüskiert renommierten Kriegsforscher. SPON, 27. Oktober 2010.
  9. a b c Institute for Strategic Dialogue (Hrsg.): Humanitas Visiting Professorships Annual Report 2012–13. London 2012, S. 23–24 (PDF).
  10. Burkhard Bischof: Creveld: Kriege gegen Iran? „Das wäre das nächste US-Desasters“ (Interview). Die Presse.com, 5. Mai 2006.
  11. The U.S. Army Chief of Staff's Professional Reading List, Ausgabe 2014, U.S. Army Center Of Military History, Fort McNair, o.S. (PDF)
  12. Martin van Creveld Kampfkraft: Militärische Organisation und militärische Leistung 1939–1945 Freiburg 1989
  13. Klaus Hammel: Autorenportrait Martin van Creveld. In: Sezession, H. 1 (April 2003), S. 2-7, hier S. 4.
  14. http://www.d-mz.de/archives/471
  15. Martin van Creveld: „Über die Terrorismusbekämpfung“ (PDF; 59 kB)
  16. Andreas Platthaus: Na ja, Männer, zu kleines Gehirn. Martin van Creveld fürchtet den Triumph des Feminismus. FAZ 28. Juli 2003
  17. Rezensionen von TAZ, FAZ, NZZ und Sueddeutsche Zeitung bei Perlentaucher – Das bevorzugte Geschlecht, abgerufen am 7. Juli 2012.
  18. Christina von Braun: Die Paranoiker verfolgen mich. In: Cicero, 15. Juni 2010.
  19. Arne Hoffmann mit Martin van Creveld: Zustände: Frauen jammern, Männer arbeiten. In: eigentümlich frei, Nr. 37 [2003], S. 11-15
  20. Distinguished Book Awards, The Society for Military History, abgerufen am 17. März 2014.