Marxistische Literaturtheorie

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Die marxistische Literaturtheorie zählt zu den kontextzentrierten Literaturtheorien. Der Sammelbegriff fasst diejenigen Literaturtheorien zusammen, welche sich auf die Theorie des Marxismus berufen bzw. die Literatur vom Standpunkt der marxistischen Weltanschauung aus betrachten. Die verschiedenen marxistischen Literaturkritiken versuchen deshalb die Rolle herauszuarbeiten, welche die Literatur, und die Kunst im Allgemeinen, in der Gesellschaft spielen.

Karl Marx' Idee von Literatur[Bearbeiten]

Karl Marx selbst hat nie eine Literaturtheorie entwickelt, aber er war überzeugt von der relativen Autonomie der Kunst und somit auch der Literatur. Er hatte hierbei einen besonderen Hang zur griechischen Kunst, die aus seiner Sicht von überdauernder Schönheit ist.

Bedeutende marxistische Literaturtheorien[Bearbeiten]

Zu den bedeutendsten marxistischen Literaturtheorien zählen jene von Georg Lukács und Terry Eagleton, aber darüber hinaus findet sich noch eine Vielzahl anderer marxistischer Ansätze zur Literatur, beispielsweise in den Ideen und Theorien der Frankfurter Schule, den Schriften von Alexander Woronski oder bei Leo Trotzki.

Kritische Theorie der Reflexion[Bearbeiten]

Die kritische Theorie der Reflexion ist auf den ungarischen Philosophen und Literaturwissenschaftler Georg Lukács zurückzuführen. Er beschäftigt sich in seiner Theorie damit, wie Literatur in den sozialen, ökonomischen und historischen Kontext ihrer Zeit eingebettet ist. Eine der zentralen Fragen ist somit, ob bzw. wie stark die Ideale und Werte einer Gesellschaft Einfluss auf die Literatur nehmen. Ebenso bedeutsam ist die Frage, wie stark die Literatur Einfluss auf die Gesellschaft nimmt. Literatur wird folglich als eine Art Spiegel betrachtet, welcher die Gesellschaft reflektiert. In ihrer reflexiven Funktion verdeutlicht Literatur den Klassenkampf verschiedener sozialer Gruppen; sie stellt somit den Überbau einer gegebenen Basis (nämlich der Gesellschaft) dar und reflektiert und verändert diese stetig. Diese veränderte Gesellschaft wird nun wiederum in der Literatur reflektiert, dies führt zu einem dialektischen Prozess der Selbsterneuerung und Selbstverbesserung. Der dialektische Prozess findet dann ein Ende, wenn die perfekte Gesellschaft entstanden ist. Im Fall des Marxismus wäre die perfekte Gesellschaft eine klassenlose Gesellschaftsform.

Ideologiekritische Literaturtheorie[Bearbeiten]

Die ideologiekritische Literaturtheorie (Critique of Ideology) geht auf Terry Eagleton zurück, der als bedeutendster marxistischer Literaturkritiker Großbritanniens gilt. Ansätze französischer Theoretiker wie Louis Althusser und Roland Barthes aufgreifend, versucht er mit seinem Ansatz zu ergründen, wie Literatur soziale Gegensätze zwischen ökonomischen Gruppen offenbart. Nach seinem Fürsinnen wird die Gesellschaft nicht von der Literatur reflektiert, vielmehr versucht Literatur, durch ideologische Einflussnahme den Effekt von Realität zu erzeugen. In diesem Punkt ist seine Theorie konträr zu jener von Lukács: Literatur ist nicht Spiegel, sondern Steuermann der Gesellschaft. Literatur kann Gesellschaften somit in gewisse Richtungen lenken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cuddon, J. A.: A Dictionary of Literary Terms and Literary Theory, 4th edition, Oxford: Blackwell 1998
  • Eagleton, Terry: Marxism and Literary Criticism, London: Methuen 1976
  • Ryan, Michael: Literary Theory: A practical Introduction, Malden, Massachusetts: Blackwell 1999
  • Raddatz, Fritz J.: Revolte und Melancholie, 1979

Siehe auch[Bearbeiten]