Mary Bauermeister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mary Bauermeister vor Kristall-Objekt

Mary Bauermeister (* 7. September 1934 in Frankfurt am Main) ist eine deutsche Künstlerin.

Leben[Bearbeiten]

Studium[Bearbeiten]

Mary Bauermeister kam als Tochter des Professors für Anthropologie und Genetik Wolf Bauermeister und der Sängerin Laura Bauermeister zur Welt. Sie besuchte das Gymnasium in Köln-Kalk und studierte von 1954 bis 1955 an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wo sie Grundkurse bei Max Bill und Helene Nonné-Schmidt, einer ehemaligen Schülerin Paul Klees, besuchte. 1955 schrieb Bauermeister sich an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Otto Steinert (Fotografik) ein. 1956 ließ sie sich in Köln als freie Künstlerin nieder, wo sie vom Verkauf ihrer bisher entstandenen Pastelle lebte.[1] Zwischen 1954 und 1960 bereiste sie jährlich Paris und lernte die dortige Kunstszene kennen.[2]

Atelier Bauermeister[Bearbeiten]

1960 mietete Bauermeister in der Lintgasse 28 in Köln eine Wohnung im Dachgeschoss, wo zwischen März 1960 und Oktober 1961 mehrere Konzerte, Ausstellungen und intermediale Veranstaltungen stattfanden. Die kulturellen Veranstaltungen im Atelier Bauermeister gehörten zu den ersten „Prä-Fluxus-Veranstaltungen“ und hatten auf die Künstler der späteren Fluxus-Bewegung einen großen Einfluss.[1] Avantgardistische Dichter, Komponisten und bildende Künstler wie George Maciunas, Joseph Beuys, Wolf Vostell, Hans G Helms, David Tudor, John Cage, Christo, George Brecht und Nam June Paik veranstalteten damals auf ihre Einladung hin unkonventionelle Konzerte „neuester Musik“, Lesungen, Ausstellungen und Aktionen. Mary Bauermeisters „Prä-Fluxus“-Aktivitäten trugen erheblich zur Entwicklung der Kölner Kunstszene bei.

Karlheinz Stockhausen[Bearbeiten]

1961 nahm Mary Bauermeister am Kompositionskurs von Karlheinz Stockhausen an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil.[1] 1967 heiratete sie Karlheinz Stockhausen, mit dem sie zwei Kinder hat: Julika (* 1966) und Simon (* 1967). In dieser Zeit lautete ihr Familienname auch Mary Bauermeister-Stockhausen, 1973 lässt sich das Paar scheiden.[3] 1972 wird ihre Tochter Sophie geboren (Kind mit dem Komponisten David Johnson), 1974 ihre Tochter Esther (Kind mit dem israelischen bildenden Künstler Josef Halevi).

Erste museale Erfolge[Bearbeiten]

1962 hatte Bauermeister ihre erste Einzelausstellung im Amsterdamer Stedelijk Museum mit Arbeiten der Jahre 1958 bis 1962 und gleichzeitiger, ganztägiger Aufführung elektronischer Musikstücke unter der Leitung des Komponisten Karlheinz Stockhausen und anderer Komponisten, zu denen gleichzeitig Stockhausens Partituren in Vitrinen in unmittelbarer Nähe zu den Werken Bauermeisters gezeigt wurden.[4] Im Oktober 1962 reiste sie, angezogen durch die vitale Pop Art, nach New York. Im Künstlerkreis von Pop Art, Nouveau Réalisme und Fluxus pflegte sie Freundschaften mit Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely. In New York feierte Bauermeister beachtliche künstlerische Erfolge. In den 1960er Jahren stellte sie regelmäßig in der Galeria Bonino in der 57. Straße aus.

Werk[Bearbeiten]

Mary Bauermeister: Perhaps, 1965

Von der zweidimensionalen Zeichnung entwickelte sich das Werk Bauermeisters zunehmend in den Raum hinein – über Relief- und Materialbilder gelangte sie schließlich zu den sogenannten Linsenkästen, der wohl geheimnisvollsten Werkgruppe der Künstlerin, mit der ihr 1964 der Durchbruch auf dem New Yorker Kunstmarkt gelang. In zum Betrachter hin offenen, weißen Holzkisten schuf Bauermeister kleine Welten aus glänzendem Glas, Lupen, Linsen und Prismen, hinterlegt von feinen Tuschezeichnungen und aufgetragenen Texten. Diese Kästen bieten mit ihren zwei oder drei gläsernen Bildebenen Raum für die Gedanken und Ideen der Künstlerin und sollen den Betrachter zur genauen Beobachtung anregen.

In den 1970er Jahren kehrte Mary Bauermeister nach Deutschland zurück und begann sich mit Grenzwissenschaften wie Geomantie zu beschäftigen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse nutzte sie für die Planung von Gärten, die sie für öffentliche und private Auftraggeber weltweit ausführte. Heute lebt die Künstlerin in Rösrath bei Köln.

Anlässlich ihres 70. Geburtstags erwarb das Kölner Museum Ludwig ihre 1963 entstandene Wandinstallation Needless needles und richtete eine Werkschau aus (bis 23. Januar 2005). Im Jahr 2007 erwarb das Schweriner Museum Arbeiten der Künstlerin und installierte einen permanenten Kunstraum mit diesen Werken neben den Ausstellungsräumen ihres verehrten Vorbildes Marcel Duchamp. Diese Werke bestehen u. a. aus der Musicbox (1968), Rotes Magnetbild (1959), Studiofetisch (1970) und Fünf Totenhemden (1963) aus der Serie Ready Trouvées als Hommage an Marcel Duchamps Ready Mades.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrenbürgerin der Stadt Rösrath

Ausstellungen[Bearbeiten]

Gruppenausstellungen
  • 2007: WACK!Art and the feminist revolution, The Geffen Contemporary at MOCA, Los Angeles
  • 2008/2009: Now Jump., Festival, Station 1, Nam June Paik Art Center, Yongin-si
  • 2010: „kunstmündig“, Kunsthistorisches Institut, Uni Bonn
  • 2012: On the Road to FLUXUS, Prä-Fluxus International, Die Kunstagentin
  • 2013: Resonanzen, mit Werken von Jakob Mattner, 401contemporary, Berlin.[5]
Einzelausstellungen
  • 1962: Stedelijk Museum, Amsterdam
  • 1963: Haags Gemeentemuseum, Den Haag
  • 1963: Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven
  • 1964-70: Galeria Bonino, New York City (diverse Einzelausstellungen)
  • 1972: Mittelrhein-Museum, Koblenz
  • 1991/92: Galeria Bonino, New York City
  • 1998: Mary's and Ben's Lustspiel Galerie Schüppenhauer, Köln (mit Benjamin Patterson)
  • 2004: Needless Needles Museum Ludwig, Köln
  • 2010/2011: Welten in der Schachtel, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
  • 2011: Renaissance of Optics, Volkshochschule Aachen
  • 2012: Kulturgewächs - Spektrum über 60 Jahre, Retrospektive, Frauenmuseum Bonn

Literatur und Kataloge[Bearbeiten]

  • Karlheinz Stockhausen, electronische muziek & Mary Bauermeister, schilderijen. Stedelijk Museum, Amsterdam 1962. (Wanderausstellungskatalog: 2. bis 25. Juni 1962 Stedelijk Museum; Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven; Groninger Museum). 24 ungezählte S.
  • Bauermeister: paintings and constructions. Galeria Bonino, New York [1967]. (Ausstellungskatalog: 17. März bis 18. April 1964, Galeria Bonino). 28 ungezählte S.
  • Historisches Archiv der Stadt Köln (Hrsg.): Das Atelier Mary Bauermeister in Köln 1960–62 : intermedial, kontrovers, experimentell. Emons, Köln 1993, ISBN 3-924491-43-7. 215 S.
  • Lara Mallien: Musik sehen, Bilder hören. Ein Portrait über Mary Bauermeister. In Oya 09/2011. (Onlineversion).
  • Christel Schüppenhauer (Hrsg.): Mary Bauermeister: „all things involved in all other things“. Galerie Schüppenhauer, Köln 2004, ISBN 3-926226-57-9. 96 S. und 1 Interview-CD von Gregor Zootzky
  • Reinhard Spieler: Welten in der Schachtel. Mary Bauermeister und die experimentelle Kunst der 1960er Jahre. Kerber Art, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 2. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011, Bielefeld/Leipzig/Berlin 2010
  • Marianne Pitzen und Gamma Thesa Terheyden (Hrsg.): Mary Bauermeister. Kulturgewächs - Spektrum über 60 Jahre. Das Buch zur gleichnamigen Ausstellung im Frauenmuseum Bonn. Bonn 2012. ISBN 978-3-940482-53-2

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten]

  •  Mary Bauermeister: Ich hänge im Triolengitter: Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen. Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, 2011, ISBN 978-3570580240.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Reinhard Spieler: Welten in der Schachtel. Mary Bauermeister und die experimentelle Kunst der 1960er Jahre. Kerber Art, Bielefeld/Leipzig/Berlin 2010, S. 151
  2. Vita auf Frauen an der hfg ulm. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  3. Zeit:Er war mein Muserich
  4. Reinhard Spieler: Welten in der Schachtel. Mary Bauermeister und die experimentelle Kunst der 1960er Jahre, S. 152
  5. Die Visionärin in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 27. Oktober 2013, Seite 39