Mary Daly

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Dieser Artikel behandelt die feministische Theologin. Zur australischen Schriftstellerin siehe Mary Daly (Schriftstellerin).

Mary Daly (* 16. Oktober 1928 in Schenectady, New York; † 3. Januar 2010 in Gardner, Massachusetts) war eine US-amerikanische feministische Theologin. Sie galt als Vordenkerin der zweiten Frauenbewegung in den 1960er und 1970er Jahren und war als Autorin und Philosophin des radikalen Feminismus engagiert.

Leben[Bearbeiten]

Daly stammte aus einer Arbeiterfamilie mit irischen Vorfahren. Sie studierte Englisch am College of Saint Rose in New York und an der Catholic University of America in Washington, D.C.

Ihre erste Promotion in Religion legte sie 1954 am Saint Mary’s College in Notre Dame, Indiana ab. Anschließend unterrichtete sie am Cardinal Cushing College in Brookline, MA bis 1966.

Daly ging an die Universität Freiburg (Schweiz) und lehrte dort zwischen 1959 und 1966 katholische Theologie und Philosophie. Im Jahr 1963 promovierte sie in Theologie mit summa cum laude. 1965 legte sie eine dritte Promotion in Philosophie ab.

Von 1966 bis 1999 hatte Daly eine Professur für Theologie am jesuitischen Boston College inne. Ein Rockefeller-Stipendium ermöglichte ihr das Werk Gyn/Ökologie zu verfassen.

Werk[Bearbeiten]

Die amerikanische Feministin beschreibt in ihrem ersten feministischen Werk The Church and the Second Sex, das 1968, zu Beginn der zweiten Frauenbewegung erschien, die Unterdrückungsmechanismen, denen ihrer Ansicht nach Frauen in patriarchalen Kulturen ausgesetzt sind und zeigt Strategien auf, diesen zu begegnen. Als erste Autorin definierte sie den Radikalfeminismus, als dessen wichtigstes Ziel sie die Abschaffung des Patriarchats sieht. Nur dadurch, laut Daly, könne der Unterdrückung der Frauen Einhalt geboten und die gesellschaftlichen Geschlechtsunterschiede aufgehoben werden.

In ihrem zweiten Werk, Beyond God the Father: Toward a Philosophy of Women’s Liberation von 1973, stellt sie an die Stelle des unterdrückenden Vatergottes die Göttin. Sie fordert, dass Homosexualität als Form weiblicher Lebenskunst anerkannt wird. Beyond God the Father löste unter anderem in Deutschland die Bewegung von Lesben in der katholischen Kirche aus, die von Herta Leistner initiiert wurde.

1978 erschien Gyn/ecology: A Metaethics of Radical Feminism in dem sie Unrecht beschreibt, das Frauen durch das Patriarchat zugefügt wird. Dazu zählt sie die Witwenverbrennung in Indien, die Gynäkologie in den USA, das Füßebinden in China, die Hexenverbrennung in Europa und die weibliche Genitalverstümmelung in Afrika, die sie lange vor Waris Diries Buch Wüstenblume von 1998 kritisierte.

Dalys feministische Gesellschaftsanalyse wird kontrovers diskutiert. Während die einen in ihren philosophischen Werken neue gynozentrische Gesichtspunkte finden, klagen andere über ihre vermeintliche Männerdiskriminierung und werfen ihr vor, sie würde zum Gendercide aufrufen. Tatsächlich hat Daly in einem Interview mit dem EnlightenNext Magazine auf die Frage, was sie von Sally Miller Gearharts Forderung nach einer Reduktion der Männer auf 10 % der menschlichen Rasse hielte, geantwortet: „Ich denke, das ist durchaus keine schlechte Idee. Wenn Leben soviel heißt wie Überleben auf diesem Planeten, dann muss es eine Entseuchung (decontamination) geben. Ich denke, das wird begleitet sein von einem evolutionären Prozess, der in einer drastischen Reduktion der Männer bestehen wird.“[1]

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Daly wurde wegen Häresie aus der katholischen Kirche ausgeschlossen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Originalausgaben[Bearbeiten]

  • Natural Knowledge of God in the Philosophy of Jacques Maritain. Rom 1966: Officium Libri Catholici-Catholic Book Agency.
  • The Church and the Second Sex Boston 1969: Beacon Press
  • Beyond God the Father: Toward a Philosophy of Women’s Liberation Boston 1973: Beacon Press
  • Gyn/ecology: A Metaethics of Radical Feminism Boston 1978: Beacon Press
  • Pure Lust: Elemental Feminist Philosophy Boston 1986: Beacon Press
  • Outercourse: The Be-Dazzling Voyage San Francisco 1993: Harper
  • Quintessence: Realizing the Outrageous Contagious Courage of Women. A Radical Elemental Feminist Manifesto Boston 1998: Beacon Press
  • Amazon Grace: Re-Calling the Courage to Sin Big. New York 2006: Palgrave Macmillan

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Kirche, Frau und Sexus. Düsseldorf 1970: Walter, ISBN 3-530-14150-X
  • Jenseits von Gottvater, Sohn & Co. München 1986: Frauenoffensive, ISBN 3-88104-154-0
  • Gyn/Ökologie. Eine Metaethik des Radikalen Feminismus. München 1981: Frauenoffensive, ISBN 3-88104-109-5
  • Reine Lust. Elemental-feministische Philosophie. München 1986: Frauenoffensive, ISBN 3-88104-151-6
  • Auswärts Reisen. Die Strahlkräftige Fahrt. München 2002: Frauenoffensive, ISBN 3-88104-253-9

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marlies Fröse (Hrsg.): Utopos. Kein Ort. Mary Daly’s Patriarchatskritik und feministische Politik. 1988, ISBN 3-921680-71-9
  • Erika Wisselinck: Frauen denken anders. München 1999: Frauenoffensive, ISBN 3-922229-26-3
  • Jane Caputi, Mary Daly, Sudie Rakusen: Websters' First New Intergalactic Wickedary of the English Language. Boston 1987: Beacon Press, ISBN 0-8070-6733-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. No Man's Land - An interview with Mary Daly