Marzabotto (antike Stadt)

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Akropolis in Marzabotto
Karte des Ausgrabungsstätte
Tempel von Marzabotto

Marzabotto ist eine kleine italienische Ortschaft in den Apenninen, in deren Nähe die Reste einer etruskischen Stadt ausgegraben werden konnten. Es handelt sich um die am besten erhaltene und erforschte etruskische Stadt.

Die Grabungen von Marzabotto sind mit dem Beginn der keltischen Archäologie in Italien eng verbunden. Beim 5. Kongress für prähistorische Anthropologie und Archäologie in Bologna 1871 wurden erstmals die kulturellen Verbindungen der Funde mit dem transalpinen West- und Mitteleuropa erwähnt.[1]

Geschichte und archäologische Funde[Bearbeiten]

Am Ende des sechsten Jahrhunderts v. Chr. begannen die Etrusker, Kolonien nördlich ihres eigentlichen Stammlandes zu gründen. Vor allem in der Poebene und auf dem Weg dorthin entstanden einige Städte. Schon im sechsten Jahrhundert befand sich bei Marzabotto, dessen antiker Name nicht bekannt ist, ein Dorf mit runden Hütten. Um 500 v. Chr. wurde der Ort mit der Ankunft der Etrusker zu einer Stadt ausgebaut, die nach einem rechtwinkligen Schema mit ca. 15 m breiten Hauptstraßen angelegt war. Seitenstraßen waren 5 m breit. Unter den Straßen der Stadt, die über eine offene Kanalisation verfügte, befand sich eine Wasserleitung. Die Häuser, von denen meist nur noch die steinernen Fundamente und tönernen Dachziegel zu finden waren, waren in der Regel um einen offenen Hof angeordnet. In der Stadt gab es Metall- und Keramikwerkstätten und neben den Wohnbezirken an den Hängen der Stadtburg (Akropolis) die Tempelbauten. Die Stadt ging vermutlich um 350 v. Chr. unter, als die Gallier in Italien einfielen.[2]

Zwischen 1867 und 1871 wurden im Stadtgebiet zwei Nekropolen von Gabriel de Mortillet und Pierre Jean Édouard Desor untersucht und dabei die oben genannten Kulturzusammenhänge über den Alpenkamm erkannt. In dem einen Gräberfeld, am Fuße der Akropolis, wurden 17 Körperbestattungen, im anderen, an einem unbewohnten Platz im Stadtzentrum, acht gefunden. Männergräber mit Waffen, Frauengräber mit Fibeln (darunter eine vom Marzabotto-Typ, siehe unten) und Armreifen, aber alle Grabstellen ohne Keramik, wurden freigelegt. Datiert wurden die beiden Nekropolen für die Zeit vom Beginn bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr., als die Stadt nicht mehr bestand, sondern nur mehr ein oder zwei kleine Ansiedlungen (nach antiken Autoren boisch genannt) entfernten Siedlung im heutigen Casalecchio di Reno, wie Vergleiche der latènezeitlichen Fundobjekte beweisen. Die Bestattungsriten sind hie und dort unterschiedlich von den Riten in anderen Zentren der Region (Bologna, Monte Bibele, Monterenzio), denn es wurden dabei keine hellenisierenden griechisch-etruskischen Bräuche, wie ein sympósion („Gastmahl“) oder Wettbewerbe abgehalten. Auch gab es ausschließlich Körper- und keine der damals ebenfalls üblichen Brandbestattungen. Einige der Bestattungen fanden in sogenannten Grabschächten statt, was als Argument einer Verbindung zwischen cis- und transalpiner (Kelten-)Welt galt. Eine Wiederverwendung aufgelassener Brunnenschächte wird allerdings heute als wahrscheinlicher angesehen.[1]

Einige Metallobjekte aus dem Stadtbereich sind ebenfalls latènezeitlich, wie Hohlbuckelreifen und Fibeln, teilweise (absichtlich?) deformiert. Manche davon befand sich im Tempelbezirk, und könnten deshalb als Votivgaben (ex-votos) klassifiziert werden. Ein sicher als ex-voto anzusprechendes Objekt ist eine Fibel, die in einem Wasserheiligtum im Nordteil der Stadt deponiert worden war. Gefäße mit keltischen Verzierungen weisen wiederum auf Casalecchio di Reno hin, wo ebensolche Keramiken gefunden wurden.[1]

Vor Ort befindet sich ein Museum, in dem die hier gemachten Funde zu sehen sind.

Marzabotto-Fibel[Bearbeiten]

Nach dem genannten Exemplar der von Mortillet und Desor in Marzabotto gefundenen Fibel erhielt dieser Typ den Namen Marzabotto-Fibel, auch Züricher- oder drahtförmige Fibel genannt. Die besondere Form dieser Fibel zeigt einen symmetrisch gewölbten Bügel mit zweiseitiger Spirale und einem halbkreisförmigen Fuß. Sie stellt damit eine Mischung aus transalpinen Fibel-Formen und denen der sogenannten Certosa-Fibel dar und ist südlich des Po nur mit diesem einen Fund vertreten. Als technische Neuerung der Frühlatènezeit gilt die Herstellung aus einem Werkstück in einem Arbeitsgang. Als Material wurde meistens Bronzedraht, seltener Silber oder Eisen verwendet. Die Marzabottofibel ist ein Leitobjekt des Zeitabschnittes „La Tène A“ (~480 bis ~380 v. Chr.); ihr Verbreitungsgebiet ist vom Marnegebiet über das Rheintal, die Mittelschweiz bis zur oberen Donau. Gefunden wurde sie sowohl in Männer-, Frauen als auch Kindergräbern, die Lagesituation lässt eine Trageweise am Oberkörper als gesichert annehmen.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Sievers/Urban/Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K, L-Z. S. 1251 f.
  2. Guido Achille Mansuelli: Marzabotto: Dix années de fouilles et recherches. S. 111 f.

44.33888888888911.205555555556Koordinaten: 44° 20′ N, 11° 12′ O