Maschinenkarabiner

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Maschinenkarabiner (kurz MKb) ist eine heute nur noch selten gebrauchte Bezeichnung für eine militärische Handfeuerwaffe mit der Möglichkeit Einzelfeuer und Feuerstöße abzugeben und dadurch Gefechtseigenschaften zu erzielen, die auf kurze Entfernung (bis 200 m) denen von Maschinenpistolen, auf mittlere (bis 400 oder 600 m) denen von Gewehren gleichkommen. Zu diesem Zweck wird meist eine Mittelpatrone verschossen. Heute wird für vergleichbare Waffen in der Regel die Bezeichnung Schnellfeuer- oder Sturmgewehr verwendet.

Awtomat Fjodorowa, Modell 1916

Besonderheiten[Bearbeiten]

MKb 42 (W), mit Schießbecher

In ihren technischen Eigenschaften, ihrer taktischen Verwendung und ihrer Geschichte sind die als Maschinenkarabiner bezeichneten Waffen Teil der Entwicklung des Sturmgewehrs. Besonderheiten ergeben sich durch die historische Begriffsverwendung. Hervorzuheben ist zum einen, dass die Bezeichnung Maschinenkarabiner bis Anfang der 40er Jahre die Vorstufen, Prototypen und Parallelentwicklungen des im Auftrag der Wehrmacht entwickelten Sturmgewehrs 44 bezeichneten.[1] Zum anderen muss darauf verwiesen werden, dass im militärischen Sprachgebrauch teilweise auch solche Waffen als Maschinenkarabiner bezeichnet wurden, die richtiger den Maschinenpistolen zuzuordnen wären. Dies trifft z.B. auf die Maschinenpistolen MKMO (Maschinenkarabiner, Militär, Hülsenauswurf: oben) und MKPO (Maschinenkarabiner, Polizei, Hülsenauswurf: oben) der SIG zu - tatsächlich der ersten Serienwaffe, die diese Bezeichnung trug, und deren Besprechung ab 1935 den Begriff in die militärische Literatur einführte. Die Bezeichnung rechtfertigte sich durch die Verwendung der sehr starken Pistolenpatrone Mauser 9x25 mm, ein gewehrähnliches Aussehen und einen langen Lauf.[2]

Begriffsbildung[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Maschinenkarabiner setzt sich zusammen aus dem Bestimmungswort "Maschinen-" und dem Grundwort "Karabiner". Ersteres bezeichnet die automatische Funktionsweise des Verschlusses. Letzteres bezeichnet äußere Gestalt und ballistische Leistung als eine Waffe mit, gegenüber normalen Gewehren, verkürztem Lauf und verminderter ballistischer Leistung. Das Wort beschreibt die entsprechenden Waffen also präziser als die Suggestivbezeichnung Sturmgewehr.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Dieter Handrich, Sturmgewehr 44, Blaufelden 2008, insbes. Kap. 4 u. 5.
  2. Vgl. Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Gestern (1918-1945), Bd. 2, Berlin 3. Auflage 1998, S. 392ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter R. Senich: Deutsche Sturmgewehre bis 1945. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01866-7
  • Ian V. Hogg, John Weeks: Military Small Arms of the 20th Century. Expanded, updated illustrated Encyclopedia of the World's small Caliber Firearms. 7th edition. Krause Publications, Iola WI 2000, ISBN 0-87341-824-7.