Amoklauf an der Polytechnischen Hochschule Montréal 1989

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Gedenktafel für die 14 Opfer

Das Amoklauf an der Polytechnischen Hochschule Montréal 1989, auch bekannt als Montreal Massaker, geschah am 6. Dezember 1989 an der École Polytechnique de Montréal in Québec, Kanada. Der 25-jährige Marc Lépine erschoss 14 Frauen, bevor er sich selbst das Leben nahm. 14 andere Personen, darunter vier Männer, wurden verwundet.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ablauf

Am 6. Dezember 1989, kurz nach 16 Uhr, betrat Lépine die École Polytechnique de Montréal, eine Fachschule für Maschinenbau, die der Université de Montréal angegliedert ist.[1] Er war mit einem Jagdmesser und einem Ruger Mini-14 Jagdgewehr, welches er am 21. November 1989 beim lokalen Sportwaffenhändler gekauft hatte,[2] bewaffnet.[1] Lépine kannte sich in dem Gebäude aus, weil er in Vorbereitung auf das Massaker die École Polytechnique mindestens sieben Mal aufsuchte.[1]

Nachdem er eine Zeit lang im Studierendensekretariat gesessen hatte, begab er sich in das Obergeschoss des Gebäudes und betrat gegen 17.10 Uhr einen Raum, in dem ein Maschinenbau-Seminar mit etwa 60 Studierenden stattfand.[1] Er forderte die anwesenden Frauen und Männer auf, sich in verschiedenen Ecken des Raums zu gruppieren. Die Studiereden hielten die Aufforderung zunächst für einen Witz und bewegten sich nicht vom Platz bis Lépine in die Decke schoss.[3] Lépine trennte dann die neun Frauen von den etwa 50 Männern und beorderte die Männer, den Raum zu verlassen.[4] Er fragte die Frauen, ob sie wüssten, weshalb sie dort seien und als eine Studierende mit "Nein" antwortete, sagte er: "Ich kämpfe gegen den Feminismus".[1] Die Studierende, die zuvor gesprochen hatte, versicherte, sie seien keine Feministinnen, woraufhin Lépine schrie: "Ihr seid alle ein Haufen von Feministinnen. Ich hasse Feministinnen." Er schoss dann auf die neun Frauen von links nach rechts, tötete sechs und verletzte drei.[1][5]

Lépine setzte die Schießerei im Gang des Obergeschosses fort und verletzte drei Studierende. Während er im Gang herumwanderte, schrie er: "Ich will Frauen".[3] Er betrat dann einem Raum, in welchem er zwei Mal versuchte, auf eine Studentin zu schießen, musste den Angriff aber unterbrechen und den Raum verlassen, um seine Waffe auf einer Nottreppe nachzuladen. Er kehrte zurück, aber die Studierenden hatten die Tür verriegelt. Lépine schoss drei Mal in die Tür, aber es gelang ihm nicht, sie zu öffnen. Im Gang schoss er dann auf weitere Personen und verletzte eine bevor er eine Frau im Finanzbüro tötete.[1]

Im Anschluss begab er sich ins Erdgeschoss in die Cafeteria, wo sich etwa 100 Menschen versammelt hatten. Die Menschenmenge löste sich auf nachdem er eine Frau, die in der Nähe der Küche stand, tötete und eine Studentin verwundete. Er betrat einen unverschlossenen Lagerbereich, wo er zwei weitere Frauen umbrachte, die sich dort versteckt hielten.[1]

Der Seminarraum im zweiten Obergeschoss der École Polytechnique. Hier endete der Amoklauf.

Lépine nahm den Aufzug ins zweite Obergeschoss des Gebäudes, wo er im Flur eine weibliche und zwei männliche Studierende verletzte. Dann betrat er einen Seminarraum und sagte den drei Studierenden, die dort eine Präsentation hielten, sie sollen den Raum verlassen. Er verletzte Maryse Leclair, die vorne im Raum stand, schoss dann auf die Studierenden in den ersten Reihen, und tötete zwei Frauen, die versuchten, den Raum zu verlassen. Lépine bewegte sich dann auf einige der weiblichen Studentinnen zu, verletze drei und tötete eine von ihnen. Er wechselte das Magazin und schoss dann in alle Richtungen. Die verletze Leclair bat um Hilfe, woraufhin Lépine drei Mal mit seinem Jadgmesser auf sie einstach und sie tötete. Er nahm seine Mütze ab, wickelte sein Gewehr in seinen Mantel und nahm sich mit einem Kopfschuss das Leben. Der Amoklauf dauerte 20 Minuten. Lépine tötete 14 Frauen, davon 12 Ingenieursstudentinnen, eine Medizinstudentin und eine Universitätsmitarbeiterin. 14 andere – davon vier Männer – verletzte er mit Schüssen.[1][6]

[Bearbeiten] Abschiedsbrief

Lépine hinterließ einen dreiseitigen Abschiedsbrief, der mit dem Datum des Amoklaufs versehen war.[1] Einige Details aus dem Abschiedsbrief wurden zwei Tage nach dem Amoklauf von der Polizei veröffentlicht,[7][8] aber der ganze Brief wurde nicht offengelegt. Ein Jahr nach dem Massaker wurde Lépines Brief an die Medien geleakt. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, er sei vollkommen rational, sein Amoklauf habe politische Motive und Feministinnen hätten sein Leben ruiniert.[9][10] Er beschrieb seine Gründe für den Amoklauf, darunter auch seinen Hass auf Feministinnen dafür, dass sie einen sozialen Wandel anstrebten und die Privilegien von Männern an sich reißen wollten, so Lépine.[10] Der Brief enthielt darüber hinaus eine Liste mit den Namen von 19 Frauen aus Quebec, die Lépine für Feministinnen hielt und deshalb umbringen wollte.[10][11] Die Liste enthielt under anderen Journalistin Francine Pelletier, eine Gewerkschaftsführerin, eine Politikerin, eine Prominente, und sechs Polizeibeamtinnen.[11] Der Brief (ohne die Liste von Frauen) wurde schließlich in der kanadischen Zeitung La Presse veröffentlicht, wo Pelletier als Kolumnistin tätig war.[9] Darüber hinaus gab Lépine in dem Brief seiner Bewunderung für den Amokläufer Denis Lortie Ausdruck, der 1984 drei Staatsbeamte umgebracht und 13 weitere verletzt hatte.[12] Der Text des Abschiedsbriefs ist auf Französisch und Englisch erhältlich.

[Bearbeiten] Täter

Hauptartikel: Marc Lépine

Marc Lépine bewarb sich 1986 für einen Studienplatz am Polytechnikum und wurde angenommen unter der Bedingung, dass er zwei Kurse absolviert und die Leistungsnachweise nachreicht.[1] 1989 schloss er einen der erforderlichen Kurse ab[1] und bewarb sich erneut am Polytechnikum, wurde aber abgelehnt, da ihm immer noch ein Kurs fehlte.[13]

[Bearbeiten] Opfer

Schriftzug als Teil des Mahnmals „Nef pour les quatorze reines“ (Schiff für 14 Königinnen)
Place du 6 Décembre 1989
  • Geneviève Bergeron (* 1968), sie hatte ein Stipendium für Bauwesen und war eine talentierte Musikerin.
  • Hélène Colgan (* 1966), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr
  • Nathalie Croteau (* 1966), Studentin für Maschinenbau
  • Barbara Daigneault (* 1967), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr. Ihr Vater war ein Professor für Maschinenbau an einer anderen Schule Montreals, sie half ihm als unterrichtende Assistentin.
  • Anne-Marie Edward (* 1968), Studentin für chemische Verfahrenstechnik und Mitglied des Uni-Skiteams, auf Wunsch ihrer Familie wurde sie in ihrem Teamanzug begraben.
  • Maud Haviernick (* 1960), sie hatte einen Abschluss in Umwelttechnik und war in ihrem zweiten Studienjahr.
  • Barbara Klucznik-Widajewicz (* 1958), Studentin der Pflegewissenschaft, sie und ihr Ehemann wollten in der Cafeteria essen, weil sie dort die niedrigsten Preise am Campus hatten.
  • Maryse Laganière (* 1964), sie arbeitete in der Finanzabteilung der Hochschule und war frisch verheiratet.
  • Maryse Leclair (* 1966), Studentin für Werkstofftechnik
  • Anne-Marie Lemay (* 1967), Studentin für Maschinenbau
  • Sonia Pelletier (* 1961), Studentin für Maschinenbau im letzten Studienjahr
  • Michèle Richard (* 1968), Studentin für Werkstofftechnik
  • Annie St-Arneault (* 1966), Studentin für Maschinenbau
  • Annie Turcotte (* 1969), Studentin für Werkstofftechnik

[Bearbeiten] Die Folgen

Sarto Blais, der sich an diesem Tag auf dem Campus aufhielt, erhängte sich in den folgenden Monaten. Seine Eltern begingen später ebenfalls Suizid.

Das Massaker schockierte Québec und Kanada. Die Landes- und Montreals Stadtregierung erklärten drei Tage Staatstrauer. Als Lépines Motive klar wurden, erhob sich eine Welle der Unterstützung für die Feministen und gegen Gewalt gegen Frauen. Der 6. Dezember wurde zum Nationalen Gedenktag gegen Gewalt gegen Frauen, Symbol wurde das der roten Schleife nachempfundene weiße oder violette Band, eine Gedenkstätte wurde errichtet.

Die Folgen für die Beteiligten waren hart, viele leiden noch heute an posttraumatischen Störungen. Der Student Sarto Blais konnte die Ereignisse nicht verkraften und erhängte sich einige Monate später, seine Eltern begingen ebenfalls Selbstmord.

Politische Folge waren strengere Waffengesetze, die 1995 verabschiedet wurden.

Im Februar 2009 kam der auf den Ereignissen basierende Film Polytechnique von Denis Villeneuve in die kanadischen Kinos.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m Teresa K. Sourour (1991): Report of Coroner's Investigation (PDF). Abgerufen am 19. Januar 2012.
  2. Greg Weston: Why? We may never know. In: Toronto Sun, 14. September 2006. 
  3. a b Gunman massacres 14 women (Video-Stream). Archiv. CBC (6. Dezember 1989). Abgerufen am 28. Januar 2012.
  4. Adrian Cernea: Poly 1989: Témoin de l'horreur. Montréal: Éditions Lescop 1999, ISBN 978-2980483288
  5. Burk, Adrienne L. Speaking for a long time: public space and social memory in Vancouver. Vancouver: University of British Columbia Press, 2010, S. 1, ISBN 978-0-7748-1698-4.
  6. Walter Buchignani: Amid the tragedy, miracles of survival. In: The Gazette, 8. Dezember 1989, S. A3. 
  7. Victor Malarek: More Massacre Details to be Released by Police, but an Inquiry Ruled Out. In: The Globe and Mail, 12. Dezember 1989, S. A6. 
  8. Victor Malarek: Killer's letter blames feminists. In: The Globe and Mail, 8. Dezember 1989, S. A7. 
  9. a b Martin Pelchat: Lépine avait des motifs 'politiques'. In: La Presse, 24. November 1990. 
  10. a b c "CityNews Rewind: The Montreal Massacre". City News, 6. Dezember 2006. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  11. a b Lisa Fitterman: Cops on Lepine's list: Names of six female officers found on Polytechnique killer. In: The Gazette, 10. März 1999, S. A3. 
  12. Eglin, Peter; Hester, Stephen: "The Montreal Massacre: A Story of Membership Categorization Analysis". Wilfrid Laurier University Press, Waterloo, Ont., 2003, S. 58, ISBN 9780889204225.
  13. Lépine, Monique; Gagné, Harold: Aftermath. Viking Canada, Toronto, 2008, S. 170–171, ISBN 978-0-670-06969-9.

[Bearbeiten] Weblinks

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