Massaker auf dem Marsfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Blutbad oder Massaker auf dem Marsfeld werden die Ereignisse beschrieben, die sich am 17. Juli 1791 auf dem Pariser „Feld der Föderation“ zutrugen, wie das Marsfeld seit dem Fest der Föderation am 14. Juli 1790, dem ersten Jahrestag der Erstürmung der Bastille, genannt wurde. Über die Unterzeichnung einer republikanischen Petition kam es an diesem Tag zu Unruhen, die der Bürgermeister von Paris Jean-Sylvain Bailly und der Oberbefehlshaber der Nationalgarde Lafayette blutig niederschlugen, womit sie ihre Popularität vollständig einbüßten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ursache

Den zweiten Jahrestag der Erstürmung der Bastille, jenes Symbols staatlicher und monarchistischer Willkür, überlagerten anhaltende Diskussionen über die versuchte Flucht Ludwig XVI. im Juni. Ludwig XVI. war nach seiner Ergreifung in Varennes bis auf weiteres von seinem Amt suspendiert worden. Aus den Reihen der radikalen Cordeliers, unter ihnen auch Hébert, Danton und Marat, wurden Forderungen nach seiner endgültigen Absetzung laut. Am Freitag, dem 15. Juli beschloss die Nationalversammlung jedoch, den König im Amt zu belassen, ein Beschluss, dem letztendlich auch die Jakobiner, die vorher über eine Petition gegen Ludwig beraten hatten, zustimmten. Die Cordeliers allerdings ließen sich von ihrem Standpunkt nicht abbringen und legten am Sonntag, dem 17. Juli auf dem Marsfeld auf dem Altar des Vaterlandes eine republikanische Petition zur Unterschrift aus.

[Bearbeiten] Anlass

Der Anlass für Unruhen an jenem Sonntag war die Ergreifung zweier Männer, eines jungen Burschen und eines Invaliden mit Holzbein, der für Aufsehen sorgte. Man hatte die beiden unter dem Altar des Vaterlandes aufgefunden, von wo aus sie viele kleine Löcher in die Bodenplanken gebohrt hatten, um am Tage, bei der Unterschriftenaktion, den Frauen unter den Rock schauen zu können. Höchstwahrscheinlich wären die Beiden auch mit derben Beschimpfungen und Prügel davongekommen, wenn man in ihrem Versteck nicht ein mysteriöses Fässchen gefunden hätte. Obwohl es sich um ein normales Weinfass handelte, machte sich unter den Versammelten plötzlich das Gerücht breit, die beiden hätten vorgehabt, mit einem Pulverfass den Altar des Vaterlandes samt der republikanischen Petition und den anwesenden Cordeliers in die Luft zu sprengen. Man führte sie zum Sektionskomitee. Dort angelangt hängte der Pöbel die beiden gegen 7:00 Uhr am Morgen an einer Laterne auf.

[Bearbeiten] Verlauf

Um die Mittagszeit, da die Petition unterzeichnet werden sollte, suchten städtische Untersuchungsbeamte den Ort auf und trafen lediglich auf unbewaffnete Bürger, die sich mit den Unterschriften befassten. Überzeugt, dass dort nichts das Eingreifen einer Ordnungsmacht erfordern würde, zogen sie sich zurück. Gleichzeitig wurde eine Abteilung der Nationalgarde und Geschütze, die nach dem morgendlichen Ereignis in einer Nebenstraße postiert worden waren, abgezogen. Die Truppenbewegungen schufen Unsicherheit, die Hitze des Tages und die verschiedensten Gerüchte luden die Situation auf. Doch noch blieb alles ruhig.

Gegen 18:00 Uhr hatte sich die Menschenmenge jedoch immer noch nicht zerstreut, woraufhin eine Abteilung der Nationalgarde mit einem Artillerietrain, geführt von General Lafayette persönlich, anrückte, auf seinem Schimmel allerorten und jeder Zeit eine imposante Persönlichkeit. Ihn begleitete, nicht minder beliebt beim Volk, der Bürgermeister Bailly. Mit sich führten sie die rote Fahne, das Zeichen eines bevorstehenden Truppeneinsatzes. Plötzlich löste sich ein Schuss, und Lafayette wurde der Hut vom Kopf gefegt. Die Soldaten antworteten mit heftigem Gewehrfeuer, obwohl ihnen der General befahl, Ruhe zu bewahren. In der versammelten Menge entstand eine Massenpanik. Die Menschen drängten auf allen Seiten vom Platz. Die Soldaten dagegen sahen sich in die Enge getrieben und schossen erneut. Im folgenden Handgemenge fanden Hunderte Pariser den Tod. Ihre Leichen wurden noch in der selben Nacht der Seine übergeben.

[Bearbeiten] Auswirkungen

Lafayette und Bailly wurde die Hauptschuld an dem Massaker des 17. Juli gegeben. Man warf ihnen Fahrlässigkeit und Mutwillen vor. Einige glaubten gar in ihnen Werkzeuge einer royalistischen Gegenrevolution zu erkennen, die mit allen Mitteln verhindert hätten, den König durch die zu unterzeichnende Petition abzusetzen. Beide verloren ihre Popularität im Volk und mit ihnen die gesamte gemäßigte Seite, deren führende Vertreter sie gewesen waren. Die radikalen Kräfte in Frankreich gewannen an Macht. Die Französische Revolution nahm ihren Lauf.

[Bearbeiten] Literatur

  • Panon Desbassayns: Tagebuchnotiz über die Vorfälle auf dem Marsfeld (17. Juli 1791). In: Chris E. Paschold (Hrsg.): Die Französische Revolution. Ein Lesebuch mit zeitgenössischen Berichten und Dokumenten. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-008535-7.
  • Denkschrift der Jakobiner über das Massaker auf dem Marsfeld (7. August 1791). In: Die Französische Revolution. Ein Lesebuch mit zeitgenössischen Berichten und Dokumenten. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-008535-7.
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen